Silla-Tumuli - Gerster

Die Silla-Tumuli - Hügelgräber der Silla-Könige
Scheinbar wahllos im Gelände verstreute Grabhügel prägen die Landschaft Südkoreas. Wirklich wahllos sind die Orte der Bestattungen allerdings nicht. Bevorzugt werden Kämme und Berghänge; Tallagen sind verpönt. Obwohl Reis im Ahnenritual eine Rolle spielt, ist die Nähe der Grabhügel zu Reisfeldern unerwünscht. Gefürchtet wird vermutlich die Bodenfeuchtigkeit, die in der Umgebung der durch Überstauung bewässerten Reisfelder unvermeidlich ist. In einer koreanischen Erzählung bestattet ein Sohn irrtümlich seine Mutter neben einem Reispaddy. Noch heute, heisst es, klagt die Mutter mit der Stimme der quäkenden Frösche ihr Leid. Der Regierung ist die herkömmliche Tumulus-Bestattung ein Ärgernis.

Sie versucht mit zentralen Friedhöfen für Hügelgräber diese wenigstens zu konzentrieren. Aber am liebsten sähe sie die allgemeine Feuerbestattung, doch lässt sich diese auf dem Land als mit der konfuzianischen Eltern- und Ahnenverehrung unvereinbar schwer durchsetzen. Die Kremation trifft ja nach altem Brauch den Unglücklichen, der ohne leibliche Nachkommen stirbt und daher auf die regelmässigen Respektbezeugungen an seinem Grab von vornherein verzichten muss. Ungetrübte Freude macht der Regierung, und da namentlich dem Tourismusdepartement, eine Gruppe von Hügelgräbern im Zentrum der Stadt Gyeongju.

Sie rückten zusammen mit andern geschichtlichen Stätten in und um die Stadt im Jahr 2000 ins Pantheon des Welterbes auf. Der Tumuli-Park vereint Hügelgräber von Silla-Königen, Angehörigen ihrer Familie und Würdenträgern aus der Zeit vor der Reichseinigung. Die Rasenkuppen wölben sich bis zu 25 m hoch über einer gezimmerten, mit lehmverklebtem Geröll zusätzlich gesicherten Sargkammer. Gyeongju war auch als „Goldfestung“ bekannt. Natur und Zahl der Schmuckstücke, die die archäologische Durchforschung der Fundstätten ans Licht brachte, überraschen daher wenig. Der Tumulus Cheonmachong, d.h. „Grabstätte des himmlischen Pferdes“ nach einem Wandbild in der Grabkammer, allein belohnte die Archäologen l973 mit 12 000 Artefakten, einschliesslich einer goldenen Krone.

Das Fehlen von Gängen hatte die Grabhügel vor Plünderung geschützt. Die Könige Alt-Sillas herrschten seit 57 v. Chr. über den Südosten der Halbinsel. Im Jahr 668 brachten sie sie ganz unter ihre Herrschaft. Gyeongju wurde für gut zwei Jahrhunderte die Hauptstdt Gross-Sillas – im nationalen Selbstverständnis des heute zweigeteilten Korea eine lebendige, herausfordernde Erinnerung. – Jahr des Flugbilds: 1992 (Copyright: Georg Gerster/Keystone)
Die Silla-Tumuli - Hügelgräber der Silla-Könige
Scheinbar wahllos im Gelände verstreute Grabhügel prägen die Landschaft Südkoreas. Wirklich wahllos sind die Orte der Bestattungen allerdings nicht. Bevorzugt werden Kämme und Berghänge; Tallagen sind verpönt. Obwohl Reis im Ahnenritual eine Rolle spielt, ist die Nähe der Grabhügel zu Reisfeldern unerwünscht. Gefürchtet wird vermutlich die Bodenfeuchtigkeit, die in der Umgebung der durch Überstauung bewässerten Reisfelder unvermeidlich ist. In einer koreanischen Erzählung bestattet ein Sohn irrtümlich seine Mutter neben einem Reispaddy. Noch heute, heisst es, klagt die Mutter mit der Stimme der quäkenden Frösche ihr Leid. Der Regierung ist die herkömmliche Tumulus-Bestattung ein Ärgernis.

Sie versucht mit zentralen Friedhöfen für Hügelgräber diese wenigstens zu konzentrieren. Aber am liebsten sähe sie die allgemeine Feuerbestattung, doch lässt sich diese auf dem Land als mit der konfuzianischen Eltern- und Ahnenverehrung unvereinbar schwer durchsetzen. Die Kremation trifft ja nach altem Brauch den Unglücklichen, der ohne leibliche Nachkommen stirbt und daher auf die regelmässigen Respektbezeugungen an seinem Grab von vornherein verzichten muss. Ungetrübte Freude macht der Regierung, und da namentlich dem Tourismusdepartement, eine Gruppe von Hügelgräbern im Zentrum der Stadt Gyeongju.

Sie rückten zusammen mit andern geschichtlichen Stätten in und um die Stadt im Jahr 2000 ins Pantheon des Welterbes auf. Der Tumuli-Park vereint Hügelgräber von Silla-Königen, Angehörigen ihrer Familie und Würdenträgern aus der Zeit vor der Reichseinigung. Die Rasenkuppen wölben sich bis zu 25 m hoch über einer gezimmerten, mit lehmverklebtem Geröll zusätzlich gesicherten Sargkammer. Gyeongju war auch als „Goldfestung“ bekannt. Natur und Zahl der Schmuckstücke, die die archäologische Durchforschung der Fundstätten ans Licht brachte, überraschen daher wenig. Der Tumulus Cheonmachong, d.h. „Grabstätte des himmlischen Pferdes“ nach einem Wandbild in der Grabkammer, allein belohnte die Archäologen l973 mit 12 000 Artefakten, einschliesslich einer goldenen Krone.

Das Fehlen von Gängen hatte die Grabhügel vor Plünderung geschützt. Die Könige Alt-Sillas herrschten seit 57 v. Chr. über den Südosten der Halbinsel. Im Jahr 668 brachten sie sie ganz unter ihre Herrschaft. Gyeongju wurde für gut zwei Jahrhunderte die Hauptstdt Gross-Sillas – im nationalen Selbstverständnis des heute zweigeteilten Korea eine lebendige, herausfordernde Erinnerung. – Jahr des Flugbilds: 1992 (Copyright: Georg Gerster/Keystone)