Mit 15 zum Jihad

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Mit 15 zum Jihad

Von Hans Woller, 20.01.2014

Mehrere hundert junge Franzosen sind im letzten Jahr nach Syrien aufgebrochen, um den heiligen Krieg zu führen. Jetzt sogar zwei Gymnasiasten aus Toulouse.

Ausgerechnet Toulouse. Ausgerechnet in der Stadt, wo vor bald zwei Jahren ein gewisser Mohamed Merah auf seine Art den heiligen Krieg geführt hat. Er hat französische Soldaten, zurück vom Afghanistan-Einsatz, und jüdische Kinder und Eltern vor einer Thora-Schule kaltblütig erschossen und ganz Frankreich erstmals klar gemacht hat: in den eigenen Vorstädten des Landes können junge Franzosen zu Terroristen mit islamistischen Hintergrund heranwachsen. Der Schock sass und sitzt immer noch tief.

Ahnungslose Eltern

Knapp zwei Jahre später stehen jetzt in einer propren Einfamilienhaussiedlung in einem Vorort von Toulouse ein Vater und eine Mutter, sie Französin, er tunesischer Herkunft, die verweinten Augen hinter Sonnenbrillen versteckt, vor Fernsehkameras und Mikrophonen und lassen ihrer Verzweiflung freien Lauf. Hakim, ihr gerade mal 15-jähriger Sohn, war nach den Weihnachtsferien am 6. Januar nicht in seinem Gymnasium erschienen und blieb verschwunden, ebenso wie einer seiner Klassenkameraden. Hakim, das älteste von fünf Kindern der Familie, war ein exzellenter Schüler und sogar Klassensprecher und hat nie Anlass zur Sorge gegeben. Zu Hause feierte man die Feste des Islam, mehr aber auch nicht, niemand in der Familie ging in die Moschee, Religion spielte eine völlig untergeordnete Rolle.

In Hakims Zimmer fanden die Eltern an diesem 6. Januar einen Brief, in dem der 15-Jährige sie davon in Kenntnis setzte, dass er nach Syrien gehe, um - so wörtlich - den Islam  zu predigen. Wenige Tage später - Hakim war bereits in der Türkei und auf dem Weg nach Syrien - erklärte er seinem Vater am Telefon, er werde sich erst in einem Monat wieder melden, wenn er dann noch am Leben sei, ansonsten sehe man sich im Paradies wieder.  

Freunde aus seiner Schulklasse haben inzwischen per MMS Fotos von ihm erhalten, auf denen Hakim mit einer Kalaschnikow zu sehen ist. 

Appell an den Staat

In seiner Verzweiflung spricht der Vater jetzt vor Kameras und Mikrophonen so, wie es Familienangehörige von französischen Geiseln in der Sahelzone und anderswo in den letzten Monaten und Jahren häufig  getan haben: Er wendet sich an die höchsten Autoritäten des Staates, an den Innenminister und sogar an den Staatspräsidenten und appelliert an sie, alle zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um seinen Sohn wohlbehalten zurück zu bringen. Dieser fordernde, ja den französischen Staat fast anklagende Medienauftritt des verzweifelten Vaters wirkt ein wenig ungeschickt, fast deplatziert – klingt als sei in seinen Augen der Staat mitschuldig am Verschwinden seines Sohnes.  

Der 15- jährige Hakim ist aber nicht in Geiselhaft. Er ist seinen Eltern ganz offensichtlich in rasend kurzer Zeit entglitten. Am Ende hat er hinter ihrem Rücken mit der Kreditkarte des Vaters die Flugtickets in die Türkei gekauft, um von dort nach Syrien zu gelangen. Nun soll der französische Staat - so klingt es - sich darum kümmern, den Jungen und seine Familie aus dem Schlamassel wieder raus zu holen. Es handle sich beim Verschwinden seines 15-jährigen Sohnes um eine regelrechte Entführung, klagt der Mann, sein Sohn sei im Internet einer echten Gehirnwäsche unterzogen worden. Der Vater warnte vor mafiösen Netzwerken im Web, welche junge Franzosen für den Djihad rekrutierten – jeder Familie könne dies passieren.  

