„Mauern sind schrecklich“

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„Mauern sind schrecklich“

Von Heiner Hug, 03.11.2013

Eine junge Zürcher Tanzlehrerin gibt in Palästina Männern und Frauen Tanzunterricht.

Zehn Männer schauen sie an, Palästinenser mit schwarzen Augen, Schauspieler. Sie stehen auf der Bühne im grossen Theater von Gaza-Stadt.

„Erfindet eine Geschichte“, sagt die junge Frau, „und tanzt mir die Geschichte vor“. Die Männer stecken die Köpfe zusammen. Bald beginnen sie zu tanzen.

Die Geschichte geht so: Zwei Männer streiten sich, sie kommen sich näher, dann versöhnen sie sich. „Diese Leute wollen nur eins: Frieden“, sagt Mirjam Sutter, die Tanzlehrerin. „Ich war ergriffen von dieser spontanen Aufführung“.

Spione im Theater

Das war vor zwei Jahren. Am Sonntag ist die 38-jährige Zürcherin erneut nach Gaza gereist. Und wieder unterrichtet sie im grossen Theater. Geplant ist diesmal ein Stück über das hoffnungslose Leben. Alles wird zerstört, alles muss neu aufgebaut werden, alles beginnt wieder von vorn.

„Das Theater ist wie eine sichere Insel in der verwüsteten Stadt“, sagt Mirjam Sutter. „Ich will keine Politik machen, ich will keine Friedensarbeit leisten. Ich will Tanzunterricht geben“.

Wenn eine Christin im Gaza-Streifen das Tanzen lehrt, zuckt mancher Hamas-Mann zusammen. "Ich muss diesen Leuten zeigen, dass der Tanz, den ich hier lehre eine Kunst ist. Er hat nichts mit dem zu tun, was muslimische Fanatiker westliche Dekadenz nennen". Trotzdem wird sie wohl im Theater von Hamas-Spionen beobachtet.

Fusion von zeigenössischem und orientalischem Tanz

Mirjam Sutter hatte als Ballett-Tänzlehrerin  begonnen. Dann liess sie sich in Genua drei Jahre lang im zeitgenössischen Tanz ausbilden. Später kam eine siebenjährige Ausbildung in orientalischem Tanz dazu. Ein ägyptischer Tanzlehrer hatte sie unterrichtet. Jetzt verschmelzt Mirjam die beiden Stilrichtungen: den zeitgenössischen mit dem orientalischen Tanz. Längst ist sie selbst Tanzlehrerin, sie experimentiert, sie geht auf Tournee, sie spielt in Tanzfilmen  – und sie hat sich einen Namen geschaffen.

Der orientalische Tanz war es, der sie 2004 erstmals in die palästinensische Welt zog. Es war die Zeit der zweiten Intifada. „Schon bei der Einreise nach Israel musste man beweisen, dass man eine gläubige Pilgerin ist“, erzählt sie. „Ich gab eine jämmerliche Pilgerin ab, doch man liess mich einreisen“.

Die drohende Mauer

Der Anblick der Mauer war ein Schock für sie. Sie sprach mit Palästinensern, deren Familien plötzlich zerrissen waren. Sie sah Kinder, die am Fusse der Mauer spielten. „Ich wollte diese Mauer unbedingt berühren, Mauern sind etwas Schreckliches.“

2007 verarbeitete sie ihre Eindrücke in einem abendfüllenden Tanzstück. Es wurde drei Mal in der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) aufgeführt - vor prallvollem Saal. Als Kulisse wurde eine Styropor-Mauer aufgebaut. Mit ihrem Solo-Tanz versuchte Mirjam Sutter das Leben eines Mädchens im Schatten der Mauer aufzuzeigen. „Was kann eine Mauer mit einem Kinderleben anstellen?“ Das Mädchen wird älter und wird zur Frau – ständig konfrontiert mit der drohenden Mauer.  Wie kann man diese Mauer in einem Leben integrieren?

Am Schluss des Stücks wird die Mauer vor das Publikum geschoben. Sie trennt dann den Zuschauerraum von der Bühne. Hinter der Mauer hört man den Lärm spielender Kinder.

„… wo ich mit Worten nicht mehr hinkomme“

„Es ist unmöglich, die Kinder von diesem Konflikt auszuschliessen“, erzählt uns Mirjam Sutter. „Sie kriegen alles mit. Sie sind mitten drin. Sie wissen, ich werde nie die Zukunft haben, die ich mir wünsche. Sie strotzen vor Energie, einige werden zu Steinwerfern.“ Die Aufführung in Zürich war ein voller Erfolg. Die Stadt Zürich beteiligte sich mit einem Unkostenbeitrag.

