Die Ruinenstadt Gross-Simbabwe - Gerster

Pech für die im 19. Jahrhundert wiedergefundene Ruinenstadt im heutigen Staat Simbabwe: sie fiel gleich zu Anfang ihres zweiten Lebens unter die Phantasten.
Der schwäbische Geologe Karl Mauch hängte ihre Entdeckung 1871 an die grosse Glocke. Dem Kolumbus aus Stuttgart waren zwar einige Wikinger zuvorgekommen: Händler und Missionare hatten schon vor ihm von den überwucherten Steinbauten geraunt, Elefantenjäger neben ihnen kampiert – interesselos. Aber Mauch war überzeugt, das biblische Goldland Ophir gefunden zu haben, die Quelle von König Salomos Reichtum. Mehr noch: in den Bauten vermutete er die einstige zeitweilige Residenz Salomos und seiner Freundin, der Königin von Saba. Der Roman „King Solomon’s Mines“ (1886) von Henry Rider Haggard zementierte noch diesen Mumpitz. Der Bestseller brachte Sir Henry den Adelstitel und der Fundstelle einen zerstörerischen Goldrausch ein. Um 1900 waren für die nähere Umgebung 114 000 Claims eingetragen. Die Goldschürfer durchwühlten die Erde ohne Rücksicht auf archäologische Fragestellungen. Unter dem Mogeletikett „Ancient Ruins Company“ wütete mit behördlichem Segen eine Bande von Schatzjägern, die ihrem Namen Ehre machte. Sie liess wirklich nichts als Ruinen zurück. In einem Geschichtsbuch, das noch nicht einmal angelesen worden war, löschten sie Kapitel um Kapitel. Das 40 Hektar grosse Ruinengelände erstreckt sich zwischen zwei Baukomplexen. Auf einem Granithügel die festungsähnliche „Akropolis“ mit labyrinthisch verschachtelten Durchgängen und Räumen, verteidigungsfähig und als Sitz eines Potentaten denkbar. Und auf dem Talboden, zwischen Aloe und Wolfsmilch, eine monumentale Ellipse, die „Grosse Einfriedung“. Deren Umfassungsmauer, aus Granitsteinen mörtellos aufgeschichtet, 5 bis 11 m hoch, 1 – 5 m mächtig und 253 m lang, ist Afrikas grösster vorkolonialer Steinbau südlich der Sahara. Tempel? Zeremonielle Residenz des Königs? Ihre Funktion ist ungeklärt. Warum aber zum Verständnis der Ruinen Salomo und die Sabäerin bemühen? Die Weissen trauten den Schwarzen den Bau ganz einfach nicht zu. Dabei hatte die zweimalige archäologische Durchforstung, 1905 und 1929, alle Zweifel ausgeräumt: Gross-Simbabwe ist eine rein afrikanische Schöpfung, und zwar der Schona, eines Bantuvolks.

