Joseph Beuys - Historisches Bild

Vor 100 Jahren, am 22. Mai 1921, wurde Joseph Beuys geboren. Zu diesem Anlass sind zahlreiche Bücher und Beiträge erschienen. Das Interessante dieser Würdigungen besteht darin, dass Joseph Beuys auch nach seinem Tod noch so kontrovers diskutiert wird wie zu Lebzeiten.

Dem Laien fällt ein Urteil um so schwerer. Ohne Zweifel verfügte Beuys über hohe künstlerische Begabungen. Zum Sommersemester 1946 immatrikulierte sich Beuys an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf, wo er einige Jahre später von Ewald Mataré zum Meisterschüler ernannt wurde. Sein weiterer Weg führte ihn aber über die bis dahin eingeschlagenen künstlerischen Wege hinaus, und er erprobte ganz neue Formen und Aktionen. Das brachte ihm weltweit grösste Aufmerksamkeit ein, und der Kunstmarkt jubelte. Und seit 1964 wurde er zur prägenden Figur der Documenta in Kassel.

Die viellicht grösste Provokation bestand darin, dass er jeden Menschen zum Künstler erklärte und als Lehrer an der Kunstakademie Düsseldorf auch Studenten aufnahm, die von der Akademie abgelehnt worden waren. Die Auseinandersetzungen führten zuletzt dahin, dass ihn der damalige Kultusminister von Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, kurzerhand entliess. Natürlich wurde diese Entlassung wieder rückgängig gemacht, und Beuys revanchierte sich mit einer spektakulären Rückkehr in einem Einbaum über den Rhein.

Bis heute ist die Frage umstritten, ob Beuys sich stark von völkischen Vorstellungen hat leiten lassen. Einiges deutet darauf hin, auch sein politisches Engagement, das ihn an den rechten Rand der sich damals formierenden grünen Bewegung führte. Nach relativ kurzer Zeit haben sie sich von ihm getrennt.

Das Foto entstand am 19. Januar 2006 in der Pinakothek der Moderne in München. Im Rahmen der Ausstellung „Der Tod hält mich wach“ wurde aus Anlass des 20. Todestages von Joseph Beuys ein Werk von Andy Warhol mit dem Titel „Porträt Joseph Beuys“ (1980) gezeigt. (Foto: Keystone/Günther Wahlkampf/ddp/dapd)

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