Dietrich Bonhoeffer - Historisches Bild

Vor 75 Jahren, am 9. April 1945, wurde der deutsche evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg nach einem Urteil eines SS-Standgerichts erhängt. Er war an den Vorbereitungen des Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 beteiligt. Bis heute gilt Dietrich Bonhoeffer als einer der bedeutendsten deutschen Theologen des 20. Jahrhunderts.

Während grosse Teile der evangelischen Kirche sich durch den Nationalsozialismus blenden liessen und sich zu den von Hitler geförderten „Deutschen Christen“ zusammenschlossen, die in einigen Landeskirchen die Leitung übernahmen, gehörte Dietrich Bonhoeffer zur „Bekennenden Kirche“, die zum Teil von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Der massgebliche Theologe der „Bekennenden Kirche“ war Karl Barth. Er verstand das Christentum als eine eigenständige Kraft, die von der Kultur und Politik abgekoppelt ist. Bonhoeffer hatte für diese Sichtweise starke Sympathien, versuchte aber, eine Brücke zur „säkularen“ Gesellschaft zu bauen.

Bis heute findet Bonhoeffers persönlich gefärbte Jesus-Frömmigkeit bei gleichzeitig nüchternem Blick auf die moderne Gesellschaft viele Anhänger. Dazu trägt auch bei, dass er ein absolut integrer Charakter mit grossem Mut war. Er hätte ohne weiteres den Konflikten mit dem Nazi-Regime durch Tätigkeiten im Ausland entgehen können. Das lehnte er aber bewusst ab.

Eine bittere Pointe besteht darin, dass der Bundesgerichtshof 1956 das SS-Standgericht, das Bonhoeffer 1945 zum Tode verurteilt hatte, als ein ordnungsgemässes Gericht anerkannte. Das Urteil gegen Bonhoeffer, Dohnanyi und andere Beteiligte am Hitlerattentat habe dem damaligen Recht entsprochen und sei daher auch weiterhin gültig. Dies galt bis in die 1990er Jahre. Erst durch das Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege wurden NS-Unrechtsurteile für nichtig erklärt und damit auch Bonhoeffer formell für unschuldig erklärt. (Foto: Keystone/undatiertes Archivbild/DPA)