Christoph Schlingensief - Historisches Bild

Am 24. Oktober wäre Christoph Schlingensief 60 Jahre alt geworden. Er war Theaterregisseur und Aktionskünstler. An ihm schieden sich die Geister. Mit manchen seiner Inszenierungen fand er höchste Anerkennung, mit anderen erntete er nur Spott und Häme. Als er in den Jahren 2008 und 2009 seine Krebserkrankung in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellte, entzogen sich einige Rezensenten der Aufgabe, daran Kritik zu üben. Schlingensief verstarb am 21. August 2010 in Berlin.

Ein Beispiel für die Hochschätzung Schlingensiefs ist eine Kritik von C. Bernd Sucher in der Süddeutschen Zeitung von 1997. Darin nannte Sucher ihn „einen der letzten Moralisten unter den deutschen Theatermachern“, der nicht um der Provokation willen provoziere, sondern „trotzig wie ein Kind und starrsinnig wie ein Weiser auf die herrschenden Verhältnisse“ reagiert.

Ebenso beeindruckend war das Lob, das Schlingensief für seine Parzival-Inszenerung von 2007 erhielt. Eleonore Büning, führende Musikkritikerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, schrieb damals: „Doch hat sich Schlingensief auf der rotierenden Drehbühne aus Nomadenbauten und multifunktionalen Kinoleinwänden ein Einsteinsches Raum-Zeit-Kontinuum geschaffen, darin Tod, Auferstehung und Wiedergeburt zu einem Mirakel zusammenfallen. Vielleicht kam bisher kein ‚Parsifal‘-Regisseur dem Raum-Zeit-Gefüge der Wagnerschen Musik näher als Schlingensief. Es gibt keine linear zu erzählende Geschichte mehr in diesem ‚Parsifal‘, alles geschieht simultan.“

Das Foto stammt vom 2. November 2007. Es entstand anlässlich seiner Ausstellung „Querverstümmelung" im Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich. Schlingensief erklärt das Werk „Abendmahl von Manaus". (Foto: Keystone/Eddy Risch)