Eurotunnel - Historisches Bild

Vor 30 Jahren, am 30. Oktober 1990, wurde der erste Durchstich beim Bau des Eurotunnels zwischen Frankreich und England geschafft. Den Arbeitern gelang es also, die verbliebene Wand zwischen zwei Bohrungen, die von Frankreich und von England aus vorangetrieben wurden, zu durchbrechen. Insgesamt besteht der Eurotunnel aus drei parallel verlaufenden Röhren: Zwei dienen dem Zugverkehr in beiden Richtungen. Dazwischen verläuft ein etwas schmalerer Servicetunnel, von dem aus Unterhaltsarbeiten durchgeführt werden können und im Falle von Unfällen Rettungsmassnahmen erfolgen.

Die Idee des Eurotunnels wurde 1751 zum ersten Mal in einer Dissertation in Frankreich breiter entfaltet. Danach gab es immer wieder Pläne, aber die technischen Schwierigkeiten erwiesen sich stets als zu gross. Erst im Jahr 1973 wurde zwischen Grossbritannien (Premierminister Edward Heath) und Frankreich (Präsident Georges Pompidou) dann die Vereinbarung eines solchen Vorhabens geschlossen, 1975 wurden die Pläne wegen der Ölkrise jedoch zurückgestellt. Im Dezember 1987 begann England mit dem Bau, Frakreich folgte im September 1988. An dem Projekt waren 15’000 Arbeiter sieben Jahre lang beschäftigt. Elf Arbeiter verloren dabei ihr Leben.

Am 20. Juni 1993 erreichte der erste Testzug Grossbritannien durch den Eurotunnel. Der Tunnel wurde von Königin Elisabeth II. und vom französischen Präsidenten François Mitterrand in einer feierlichen Zeremonie am 6. Mai 1994 offiziell eröffnet. Der erste Güterzug verkehrte am 1. Juni 1994 durch den Tunnel. Der Zugverkehr mit Passagieren wurde am 14. November 1994 aufgenommen. Jährlich sollen etwa 20 Millionen Passagiere die Tunnelverbindung nutzen. Allerdings sind nicht alle erwünscht. Zahlreiche Migranten versuchen, versteckt in Lastwagen oder in Containern von Frankreich aus England zu errreichen.

Die American Society of Civil Engineers (Amerikanische Gesellschaft der Bauingenieure) hat den Tunnel zu einem der modernen sieben Weltwunder erkoren. Und er symbolisiert einen inzwischen sehr viel schwächer gewordenen europäischen Willen zur Einheit und Zusammenarbeit. Es steht zu befürchten, dass der Weg durch den Eutotunnel nach einem ungeordneten Brexit wegen der Zollformalitäten sehr mühsam werden könnte.

Das Bild entstand am 31. Oktober 1990. (Foto: Keystone/AP-Photo/HO)

(J21)