Schloss Esterhazy - Gerster

Die Liste der Welterbestätten kennt seit 1992 auch „Kulturlandschaften“.Aber wieviel Welterbe-Natur, wie viel Welterbe-Kultur muss drin sein, um die begehrte Auszeichnung zu erhalten? Der Begriff „Kulturlandschaft“ verführt mitunter zu Kompromissen. Der Neusiedler See, in den sich Österreich und Ungarn teilen, seine Uferräume und die ihn umringenden Orte wurden erst nach mehreren Anläufen 2001 als Kulturlandschaft von universellem Wert, „Fertö/Neusiedler See“, geehrt.

Der See mit hohem Salzgehalt ist Mitteleuropas grösster Steppensee mit bemerkenswerter Fauna und Flora, aber als Weltnaturerbe bestand er trotzdem vor Fachleuten nicht. Schliesslich wurde die Ausdehnung der Welterbe-Kandidatur vergrössert und mit kulturellen Zutaten aus dem Umland gewürzt – mit Erfolg, als Kulturlandschaft bestand der Kandidat.

Das Rokoko-Palais der Fürsten Esterházy in Fertö (= Sumpfgebiet) ist die würzigste dieser kulturellen Ingredienzen.  Es ist Versailles nachempfunden, der Bauherr, Fürst Miklos, hatte es nach einer Frankreichreise 1763–1766 errichten lassen. Aber nicht nur als eines der bedeutendsten Baudenkmäler Ungarns steuert das Schloss Esterházy Kultur bei. Es war fast drei Jahrzehnte lang Wirkungsort von Joseph Haydn, mit wöchentlich zwei bis drei Opernvorstellungen und zwei Konzerten, meist Uraufführungen.Hier führte Haydn 1772 auch die 45. Symphonie in fis-Moll urauf. Im vierten Satz spielten die Musiker ihren Part, packten dann abrupt ihre Instrumente, löschten das Licht und verliessen einer nach dem anderen das Podium, zuerst der erste Oboist und zweite Hornist, dann der Fagottist, der zweite Oboist, der erste Hornist, und so fort, bis zuletzt nach dem Abgang von Kontrabass, Cello, Bratsche, dritter und vierter Violine nur noch zwei Geiger an ihrem Platz waren, um den Satz zu Ende zu bringen. Ein konzertanter Jux, der dem Werk den Namen Abschiedssymphonie eintrug? Die Überlieferung weiss es besser.

Haydns Ulk war zielführend. Der Schlossherr hatte den Mitgliedern des Orchesters untersagt, ihre Frauen und Kinder im Palais unterzubringen oder auch nur im nahen Eisenstadt zu besuchen, solange er selber in Esterhaza weilte. Die Musiker aber plagte nach einer überlangen Sommersaison das Heimweh. Haydn intervenierte für sie auf diese vergnüglich heitere Weise. Der Fürst verstand den Wink mit dem Taktstock und beurlaubte seine Hofkapelle. Verbürgt oder unverbürgt, die Anekdote lebt genauso wie die Architektur des Palais aus dem Geist des Rokoko. –  Jahr des Flugbilds: 2009 (Copyright Georg Gerster/Keystone)
Die Liste der Welterbestätten kennt seit 1992 auch „Kulturlandschaften“.Aber wieviel Welterbe-Natur, wie viel Welterbe-Kultur muss drin sein, um die begehrte Auszeichnung zu erhalten? Der Begriff „Kulturlandschaft“ verführt mitunter zu Kompromissen. Der Neusiedler See, in den sich Österreich und Ungarn teilen, seine Uferräume und die ihn umringenden Orte wurden erst nach mehreren Anläufen 2001 als Kulturlandschaft von universellem Wert, „Fertö/Neusiedler See“, geehrt.

Der See mit hohem Salzgehalt ist Mitteleuropas grösster Steppensee mit bemerkenswerter Fauna und Flora, aber als Weltnaturerbe bestand er trotzdem vor Fachleuten nicht. Schliesslich wurde die Ausdehnung der Welterbe-Kandidatur vergrössert und mit kulturellen Zutaten aus dem Umland gewürzt – mit Erfolg, als Kulturlandschaft bestand der Kandidat.

Das Rokoko-Palais der Fürsten Esterházy in Fertö (= Sumpfgebiet) ist die würzigste dieser kulturellen Ingredienzen. Es ist Versailles nachempfunden, der Bauherr, Fürst Miklos, hatte es nach einer Frankreichreise 1763–1766 errichten lassen. Aber nicht nur als eines der bedeutendsten Baudenkmäler Ungarns steuert das Schloss Esterházy Kultur bei. Es war fast drei Jahrzehnte lang Wirkungsort von Joseph Haydn, mit wöchentlich zwei bis drei Opernvorstellungen und zwei Konzerten, meist Uraufführungen.Hier führte Haydn 1772 auch die 45. Symphonie in fis-Moll urauf. Im vierten Satz spielten die Musiker ihren Part, packten dann abrupt ihre Instrumente, löschten das Licht und verliessen einer nach dem anderen das Podium, zuerst der erste Oboist und zweite Hornist, dann der Fagottist, der zweite Oboist, der erste Hornist, und so fort, bis zuletzt nach dem Abgang von Kontrabass, Cello, Bratsche, dritter und vierter Violine nur noch zwei Geiger an ihrem Platz waren, um den Satz zu Ende zu bringen. Ein konzertanter Jux, der dem Werk den Namen Abschiedssymphonie eintrug? Die Überlieferung weiss es besser.

Haydns Ulk war zielführend. Der Schlossherr hatte den Mitgliedern des Orchesters untersagt, ihre Frauen und Kinder im Palais unterzubringen oder auch nur im nahen Eisenstadt zu besuchen, solange er selber in Esterhaza weilte. Die Musiker aber plagte nach einer überlangen Sommersaison das Heimweh. Haydn intervenierte für sie auf diese vergnüglich heitere Weise. Der Fürst verstand den Wink mit dem Taktstock und beurlaubte seine Hofkapelle. Verbürgt oder unverbürgt, die Anekdote lebt genauso wie die Architektur des Palais aus dem Geist des Rokoko. – Jahr des Flugbilds: 2009 (Copyright Georg Gerster/Keystone)