Walter Ulbricht - Historisches Bild

Am 15. Juni 1961 erklärte der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, auf einer Pressekonferenz: «Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.» Der Witz bestand darin, dass er danach gar nicht gefragt worden war. Denn in der Pressekonferenz ging es um ein anderes Thema.

Im Zuge der Auseinandersetzungen um die Anerkennung der DDR durch den Westen und dem damit verbundenen Status von Ostberlin wurde seitens der Sowjetunion und der DDR der Gedanke entwickelt, aus Ostberlin eine «freie Stadt» zu machen. Politisch wäre Ostberlin damit aus den anderen Teilen Berlins herausgelöst worden. Deswegen hatte die Journalistin Annamarie Doherr von der «Frankfurter Rundschau» die Frage gestellt, ob die Bildung einer «freien Stadt» nicht eine Staatsgrenze zur Folge haben würde.

Über die Äusserung Ulbrichts ist viel gelacht worden, weil man darin eine Art freudscher Fehlleistung sah. Allerdings wurde die Entscheidung zum Mauerbau erst Anfang August 1961 während einer Konferenz der Warschauer-Pakt-Staaten in Moskau getroffen. Der Mauerbau begann am 13. August 1963.

Es ist eigentümlich, dass das Ende der Mauer ebenfalls beiläufig und geradezu herbeigestolpert angekündigt wurde. Am 9. November 1989 wurde das SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski während einer Pressekonferenz nach den Konsequenzen der vom Politbüro gerade beschlossenen Änderungen des Reisegesetzes gefragt. Er antwortete ausschweifend und umständlich, um dann geradezu beiläufig zu erklären: «Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.» – Das war das Ende der Mauer, die angeblich gar nicht erst gebaut werden sollte.

Das Porträt ist undatiert und entstand um 1961. (Foto: Keystone/Str)