Bayernkurier - Historisches Bild

Vor 70 Jahren, am 3. Juni 1950, erschien der Bayernkurier zum ersten Mal. Mit leichtem nostalgischen Bedauern muss man feststellen, dass ihn die politischen Entwicklungen mittlerweile buchstäblich verweht haben.

Der Bayernkurier war das Hausblatt der CSU, aber der aggressive Konservatismus strahlte über Bayern hinaus. 1950 wurde die Zielgruppe so bestimmt: „politisch interessierte und/oder engagierte Leser, mittelständische Unternehmer, hohes Bildungsniveau, einkommensstark; sehr ausgeprägte Leser-Blatt-Bindung“. Die Auflage betrug ursprünglich 50’000 Exemplare. Zeitweilig kletterte sie auf über 150’000. Als sie zuletzt weit unter 50’000 Druckexemplaren lag, war Schluss. Die letzte Ausgabe er schien am 16. November 2019. – Eigentlich hätte man den 70. Jahrestag noch abwarten sollen.

Die überregionale Ausstrahlung des Bayernkuriers hing mit Franz-Josef Strauss zusammen. Er war Gründungsherausgeber und gleichzeitig erster Chefredakteur. Später verlegte er sein Wirken auf höhere politische Bühnen und wurde noch stärker zum Lieblingsfeind aller Linken und zum Teil auch Liberalen. Als konservativer Lautsprecher erlangte später auch Wilfried Scharnagl überregionale Bedeutung. Er war von 1977 bis 2001 Chefredakteur. Die beiden Nachfolger erreichten keine grössere Bekanntheit, dafür aber der letzte Herausgeber, Markus Söder.

Der Bedeutungsverlust des Bayernkuriers hängt nicht nur mit dem Strukturwandel der Medien zusammen. Vielmehr sind die Zeiten der ideologisch geprägten Auseinandersetzungen weitgehend, nicht völlig, vorbei. Unter Angela Merkel hat die CDU ihren konservativen Biss verloren, und die CSU hat ebenfalls viele Ecken und Kanten abgeschliffen. Politiker möchten heute möglichst hohe Beliebtheitswerte erzielen. Kaliber wie Strauss wollten hauptsächlich bei ihren Anhängern punkten.

Das Bild stammt vom 25. September 2000. Der damalige Chefredakteur Wilfried Scharnagl teilte an diesem Tag seinen verdutzten Parteifreunden mit, dass er nach 24 Jahren sein Amt als Chefredakteur des Bayernkuriers niederlege und sich anderen Aufgaben widmen wolle. Welche das sein sollten, verriet er damals nicht. (Foto: Keystone/AP/Uwe Lein)