Gegründet bereits im 11.Jahrhundert, stieg es im 14. Jahrhundert zur Hauptstadt und zum Handelszentrum eines Staates auf, der von dem Goldreichtum der umliegenden Hochplateaus profitierte. Übervölkerung brachte Gross-Simbabwe schliesslich nach 1450 zu Fall: es mangelte an Nahrung und Feuerholz, die Schona mussten sich einen neuen Siedlungsplatz suchen. Die Portugiesen, die damals an der ostafrikanischen Küste aktiv wurden und dort die arabischen Kaufleute verdrängten, hörten von dem Goldumschlagplatz im Innern; schon sie flirteten mit der Idee des biblischen Ophir. Das Welterbekomitee nahm Gross-Simbabwe 1986 in die Familie der Welterbegüter auf, wohlwissend, dass es damit ein Sorgenkind mehr betreute. Verfahren zur nachhaltigen Konservierung von Trockenmauerwerk mussten erst ausgearbeitet werden. Zudem beeinträchtigt die touristische Erschliessung der Welterbestätte die archäologisch noch ungenügend explorierte weitere Umgebung. – Jahr des Flugbilds: 1983 (Copyright: Georg Gerster/Keystone).
Pech für die im 19. Jahrhundert wiedergefundene Ruinenstadt im heutigen Staat Simbabwe: sie fiel gleich zu Anfang ihres zweiten Lebens unter die Phantasten.
Der schwäbische Geologe Karl Mauch hängte ihre Entdeckung 1871 an die grosse Glocke. Dem Kolumbus aus Stuttgart waren zwar einige Wikinger zuvorgekommen: Händler und Missionare hatten schon vor ihm von den überwucherten Steinbauten geraunt, Elefantenjäger neben ihnen kampiert – interesselos. Aber Mauch war überzeugt, das biblische Goldland Ophir gefunden zu haben, die Quelle von König Salomos Reichtum. Mehr noch: in den Bauten vermutete er die einstige zeitweilige Residenz Salomos und seiner Freundin, der Königin von Saba. Der Roman „King Solomon’s Mines“ (1886) von Henry Rider Haggard zementierte noch diesen Mumpitz. Der Bestseller brachte Sir Henry den Adelstitel und der Fundstelle einen zerstörerischen Goldrausch ein. Um 1900 waren für die nähere Umgebung 114 000 Claims eingetragen. Die Goldschürfer durchwühlten die Erde ohne Rücksicht auf archäologische Fragestellungen. Unter dem Mogeletikett „Ancient Ruins Company“ wütete mit behördlichem Segen eine Bande von Schatzjägern, die ihrem Namen Ehre machte. Sie liess wirklich nichts als Ruinen zurück. In einem Geschichtsbuch, das noch nicht einmal angelesen worden war, löschten sie Kapitel um Kapitel. Das 40 Hektar grosse Ruinengelände erstreckt sich zwischen zwei Baukomplexen. Auf einem Granithügel die festungsähnliche „Akropolis“ mit labyrinthisch verschachtelten Durchgängen und Räumen, verteidigungsfähig und als Sitz eines Potentaten denkbar. Und auf dem Talboden, zwischen Aloe und Wolfsmilch, eine monumentale Ellipse, die „Grosse Einfriedung“. Deren Umfassungsmauer, aus Granitsteinen mörtellos aufgeschichtet, 5 bis 11 m hoch, 1 – 5 m mächtig und 253 m lang, ist Afrikas grösster vorkolonialer Steinbau südlich der Sahara. Tempel? Zeremonielle Residenz des Königs? Ihre Funktion ist ungeklärt. Warum aber zum Verständnis der Ruinen Salomo und die Sabäerin bemühen? Die Weissen trauten den Schwarzen den Bau ganz einfach nicht zu. Dabei hatte die zweimalige archäologische Durchforstung, 1905 und 1929, alle Zweifel ausgeräumt: Gross-Simbabwe ist eine rein afrikanische Schöpfung, und zwar der Schona, eines Bantuvolks.

Gegründet bereits im 11.Jahrhundert, stieg es im 14. Jahrhundert zur Hauptstadt und zum Handelszentrum eines Staates auf, der von dem Goldreichtum der umliegenden Hochplateaus profitierte. Übervölkerung brachte Gross-Simbabwe schliesslich nach 1450 zu Fall: es mangelte an Nahrung und Feuerholz, die Schona mussten sich einen neuen Siedlungsplatz suchen. Die Portugiesen, die damals an der ostafrikanischen Küste aktiv wurden und dort die arabischen Kaufleute verdrängten, hörten von dem Goldumschlagplatz im Innern; schon sie flirteten mit der Idee des biblischen Ophir. Das Welterbekomitee nahm Gross-Simbabwe 1986 in die Familie der Welterbegüter auf, wohlwissend, dass es damit ein Sorgenkind mehr betreute. Verfahren zur nachhaltigen Konservierung von Trockenmauerwerk mussten erst ausgearbeitet werden. Zudem beeinträchtigt die touristische Erschliessung der Welterbestätte die archäologisch noch ungenügend explorierte weitere Umgebung. – Jahr des Flugbilds: 1983 (Copyright: Georg Gerster/Keystone).