Sydney Opernhaus - Gerster

Das Opernhaus der Stadt Sydney
Von neueren Bauwerken beansprucht seit dem Eifelturm wohl keines überzeugender den Rang einer Stadtikone. Stadtikone? Mehr noch, Landesikone: die weissen Segel aus Beton sagen ja heute ebenso lockend „Australien“ wie der rote Inselberg Uluru. Der dänische Architekt Jørn Utzon hatte 1957 den Wettbewerb für das Opernhaus mit einer blossen Skizze gewonnen; deren Verwirklichung ab 1959 stand aber von Anfang an unter keinem guten Stern.

Utzon wurde dazu gedrängt, mit den Bauarbeiten zu beginnen, obwohl die technischen Probleme der kühnen Dachschalen noch nicht gelöst waren. Lochkarten-Computer rechneten an deren Krümmungen 18 Monate lang herum, 44 Zeichner fixierten die Änderungen in immer neuen Plänen. Zudem wollte die Bauherrschaft dem Puristen Utzon dreinreden. Kostenüberschreitungen waren somit programmmiert, aber Utzon widersetzte sich den amtlichen Sparbefehlen und warf schliesslich 1966 das Handtuch. Eine Gruppe junger australischer Architekten vollendete das Werk in seinem Sinn.

Das Opernhaus kostete zuletzt 100 Millionen australische Dollar, 14 mal soviel wie ursprünglich veranschlagt. Der (angesichts der besonderen Umstände in Sydney unberechtigte) Vorwurf, Kosten nicht im Griff zu haben, verfolgte Utzon bis nach Zürich, wo er das Schauspielhaus und ein Schulhaus trotz gewonnenem Wettbewerb nicht bauen durfte. Jørn Utzon (1918-2008) kehrte nie mehr nach Australien zurück– nicht l973, als Königin Elisabeth II. das Opernhaus feierlich eröffnete; nicht 2003, als er mit dem Pritzker-Preis, für Architekten so gut wie der Nobelpreis, ausgezeichnet wurde; nicht 2006, als Dänemark das Bauwerk am andern Ende der Welt in das nationale Erbe aufnahm. Und nicht 2007, als die Unesco das Opernhaus zum Welterbe erklärte.

A propos Stadtikone: als ich gegenüber dem Verleger Utzons erwähnte, auf meinem Fotoprogramm stehe auch das Guggenheim Museum in Bilbao, eine Extravaganza der Architektur und die erfolgreichste Stadtikone in der Nachfolge der Sydney Oper, mahnte er: „Das wollen Sie aber bitte Jørn nicht erzählen, mit Disneyland-Architektur hat er nichts am Hut“. Jahr der Aufnahme: 1993 (Copyright: Georg Gerster/Keystone)
Das Opernhaus der Stadt Sydney
Von neueren Bauwerken beansprucht seit dem Eifelturm wohl keines überzeugender den Rang einer Stadtikone. Stadtikone? Mehr noch, Landesikone: die weissen Segel aus Beton sagen ja heute ebenso lockend „Australien“ wie der rote Inselberg Uluru. Der dänische Architekt Jørn Utzon hatte 1957 den Wettbewerb für das Opernhaus mit einer blossen Skizze gewonnen; deren Verwirklichung ab 1959 stand aber von Anfang an unter keinem guten Stern.

Utzon wurde dazu gedrängt, mit den Bauarbeiten zu beginnen, obwohl die technischen Probleme der kühnen Dachschalen noch nicht gelöst waren. Lochkarten-Computer rechneten an deren Krümmungen 18 Monate lang herum, 44 Zeichner fixierten die Änderungen in immer neuen Plänen. Zudem wollte die Bauherrschaft dem Puristen Utzon dreinreden. Kostenüberschreitungen waren somit programmmiert, aber Utzon widersetzte sich den amtlichen Sparbefehlen und warf schliesslich 1966 das Handtuch. Eine Gruppe junger australischer Architekten vollendete das Werk in seinem Sinn.

Das Opernhaus kostete zuletzt 100 Millionen australische Dollar, 14 mal soviel wie ursprünglich veranschlagt. Der (angesichts der besonderen Umstände in Sydney unberechtigte) Vorwurf, Kosten nicht im Griff zu haben, verfolgte Utzon bis nach Zürich, wo er das Schauspielhaus und ein Schulhaus trotz gewonnenem Wettbewerb nicht bauen durfte. Jørn Utzon (1918-2008) kehrte nie mehr nach Australien zurück– nicht l973, als Königin Elisabeth II. das Opernhaus feierlich eröffnete; nicht 2003, als er mit dem Pritzker-Preis, für Architekten so gut wie der Nobelpreis, ausgezeichnet wurde; nicht 2006, als Dänemark das Bauwerk am andern Ende der Welt in das nationale Erbe aufnahm. Und nicht 2007, als die Unesco das Opernhaus zum Welterbe erklärte.

A propos Stadtikone: als ich gegenüber dem Verleger Utzons erwähnte, auf meinem Fotoprogramm stehe auch das Guggenheim Museum in Bilbao, eine Extravaganza der Architektur und die erfolgreichste Stadtikone in der Nachfolge der Sydney Oper, mahnte er: „Das wollen Sie aber bitte Jørn nicht erzählen, mit Disneyland-Architektur hat er nichts am Hut“. Jahr der Aufnahme: 1993 (Copyright: Georg Gerster/Keystone)