Andrej Sacharow - Historisches Bild

Vor 100 Jahren, am 21. Mai 1921, wurde Andrej Sacharow geboren. Er war der berühmteste Physiker der Sowjetunion und einer der prominentesten Dissidenten. Seine intellektuelle Brillanz und sein Mut beeindrucken bis heute.

Andrej Sacharow ist der «Vater der sowjetischen Wasserstoffbombe», von der ein Exemplar, allerdings ohne die letzte Stufe, deren Wirkung wohl vollends hätte ausser Kontrolle geraten können, 1961 in der Atmosphäre getestet wurde. Aber auch trotz dieser Einschränkung war sie mit ihren 50 bis 60 Megatonnen Sprengkraft die grösste Wasserstoffbombe, die je gezündet wurde.

Sacharow sah in der Herstellung eines nuklearen Gleichgewichts mit den USA eine Grundbedingung für den Weltfrieden. Als junger Mann hatte er sich bei Kriegsausbruch freiwillig zur Roten Armee gemeldet. Und lange Zeit war er fest vom Stalinismus überzeugt. Erste Risse gab es allerdings, als ihm seit Mitte der 1950er Jahre klar wurde, wie hoch die Opferzahlen waren, die jeder Atombombenversuch zur Folge hatte. Deswegen wandte er sich 1961 gegen den Plan von Nikita Chrustschow, eine 100-Megatonnen-Wasserstoffbombe in der Atmosphäre zu testen. Dafür wurde er von Chrustschow öffentlich abgekanzelt.

Als er sich 1968 mit den Reformkommunisten des Prager Frühlings solidarisierte und den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts kritisierte, wurde er vom sowjetischen Atomprogramm ausgeschlossen. In der Folge verschärfte Sacharow seine Kritik und entwickelte Ideen für die politische Zukunft. Berühmt wurde sein Memorandum von 1968 unter dem Titel «Gedanken über Fortschritt, friedliche Existenz und geistige Freiheit», das auch im Westen veröffentlicht wurde. Im Dezember 1975 wurde Andrej Sacharow der Friedensnobelpreis verliehen.

1980 schickten ihn die Machthaber nach Gorki in die Verbannung. Dieses Schicksal teilte er mit seinem ebenfalls im Westen bekannt gewordenen Kollegen Jurij Orlow, der ebenfalls zu einer mehrjährigen Verbannung nach Sibirien verurteilt wurde, bevor er im Austausch mit einem sowjetischen Spion in die USA ausreisen konnte. Als Mitglied der russischen Sektion von Amnesty International setzte sich Orlow in einem Brief an Leonid Breschnew für die Freilassung von Sacharow ein.

Die Verbannung Sacharows wurde mit einem Telefonat beendet: Im Dezember 1986 bat ihn Michael Gorbatschow, nach Moskau zurückzukehren und dort seine politische Tätigkeit wieder aufzunehmen.

Sacharow starb am 14. Dezember 1989 in Moskau an einem Herzinfarkt. Seit 1980 verleiht das «Norwegische Helsinki-Komitee» den «Andrej Sacharow Friedenspreis». In der Öffentlichkeit bekannter ist der «Sacharow-Preis», den das Europäische Parlament seit 1988 vergibt.

Das Foto stammt vom 16. März 1974. (Foto: Keystone/AP Photo)

(J21)