Skellig Michael - Gerster

Skellig Michael, ein früher christlicher Vorposten am Rande der Welt, liegt vor Irlands Südwestküste. Was den Einsiedlern im Osten des damaligen christlichen Universums recht war, das war den Anachoreten im Westen billig: die Suche nach Abgeschiedenheit für ein Büsserleben im Gebet und in der Meditation. Jene zogen sich in die Wüste zurück und mal auch auf eine Säule; diese entsagten der Welt auf sturm- und wellengepeitschten Klippen vor der Atlantikküste.

Auf zwanzig Inselchen vor der Südwestküste Irlands allein finden sich Spuren früher Mönchsgemeinschaften; deren bauliches Erbe ist nirgends authentischer und besser erhalten als auf der Grossen Skellig. Was Wunder: es ist schwierig, einen abweisenderen, menschenfeindlicheren Standort als diesen zweigezackten, steilgeböschten Sandsteinfelsen 11,6 km vor der Iveragh-Halbinsel auch nur zu denken. Was hier Mönche und Einsiedler an Bausubstanz – fensterlose Zellen in Bienenkorbform und zwei bootsförmige Oratorien, alle in Trockenmauerwerk, dann eine Kirchenruine, Kreuze zwischen Gräbern – zurückliessen, das blieb in Gotteshand.

Der Insel wird jetzt auch ein vorgeschichtliches druidisches Observatorium angedichtet; das ist aber modisches Gemunkel, Druiden sind eben in. Die Geschichte der Insel begann erst in christlicher Zeit. Die Gottessucher waren todesmutig. Die Überfahrt in mit Leinen bespannten Booten aus Weidengeflecht gelang bestenfalls sommers, Winterwetter isolierte die Ankömmlinge für ein halbes Jahr. Trotzdem, oder gerade deswegen, liessen sich Büsser hier vielleicht schon im 6. Jahrhundert nieder.

Spätestens im 8. Jahrhundert gab es auf der Grosssen Skellig eine lose Mönchsgemeinschaft, anfangs wohl mehr Einsiedlerkolonie als eigentliches Kloster. Die Mitbewohner, viele Tausend Brutpaare von Papageitauchern, waren gut für Eier und Fleisch; das Meer lieferte Fische. Auf winzigen Anbauparzellen wuchsen Gemüse und Getreide. 823 hatten die Mönche ungebetenen Besuch: beutegierige Wikinger, erbost über die Habenichtse, verschleppten den Abt und liesssen ihn verhungern und verdursten. Eine dramatische Klimaverschlechterung vertrieb die Gottesleute im 12. Jahrhundert auf das milde irische „Festland“.

Dauerbewohner kamen erst wieder im 19. Jahrhundert: die Wärter eines Leuchtfeuers, das zuerst auf halber Höhe, dann, geschützter, weiter unten gebaut wurde. Geschützt? 1955 überspülte eine Flutwelle den immerhin 50 m über ruhigem Meer stehenden Leuchtturm, 1956 schwemmte die See einen Leuchtturmwärter weg. Jetzt ist das Leuchtfeuer automatisiert, der Turm unbemannt. Die Unesco. die   Skellig Michael 1996 Welterbe-Rang zuerkannte, begründete die Auszeichnung mit aussergewöhnlicher kultureller und architektonischer Zeugenschaft. Sie hätte auch ganz einfach an der Verzauberung eines sonst eher zum Spott aufgelegten (irischen) Besuchers Mass nehmen können: ein Ort mit „Magie, die einen hinaus, weit hinaus aus dieser Zeit und dieser Welt führt“, urteilte George Bernard Shaw. – Jahr des Flugbilds: 1989 (Copyright Georg Gerster/Keystone)
Skellig Michael, ein früher christlicher Vorposten am Rande der Welt, liegt vor Irlands Südwestküste. Was den Einsiedlern im Osten des damaligen christlichen Universums recht war, das war den Anachoreten im Westen billig: die Suche nach Abgeschiedenheit für ein Büsserleben im Gebet und in der Meditation. Jene zogen sich in die Wüste zurück und mal auch auf eine Säule; diese entsagten der Welt auf sturm- und wellengepeitschten Klippen vor der Atlantikküste.

Auf zwanzig Inselchen vor der Südwestküste Irlands allein finden sich Spuren früher Mönchsgemeinschaften; deren bauliches Erbe ist nirgends authentischer und besser erhalten als auf der Grossen Skellig. Was Wunder: es ist schwierig, einen abweisenderen, menschenfeindlicheren Standort als diesen zweigezackten, steilgeböschten Sandsteinfelsen 11,6 km vor der Iveragh-Halbinsel auch nur zu denken. Was hier Mönche und Einsiedler an Bausubstanz – fensterlose Zellen in Bienenkorbform und zwei bootsförmige Oratorien, alle in Trockenmauerwerk, dann eine Kirchenruine, Kreuze zwischen Gräbern – zurückliessen, das blieb in Gotteshand.

Der Insel wird jetzt auch ein vorgeschichtliches druidisches Observatorium angedichtet; das ist aber modisches Gemunkel, Druiden sind eben in. Die Geschichte der Insel begann erst in christlicher Zeit. Die Gottessucher waren todesmutig. Die Überfahrt in mit Leinen bespannten Booten aus Weidengeflecht gelang bestenfalls sommers, Winterwetter isolierte die Ankömmlinge für ein halbes Jahr. Trotzdem, oder gerade deswegen, liessen sich Büsser hier vielleicht schon im 6. Jahrhundert nieder.

Spätestens im 8. Jahrhundert gab es auf der Grosssen Skellig eine lose Mönchsgemeinschaft, anfangs wohl mehr Einsiedlerkolonie als eigentliches Kloster. Die Mitbewohner, viele Tausend Brutpaare von Papageitauchern, waren gut für Eier und Fleisch; das Meer lieferte Fische. Auf winzigen Anbauparzellen wuchsen Gemüse und Getreide. 823 hatten die Mönche ungebetenen Besuch: beutegierige Wikinger, erbost über die Habenichtse, verschleppten den Abt und liesssen ihn verhungern und verdursten. Eine dramatische Klimaverschlechterung vertrieb die Gottesleute im 12. Jahrhundert auf das milde irische „Festland“.

Dauerbewohner kamen erst wieder im 19. Jahrhundert: die Wärter eines Leuchtfeuers, das zuerst auf halber Höhe, dann, geschützter, weiter unten gebaut wurde. Geschützt? 1955 überspülte eine Flutwelle den immerhin 50 m über ruhigem Meer stehenden Leuchtturm, 1956 schwemmte die See einen Leuchtturmwärter weg. Jetzt ist das Leuchtfeuer automatisiert, der Turm unbemannt. Die Unesco. die Skellig Michael 1996 Welterbe-Rang zuerkannte, begründete die Auszeichnung mit aussergewöhnlicher kultureller und architektonischer Zeugenschaft. Sie hätte auch ganz einfach an der Verzauberung eines sonst eher zum Spott aufgelegten (irischen) Besuchers Mass nehmen können: ein Ort mit „Magie, die einen hinaus, weit hinaus aus dieser Zeit und dieser Welt führt“, urteilte George Bernard Shaw. – Jahr des Flugbilds: 1989 (Copyright Georg Gerster/Keystone)