„Mit dem Tanz kann man ausdrücken, was mit Worten nicht mehr ausdrücken kann. Mit dem Tanz komme ich dorthin, wo ich mit Worten nicht mehr hinkomme. Ich kann Dinge im Menschen berühren, die ich mit Worten nicht abrufen kann.“

„Ich wurde nie belästigt“

Mirjam Stutter gab 2011 selbst Unterricht:  im al Harah-Theater in Bethlehem und in Ramallah. Sie unterrichtet sowohl Männer als auch Frauen. Die Teilnehmer waren begeistert und luden sie erneut ein. Vor allem für Männer sei der Tanz eine Passion, sagt Mirjam Sutter. „Männer sind in Palästina starke Tänzer, Frauen weniger“.

Auf dem Kairoer Tahrir-Platz waren während des ägyptischen Aufstandes christliche Journalistinnen von Muslims sexuell belästigt worden. Was hat Mirjam Sutter erlebt? „Ich wurde nie, weder in Gaza, noch in Bethlehem, noch in Ramallah im Geringsten bedrängt. Die Männer traten mir stolz entgegen – immer korrekt, mit viel Respekt“.

Mirjam Sutter
Mirjam Sutter

„Frauen stecken immer zurück“

„In Gaza war ich sehr nervös. Hier treten Frauen und Männer getrennt auf“. Der Unterschied ist gross. Frauen machen sich energetisch klein. „Sie nehmen beim Tanz keinen Raum ein“. Der Grund ist wohl ein kultureller. „Die Frau steckt in dieser Gesellschaft immer zurück, sie gibt immer nach.“

Männer hingegen seien stark. „Sie legen sich ins Zeug. Sie müssen nicht wachsen. Sie stehen wie Felsen in der Brandung. Plötzlich werde  „ihre sanfte Seite“ bemerkbar. „Der Körper kann nicht lügen“.

Wie die Männer mit den schwarzen Augen

Sechzehn Tage bleibt Mirjam Sutter jetzt in Gaza und in der Westbank. In Gaza lebt sie im ältesten Hotel der Stadt, dem Marna House. Nach der Arbeit im Theater fährt sie mit dem Taxi hierher. Ans Ausgehen ist nicht zu denken. „Am Abend sitze ich im Hotel, schreibe an meinem Blog und bereite den nächsten Tag vor“.

Die Sicherheitsbeamten am Flughafen von Tel Aviv stehen nicht gerade im Ruf, zur charmantesten Menschengattung zu gehören. Vor zwei Jahren erlebte Mirjam Sutter etwas Anderes. Bei ihrer Ausreise am Flughafen Ben Gurion wurde sie  von einer jungen Sicherheitsbeamtin befragt. „Was, Sie sind Tänzerin!“, erklärte die Beamtin begeistert. „Ich würde auch gerne tanzen. Es gibt so wenig hier, auf das wir uns freuen können.“

Auch die Beamtin träumt nur von einem  – wie die Männer mit den schwarzen Augen im Theater von Gaza: vom Frieden.

 

kleine anfrage: wo auf der welt sind sicherheitsbeamte auf flughaefen "charmante maenner?" nur auf dem flughafen ben gurion sind sie es nicht? was was was? es gaebe in israel so wenig auf was sich die beamtin in ben gurion freuen koenne? das hat mit bestimmtheit keine beamtin in bnen gurion ghesagt weil es wenig laender gib wo so viel spontane freude herrsch wie in israel. es sei denn man wuerde von einer pal. terrorbombe in die luft gejagt und zerfetzt

kleine anfrage: wo auf der welt sind sicherheitsbeamte auf flughaefen "charmante maenner?" nur im flughafen ben gurion sind sie es nicht?
was was was? es gaebe in israel so wenig auf was sich die israelische beamtin freuen koenne? das hat keine beamtin gesagt weil israel ein land voller freude ist, wo man nur geht oder steht es sei denn man wird von einer pal. bombe in die luft gejagt und zerfetzt

Warum die Mauer? Dank der Schutzmauer sind Morde und Attentate seitens Palästinenser spürbar zurückgegangen! Warum kein Ballet um die furchtbare und brutale Abschlachtung der Familie Fogel 2011 (Eltern und 3 kleine Kinder) durch einen Palästinenser? Warum nicht auf einer Bühne die antisemitischen Verse aus paläst. Schulen und Kindergärten wiedergeben? Warum nicht die Sätze aus den gültigen Chartas von PLO und Hamas rezitieren, die die Vernichtung Israels fordern? Aber die Juden sind ja seit Jahrhunderten an allem schuld und undank der desinformierenden und hetzerischen Medien geht einmal mehr eine böse Saat auf, zu der Gott durch den Propheten Jesaja sagt "Siehe, beschämt und zuschanden werden alle, die in Feindschaft gegen dich (Israel) entbrannt sind"

