Russlandkrieg - Historisches Bild

Vor 80 Jahren, am 22. Juni 1941, begann der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. Man kann die Zahlen der Opfer addieren, und die Ergebnisse sind erschreckend. Aber viel erschreckender als alle Zahlen ist die Tatsache, dass Menschen zu solchen Taten fähig sind.

Deutsche Soldaten stecken ein Dorf in Russland in Brand. Im weiteren Verlauf dieses Krieges sind sie vielleicht verwundet oder getötet worden. Andere gerieten in Gefangenschaft und sind als mehr oder weniger gebrochene Menschen in die Heimat zurück gekehrt. Die Geschichte der Opfer der überfallenen Länder und ihrer Regime lehrt ebenfalls das Schaudern.

Gedenktage sind verführerisch, weil sie dazu verleiten, Vorgänge als vergangen anzusehen und in wohlgesetzten Worten davon zu fabulieren, dass sich «solches nicht wiederholen» dürfe. Als würden sich die Menschen in wenigen Jahrzehnten in tugendhafte Wesen verwandeln.

Ein kurzer Blick auf die Nachkriegsgeschichte zeigt, dass aus dem Grauen nichts gelernt wurde beziehungsweise die Bereitschaft zur Gewaltanwendung – gerade auch gegenüber der Zivilbevölkerung – nicht abgenommen hat. Und so geht es weiter bis heute.

Dieses Wissen relativiert nicht die Verbrechen der Nationalsozialisten und der Deutschen. Jedes Verbrechen steht für sich und wird durch andere Verbrechen in der Schuld nicht gemindert. Das Gedenken an solche Untaten sollte aber zu der Einsicht führen, dass wir es nicht mit der Vergangenheit, sondern mit der gewalttätigen Eigenschaft der Menschen und ihrer Kultur zu tun haben. Dieser Ungeist schläft vielleicht eine Zeitlang, aber dessen Ungeheuer sind alles andere als besiegt.

Das Bild stammt vom 28. Oktober 1941. Ein sowjetisches Dorf wird beim deutschen Vormarsch in Brand gesteckt, aufgenommen am 28. Oktober 1941. (Foto: Keystone/Photopress Archiv/Str)

(J21)