„Leben wie ich will“

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„Leben wie ich will“

Von Journal21, 16.10.2010

Das Buch ist knapp und konzis geschrieben, mit trockenem Humor. Es ist lebensnah und vielfältig fotografiert. Es ist historisch illustriert. Es ist nicht nur ein Buch über 60 Jahre „Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich SAW“.

Es ist ein Buch über eine sehr verführerische Wohnform im Alter. Wobei Alter mit etwa 60 Jahren beginnt und mit über 100 zu Ende gehen kann. Das Buch zeigt den Reichtum der Lebensmöglichkeiten im dritten oder vierten Lebensabschnitt, wenn man sie nur erkennt.

„Leben wie ich will“ (Verlag kontrast, Zürich 2010) ist ein Buch für Junge und für Alte. Geschrieben von der freien Publizistin Isabel Baumberger, lebensnah fotografiert vom freien Fotografen Dominique Meienberg, als Auftragswerk der SAW. Die Stiftung hat sich einmal mehr Verdienste erworben, weil sie Raum gibt für eine breite Darstellung dessen, was „autonomes Wohnen im Alter“ heute sein kann.

Verantwortung für sich selbst

Isabel Baumberger lässt direkt Menschen zu Wort kommen, die sich für eine Wohnung bei der SAW entschieden haben. Denn als Mieter einer Alterswohnung behält man, anders als im Altersheim, die Verantwortung für sich selber, ob man nun mit dem Rollator unterwegs ist oder noch mit dem Rennrad, als Single oder als Paar. Mit dem einfachen aber entscheidenden Unterschied, dass die Stiftung bei Bedarf auch die nötigen Dienstleistungen anbietet: vom Hauswart über die Pflegefachfrau und Spitex bis hin zur Palliativ-Medizin. Man kann bei der SAW in den eigenen vier Wänden sterben, wenn man das so will.

Die Geschichten der zwölf Mieterinnen und Mieter führen zu den Themen des Buches, und in den Lebensgeschichten werden diese Themen lebendig. Und man erfährt zuallererst: Autonomes Wohnen gibt Sicherheit, betreutes Wohnen gibt grundlegende Sicherheit im Alter.

Vielfalt an Themen

Es fängt an mit „unbehindert Wohnen“ – „Alter gibt es nicht“, sagt SAW-Direktorin Lisa Mantovani, weil Alter eine unerhört reiche, vielfältige Lebensform ist, nach seelischen, mentalen und physischen Möglichkeiten -, es setzt sich fort mit dem Thema Fitness und Bewegung, dann mit guter Ernährung: der jugendliche Gourmetkoch und Kolumnist Peter Brunner macht sich entspannte Gedanken über lustvoll gesundes Essen, die Ernährungsberaterin Helena Kistler-Elmer gibt daneben die klassischen Hinweise. So zieht sich das locker und substantiell durch die verschiedenen Kapitel: Kontakte und Freundschaften, Assistenz und Pflege als Hilfe zur Autonomie, aber auch Zukunft und Vergangenheit der SAW kommen zur Sprache.

Begonnen hat die SAW 1950 als „Wohnfürsorge für Betagte“. Es war ein Projekt für sozial Benachteiligte, jedem „Luxus“ abhold, und erst 20 Jahre später erkannte eine sozialdemokratische Chefin des Sozialamts die gewaltige gesellschaftspolitische Bedeutung von Wohnsiedlungen für „Seniorinnen und Senioren“. Die energische Emilie Lieberherr brachte die Wende zum modernen Alterssiedlungsbau der SAW, der bis heute die Tätigkeit der Stiftung prägt. Die Finanzierung musste die Stiftung allerdings nach der Ära Lieberherr auf eine neue, bis heute gesunde Grundlage stellen. In 2000 Wohnungen in 35 Siedlungen leben zurzeit rund 2500 Menschen. 3000 stehen auf der Warteliste.

Das ist nachvollziehbar. Das Buch von Isabel Baumberger mit den Fotos von Dominique Meienberg macht Lust auf diese Wohnform. „Leben wie ich will – autonomes Wohnen im Alter“ist im Buchhandel erhältlich und lesenswert für alle, die sich mit dem Thema informativ und unterhaltsam auseinandersetzen wollen.

LEBEN WIE ICH WILL  Autonomes Wohnen im Alter 200 Seiten, Hardcover, Halbleinen, mit 135 Fotografien Texte: Isabel Baumberger  Fotografien: Dominique Meienberg  ISBN 978-3-906729-84-8  CHF 36.00 | E 27.00 Bestellbar in jeder Buchhandlung oder direkt beim Verlag:  www.kontrast.ch/verlag

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