Tanz als Kultur-Theologische Anthropologie
….und vor 2000 Jahren? Da kam doch einer der nicht Macht, Ruhm, Glanz und Reichtum in den Mittelpunkt stellte, sondern neue Erkenntnisse verkündete: z.B. „Wer von euch ohne Schuld ist werfe den ersten Stein“! Er tanzte den Tanz der Gelehrten, der Lebenstanz.
Zu jener Zeit kreisten wie schon erwähnt Jupiter und Saturn in dreifachen Konjunktion über Galiläa. Ankündigung einer Geburt dreier Eliten. Von weit her kamen Besucher und brachten wertvolle Geschenke. Sie folgten inneren Stimmen, geleitet durch ein sonderbares Licht am Himmel. Nach der Geburt am achten Tag wurde der Knabe wie üblich beschnitten, als Jude in Judäa. Genannt Jesus, Sohn der Maria. Als er mit 12 in den Tempel kam nannten sie ihn bereits den Hochbegabten! Ein Junge mit klaren Einsichten, Einsichten in eine besondere Wirklichkeit. Aus einer armen Patchwork Familie stammend, wurde er zum Ausnahmetalent. Ein charakterlich guter und fürsorglicher Stiefvater rettete seiner Mutter, (uneheliche waren damals gefährdet) das Leben. Er rettete sie vor der Steinigung. „Vergebung durch Distanzierung vor eigenen Emotionen“ sein Leitspruch. Die seines Sohnes: “Ertragt einer den anderen und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den anderen; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“….denn mit AUGE um AUGE würde die Welt erblinden. Erstaunen bei den Gelehrten, sein klarer Verstand und seine treffenden Antworten überraschten. Nach dem Besuch des Passah-Fest in Jerusalem suchten ihn seine Eltern drei Tagen lang. Er war mit Gleichaltrigen unterwegs, wurde auch nie an kurzer Leine gehalten. Sie fanden ihn schliesslich im Tempel bei den Gelehrten. „ Mein Sohn, warum hast du uns das angetan, dein Vater und ich haben dich gesucht!“ fragte Mutter Maria. Er entgegnete:“ Warum habt ihr mich gesucht? “Wisst ihr nicht, dass ich sein muss indem mein Vater ist“? Er studierte die Tora, philosophierte mit Gelehrten bis ins Erwachsenenalter und lernte Menschen in allen Situationen kennen. Seine Lehre, sein Wirken, sein Charisma und seine Wahrheit brachten später ein Imperium ins Wanken. Er offerierte uns allen ein Leben in Frieden, Liebe und Gewaltlosigkeit so wir seine Weisheiten und Gebote annehmen würden. Zum ersten Mal kam jemand zur Welt, der nicht Macht, Ruhm, Glanz und Reichtum verehrte sondern die Armen und Bedürftigen in den Mittelpunkt stellte. Wasserknappheit kommt oft daher, dass alle ständig versuchen, die Hände in Unschuld zu waschen. ….oder nicht? Wenn Skorpion im Osten aufgeht muss Orion im Westen den Himmel verlassen. Das war schon immer so! Symbol für Jäger und Gejagte denke ich....cathari

Das ist die wahre Geschichte. Eine andauernde, im Jetzt, in der Zukunft. Ewig. Kommt cathari wohl vom gr. catharsis = Reinigung, psych. das Sichbefreien ? Wie auch immer. Berührt. Ergriffen. Danke
cathari.

Ja, Mauern sind schrecklich. ABER, diese Mauer, die übrigens nur 6% der ganzen Sperranlage aus macht(der Rest ist Zaun) schützt Leben, Leben von unschuldigen Kindern z.B. Ich musste noch nie beim Einreisen nach Israel beweisen, dass ich eine gläubige Pilgerin bin. Das ist Quatsch.

Die Mauer schützt Leben welches gefährdet ist weil sich der israelische Staat so aufführt. Und sie ist widerrechtlich.

Schon wieder irgendeiner, der zu feig ist seinen Namen zu nennen. Zur Orientierung: Der Staat Israel führt sich so auf, dass es auch den arabischen Einwohnern bedeutend besser geht, als dem Durchschnittsaraber in den arabischen Staaten. Zudem wurden in den letzten Monaten schon unzählige Syrer in Israel gratis und franko gesund gepflegt.

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