Bologna 1980 - Historisches Bild

Vor vierzig Jahren, am 2. August 1980, explodierte um 10.25 Uhr im Bahnhof von Bologna eine 23 Kilogramm schwere Zeitbombe. 85 Menschen starben, über 200 wurden verletzt. Die Bombe war in einem Koffer versteckt, der in der Zweitklasse-Wartehalle des Bahnhofs deponiert worden war. Sofort wurden die linksextremen Roten Brigaden für das Attentat verantwortlich gemacht. Später stellte sich heraus, dass die neofaschistische Terrororganisation „Nuclei Armati Rivoluzionari“ (NAR) das Blutbad angerichtet hatte. Die NAR ist ein Ableger der rechtsextremen „Ordine Nuovo“, die seit 1969 mehrere Anschläge mit insgesamt 50 Toten durchgeführt hatte – unter anderem 1974 auf den „Italicus“-Express Rom-München.

Treibende Kraft hinter dem blutigen Terror und den Umsturzversuchen in Italien war die Geheimloge P-2 (Propaganda Due) von Licio Gelli, der später in Genf festgenommen wurde und dem es gelang, aus dem Gefängnis zu flüchten. P-2 hatte enge Beziehungen zu Teilen des italienischen Militärgeheimdienstes. Gelli spielte auch beim Bankrott der Ambrosiano-Bank eine Rolle.

Die Explosion hatte den westlichen Flügel des Empfangsgebäudes zum Einsturz gebracht. Auch ein Zug, der nach Chiasso unterwegs war und auf Gleis 1 anhielt, wurde schwer beschädigt.

Rechtsgerichtete politische Kreise und Mitglieder des militärischen Geheimdienstes Sismi hatten jahrelang versucht, die Ermittlungen zu behindern oder auf ein falsches Gleis zu lenken. Auch dem früheren Staatspräsidenten Francesco Cossiga wird vorgeworfen, die Justiz mit falschen Behauptungen diskreditiert zu haben.

Zwei Mitglieder der NAR waren für die Ausübung des Attentats verantwortlich gemacht und zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden: Francesca Mambro, ein führendes Mitglied der Terrororganisation, wurde zu neun Mal lebenslänglich verurteilt. Die heute 61-jährige Mambro wurde 2010 begnadigt. Valerio Fioravanti war ein Jahr zuvor nach 26 Jahren wegen guter Führung entlassen worden. Fioravanti und Mambro hatten fünf Jahre nach dem Attentat im Gefängnis geheiratet und stets ihre Unschuld beteuert. Der zur Zeit der Tat noch nicht 18-jährige Luigi Ciavardini wurde 2007 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Zeiger einer Bahnhofsuhr in Bologna stehen noch heute auf 10.25 Uhr – in Erinnerung an das Blutbad.

(Foto: Keystone/AP)