La Valletta - Gerster

La Valletta - der verfluchte Felsen
Sultan Suleiman der Prächtige verteufelte die Mittelmeerinsel Malta – „der verfluchte Felsen“ – mit gutem Grund. Die Johanniter, von dem vorstürmenden Islam aus Palästina vertrieben und dann auch von Rhodos verjagt, hatten 1530 in Malta eine Zufluchtsstätte gefunden, aber schon 1565 folgte ihnen dorthin ein türkisches Expeditionsheer. Dessen Kommandant wollte mit den Ordensrittern kurzen Prozess machen, aber der geplante Blitzkrieg verkam zur zermürbenden Belagerung. Zwar fiel bald das Fort an der Spitze der Landzunge (die damals weiter nicht bebaut war und wo die Angreifer ihr Feldlager hatten).

Die Türken köpften die Ritter, schnürten die Körper auf Kreuze und liessen diese von der Meeresströmung zu den Belagerten treiben. Die Riposte der Ritter des heiligen Johannes war nicht gerade zimperlich. Sie enthaupteten türkische Gefangene und böllerten deren Köpfe mit zwei Kanonen ins gegnerische Lager. Nach erfolgloser viermonatiger Belagerung lichtete die türkische Flotte die Anker – eine Schlappe, die den Sultan und das osmanische Reich auf der Höhe seiner Macht empfindlich traf. Das Abendland feierte sie als Triumph des Christentums und, von Skrupeln über die ballistisch zweckentfremdeten Köpfe wenig geplagt, gar als Sieg, nun ja, der Zivilisation.

Aus ganz Europa, auch aus protestantischen Ländern, gingen Spenden ein für den Bau einer uneinnehmbaren Neustadt auf der Landzunge; sie wurde nach dem erfolgreichen Verteidiger, Grossmeister Jean Parisot de la Valette, benannt. Der Papst ordnete Francesco Laparelli, der unter Michelangelo am Petersdom gebaut hatte, nach Malta ab. Er galt als gewiefter Festungsingenieur. In Valletta tobte er sich neben Mauer, Wall und Graben mit einem ausgetüftelten Verteidigungssystem aus, mit Vorwerken, Kasematten, Bastionen und Barbakanen, Kurtinen und Kavalieren – ein Albtraum für jeden Angreifer. Bei Laparellis Rückkehr nach Rom war Valletta eine Festung auf der Suche nach einer Stadt.

Die Stadtmauern mit Wohnhäusern, Lazaretten, Palästen und Kirchen zu füllen, hatte Laparelli seinem Assistenten überlassen. Dieser baute die erste Reissbrettstadt der Neuzeit nach altrömischem Schachbrettmuster. Vallettas Bewerbung als Welterbestätte ging 1980  mühelos über die Bühne: keine andere Stadtschöpfung der Spätrenaissance hat sich bei vergleichbarer Geschlosssenheit und Dichte so wenig verändert: auf nur 55 Hektaren drängen sich 320 historische Bauten.

Grosszügig übersah das Wahlkomitee den Umstand, dass genau genommen nur ein kleiner Teil der Bausubstanz die sonst so pingelig angemahnte Bedingung der Authentizität erfüllt. England hatte Malta nach 1814 zu einem formidablen Flottenstützpunkt ausgebaut. Deutsche und italienische Bomber hämmerten deshalb während des Zweiten Weltkriegs unablässig auf die Stadt und ihre Häfen ein und pulverisiertem viel von der originalen Bausubstanz. – Jahr der Aufnahme: 1996. (Copyright: Georg Gerster/Keystone)
La Valletta - der verfluchte Felsen
Sultan Suleiman der Prächtige verteufelte die Mittelmeerinsel Malta – „der verfluchte Felsen“ – mit gutem Grund. Die Johanniter, von dem vorstürmenden Islam aus Palästina vertrieben und dann auch von Rhodos verjagt, hatten 1530 in Malta eine Zufluchtsstätte gefunden, aber schon 1565 folgte ihnen dorthin ein türkisches Expeditionsheer. Dessen Kommandant wollte mit den Ordensrittern kurzen Prozess machen, aber der geplante Blitzkrieg verkam zur zermürbenden Belagerung. Zwar fiel bald das Fort an der Spitze der Landzunge (die damals weiter nicht bebaut war und wo die Angreifer ihr Feldlager hatten).

Die Türken köpften die Ritter, schnürten die Körper auf Kreuze und liessen diese von der Meeresströmung zu den Belagerten treiben. Die Riposte der Ritter des heiligen Johannes war nicht gerade zimperlich. Sie enthaupteten türkische Gefangene und böllerten deren Köpfe mit zwei Kanonen ins gegnerische Lager. Nach erfolgloser viermonatiger Belagerung lichtete die türkische Flotte die Anker – eine Schlappe, die den Sultan und das osmanische Reich auf der Höhe seiner Macht empfindlich traf. Das Abendland feierte sie als Triumph des Christentums und, von Skrupeln über die ballistisch zweckentfremdeten Köpfe wenig geplagt, gar als Sieg, nun ja, der Zivilisation.

Aus ganz Europa, auch aus protestantischen Ländern, gingen Spenden ein für den Bau einer uneinnehmbaren Neustadt auf der Landzunge; sie wurde nach dem erfolgreichen Verteidiger, Grossmeister Jean Parisot de la Valette, benannt. Der Papst ordnete Francesco Laparelli, der unter Michelangelo am Petersdom gebaut hatte, nach Malta ab. Er galt als gewiefter Festungsingenieur. In Valletta tobte er sich neben Mauer, Wall und Graben mit einem ausgetüftelten Verteidigungssystem aus, mit Vorwerken, Kasematten, Bastionen und Barbakanen, Kurtinen und Kavalieren – ein Albtraum für jeden Angreifer. Bei Laparellis Rückkehr nach Rom war Valletta eine Festung auf der Suche nach einer Stadt.

Die Stadtmauern mit Wohnhäusern, Lazaretten, Palästen und Kirchen zu füllen, hatte Laparelli seinem Assistenten überlassen. Dieser baute die erste Reissbrettstadt der Neuzeit nach altrömischem Schachbrettmuster. Vallettas Bewerbung als Welterbestätte ging 1980 mühelos über die Bühne: keine andere Stadtschöpfung der Spätrenaissance hat sich bei vergleichbarer Geschlosssenheit und Dichte so wenig verändert: auf nur 55 Hektaren drängen sich 320 historische Bauten.

Grosszügig übersah das Wahlkomitee den Umstand, dass genau genommen nur ein kleiner Teil der Bausubstanz die sonst so pingelig angemahnte Bedingung der Authentizität erfüllt. England hatte Malta nach 1814 zu einem formidablen Flottenstützpunkt ausgebaut. Deutsche und italienische Bomber hämmerten deshalb während des Zweiten Weltkriegs unablässig auf die Stadt und ihre Häfen ein und pulverisiertem viel von der originalen Bausubstanz. – Jahr der Aufnahme: 1996. (Copyright: Georg Gerster/Keystone)