Mehrere Mitschüler Hakims bezeugten, dass dessen  Verwandlung in der Tat sehr schnell vor sich gegangen ist. Erst letzten November habe er, der kein Wort arabisch spricht, angefangen, keinerlei Musik mehr und nur noch Koranpredigten zu hören und sei plötzlich mit niemandem aus seiner Klasse mehr ausserhalb der Schule verkehrt, mit Ausnahme des Mitschülers, mit dem er  jetzt nach Syrien gegangen ist. Diesen 16-Jährigen, der im Gegensatz zu Hakim ein sehr chaotisches Schulleben hinter sich hat, habe man in den letzten Monaten öfters mit einem bärtigen Moslem in der Nähe des Gymnasiums gesehen.

Bruder François Hollande     

Im  August und im  Dezember letzten Jahres sind  zwei junge Männer aus Toulouse in Syrien sogar ums Leben gekommen. Nicolas, 32 und sein Halbbruder, Jean-Daniel, 22 - beide erst vor 3 Jahren zum Islam konvertiert. Der Jüngere starb bei Kämpfen in Homs, der Ältere im Dezember als Selbstmordattentäter. Die Mutter wurde aus Syrien per SMS vom Tod ihres Sohns informiert. Nicolas hatte wenige Wochen zuvor noch ein Video ins Internet gestellt, auf dem er neben seinem schweigenden Halbbruder zu sehen war, mit Koran und Maschinengewehr in der Hand. In seiner Rede forderte er junge Franzosen auf, es ihm gleich zu tun und „in das vom Islam  gesegnete Land zu kommen“. Er verlangte von Frankreich, sich aus Mali zurück zu ziehen und forderte Staatspräsident Hollande - wörtlich: Bruder François Hollande - auf, sich zum Islam zu bekehren.

Auch in diesem Fall waren die Eltern wie vor den Kopf gestossen und klagten - wie jetzt Hakims Vater - Netzwerke auf dem Internet und einzelne radikale Moscheen an, sie würden junge Franzosen als Kanonenfutter für Syrien anheuern.

700 Franzosen in Syrien

Die jungen französische Gotteskrieger in Syrien haben für die Öffentlichkeit in Frankreich jetzt schon drei Gesichter: Hakim, Jean-Daniel und Nicolas. Zwei davon sind bereits tot. Man erinnert sich plötzlich wieder an diskrete Äusserungen des französischen Innenministers in den letzten Monaten, die zunächst keinen grossen Widerhall fanden. Laut Manuel Valls  ist die Rekrutierung junger Franzosen für den Djihad in Syrien für Paris derzeit eines der wichtigsten Probleme des Terrorismus - vor allem im Hinblick darauf, dass diese jungen Leute eines Tages nach Frankreich zurückkehren werden.

Das Phänomen jedenfalls - dies sagt auch Frankreichs führender Untersuchungsrichter im Kampf gegen den Terrorismus, Marc Trevidic - nimmt seit einigen Monaten immer grössere Ausmasse an. Bis zu 700 junge Franzosen halten sich nach Angaben der Geheimdienste derzeit in Syrien auf, rund 150 seien auf dem Weg dorthin oder auf dem Rückweg.
 

Ein nicht näher genannter leitender Beamter eines französischen  Nachrichtendienstes sagte gegenüber der Tageszeitung „Le Figaro“, es sei höchste Zeit, ein Alarmsignal auszusenden, die Rekrutierung der jungen Franzosen für den Djihad in Syrien sei mittlerweile bestens organisiert und auch finanziert. Unter den Angeheuerten, so der Innenminister am Wochenende, seien mittlerweile ein ganzes Dutzend Minderjähriger! Kindersoldaten aus Europa - etwas, das man bislang nur vom afrikanischen Kontinent zu kennen glaubte. 

Kommentare

Das von einem Vater beklagte „im Internet einer echten Gehirnwäsche unterzogen“, wird auch als "Mind Control - Remote Neural Monitoring“ bezeichnet; Verstandes- und Verhaltens-Fernsteuerungs-Technologien der Regierungen und Geheimdienste, welche seit den 50ern, MKULTRA, Projekt Monarch und den damit geschaffenen Manchurian Candidates, und seit z. B. Sirhan Sirhan, unserem Fritz Leibacher, dem Anders Breivik, Boston Marathon Attentäter und all den anderen (Unterhosen-) Bombern, scheinbar so perfektioniert sind, dass heute 2 Monate bearbeiten genügen.
Weitere Einzelheiten wären den Aussagen von Dr. Robert Duncan, Dr. John Hall, Dr. Nick Begich, Dr. Helmut Lammer, Dr. Hans Ulrich Gresch, Dr. Colin Ross zu entnehmen, sowie auch Foren -Threads wie: "DARPA uses Transcranial Stimulation for Mind Modification - Are you thinking "correctly".
http://projectavalon.net/forum4/showthread.php?62807-DARPA-uses-Transcra...
Wenn wir dies nun mit NSA, GCHQ und der Realtime Überwachung von allem und jedem (ja, auch Blocher) kumulieren und panaschieren, kommen wir der Wahrheit wohl ein Stück näher. Merci.

