Moby Prince - Historisches Bild

Am 10. April 1991 – vor dreissig Jahren – stösst das italienische Fährschiff „Moby Prince“ vor Livorno mit einem Tanker zusammen und gerät in Brand. 140 Menschen verbrennen oder ersticken. Es ist keine schöne italienische Geschichte.

Die Moby Prince war auf dem Weg von der toskanischen Stadt Livorno nach Olbia auf Sardinien. Etwa drei Kilometer vor dem Hafen stiess die Fähre nach 22.00 Uhr mit dem Öltanker „Agip Abruzzo“ zusammen.

Die Rettungsmassnahmen waren chaotisch. Der SOS-Funkspruch der Moby Prince wurde von der Hafenbehörde in Livorno überhört oder als unwichtig eingestuft. Rettungsmannschaften wurden zunächst nur auf den Öltanker entsandt. Als einige Freiwillige dennoch auf die Moby Dick gelangten, retteten sie einen Matrosen. Obwohl dieser davon sprach, dass sich über hundert Menschen im Inneren der Moby Dick befanden, wurden keine weiteren Hilfstrupps auf die Fähre beordert. Am nächsten Tag fand man im Inneren des Schiffs nur noch Leichen.

Die Unfallursache ist nach wie vor nicht geklärt. Sicher ist, dass in jener Nacht kein Nebel herrschte, wie der Hafenkommandant in Livorno behauptete. Die Sicht war gut. Es wurde vertuscht und gelogen. Spekulationen jagten sich. Unklar ist, weshalb die Moby Prince plötzlich einen Kurswechsel vornahm. Der Fall liegt noch immer vor den Gerichten. Bisher wurde niemand verurteilt. Auch der Hafenkommandant nicht. Er hatte nach dem Zusammenstoss seinen Platz verlassen. (Foto: Keystone/EPA/Prisma)

(J21)