Es gab zu allen Zeiten (zu) abenteuerlustige Menschen, und ich kann mir sehr viele Gründe vorstellen, warum bereits 15j. aus Westeuropa sich in solche Abenteuer stürzen.

Schwierig ist die Frage, wie man dies verhindern könnte...

diese religiösen Fanatiker würden sich ausbilden lassen als Hacker, Spekulanten, Lobbyisten, Banker oder Börsenmanager.
Sie würden sodann ihre "Bomben" und Anschläge NICHT in der Bevölkerung zünden, NICHT an öffentlichen Einrichtungen verüben,
wohl aber im Internet, in den Urlaubsgettos für Reiche, in den Vorstandsetagen, in Banken und an Börsen.
Angenommen kein einziger Mensch würde dabei verletzt werden, es würden nur Unmengen an Geld und Vermögen vernichtet.

Wie schnell, meinen Sie, hätten die Regierenden und Einflussreichen eine Lösung zur Verhinderung parat?
Das dauerte keine Woche, da wären die Entscheidungen schon umgesetzt!
Aber solange es "nur" die Bevölkerung trifft und dann noch weit weg ...

Als in Deutschland ausschliesslich Manager, Richter, Politiker und Vorstände um ihr Leben fürchten mussten, da waren alle Dienste permanent in höchster Alarmbereitschaft. Da wurden alle "Stimmungsmacher" für die RAF aufgespürt und verurteilt (mit Recht).
Ausländische "Aufrührer" wären sofort ausgewiesen worden (eventuell auch alle ihre Familienangehörigen; vergl. Sippenhaft).

Bislang sind mir auch keine Terroranschläge "in einem Djihad" auf Geldinstitute, Superreiche und Grossindustrien bekannt.
Wenn es aber einen zu bekämpfenden "Feind" aus religiöser Sicht gäbe, dann sässe er doch wohl genau dort.
Halt, da gab es doch 9/11.
Und genau deshalb habe ich Zweifel an der offiziellen Darstellung.
Das wäre ja das erste mal ...

Sie schreiben:
"Als in Deutschland ausschliesslich Manager, Richter, Politiker und Vorstände um ihr Leben fürchten mussten, da waren alle Dienste permanent in höchster Alarmbereitschaft. Da wurden alle "Stimmungsmacher" für die RAF aufgespürt und verurteilt (mit Recht)."
Und die Kapitalisten, die das Geld gegen die Zinseszinsentwicklung
gerechter aufteilen wollten, wurden ermordet. Herrhausen, Buback, Rohwedder etc.
Von wem? Natürlich von den Initiatoren von 9/11 und Boston etc.
Und wer war das? Genau! Teile der Regierungen und der Geheimdienste, ausgehend von dem großen Bruder aus den USA.
Was können wir dagegen tun?
Darüber reden, anders wird es nicht gehen.

auch schon so!
Da sind viele, aus gutem Hause, Gebildete junge Männer, den religiösen Rufern gefolgt und wollten freiwillig im gerechten Gotteskrieg und für die Verteidigung ihres Glaubens sterben.
Bis heute werden diese "Helden" gefeiert, verehrt und heilig gesprochen.

Da müssen wir doch jetzt auch genau so viel Verständnis für andere "Religionen" haben, oder (°?°)

Zumal die eigentlichen Beweggründe für diese religiösen Kriege doch auch diesmal wieder die gleichen sind: Macht und Reichtum

Und dass die Kreuzzüge im Mittelalter geführt wurden und seitdem eine Renaissance und eine Aufklärung und sonst noch einiges in unseren Breiten gewirkt hat , spielt beim " Verständnis haben" gar keine Rolle ?

waren schon zivilisiert.

Und dann kam Hitler.
Dafür haben wir jetzt auch Verständnis!

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