LAC – Kultur am See

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LAC – Kultur am See

Von Annette Freitag, 18.04.2018

Wieder mal Lugano. Wieder mal LAC. Sie wissen schon: die Buchstaben stehen für Lugano Arte e Cultura und es trifft sich gut, dass der Bau gleich neben dem See liegt.

LAC, das Wort sieht aus wie «lac», und das ist zwar französisch und bedeutet «See», aber Kultur weitet den Blick und sieht das nicht so eng und kennt vor allem keine Grenzen. Da passt es doch, dass die gegenwärtige Picasso-Ausstellung den Untertitel trägt «Ein anderer Blick». Und tatsächlich: man sieht einiges von Picasso, das man weniger kennt: Zeichnungen, Skizzen und nicht die grossen bekannten Gemälde. Spannend!

Treffpunkt und Kulturprojekt

Seit zweieinhalb Jahren gibt es das LAC nun schon und es gehört zu Lugano, als wäre es immer schon hier gewesen. Chef des LAC ist ein Kanadier: Michel Gagnon, der sich mittlerweile schon seit rund vier Jahren um das LAC kümmert, da er bereits in die Vorbereitungen involviert war. Heute ist er glücklich, dass alles läuft wie geschmiert. «Und ich bin auch stolz», fügt er strahlend bei, «stolz auf das, was das gesamte Team erreicht hat: das LAC hat Lugano verändert. Es sollte ein Treffpunkt werden. Wir wollten nicht nur ein Kulturprojekt daraus machen, sondern es sollte auch soziale und gesellschaftliche Relevanz haben. Und das ist gelungen.»

Michel Gagnon hat soeben seinen Vertrag bis 2021 verlängert. «Dann sehen wir weiter …!»

Michel Gagnon – Leiter des LAC © Studio Pagi
Michel Gagnon – Leiter des LAC © Studio Pagi

Das LAC liegt an der Piazza Bernardino Luini. Das weist schon auf Kunst hin, denn Bernardino Luini war ein lombardischer Renaissance-Maler. Von ihm stammen auch die Fresken in der Kirche di Santa Maria degli Angioli. Gleich neben dem LAC. Und die dazugehörigen Klostergänge und -Gebäude sind in die LAC-Überbauung integriert, als stille und schattige Refugien.

Ein Platz für Kultur

«Dass das LAC ein Erfolg ist, lässt sich auch zahlenmässig belegen», sagt Michel Gagnon. «Die Konzerte sind zu 90 bis 95 Prozent besetzt, in der Picasso-Ausstellung waren über Ostern pro Tag rund 800 Leute. Wir machen auch eine Statistik und stellen fest, dass 70 bis 80 Prozent der Besucher Touristen sind. Aus Italien, aber auch von der Alpennordseite. Und im Konzertsaal hört man im Publikum viel Deutsch…!»

Tatsächlich kann sich das Konzertprogramm sehen lassen. Über die Ostertage war das Orchestra Mozart unter der Leitung von Bernhard Haitink in Lugano. Und das war schon eine Besonderheit, weil es das Orchestra Mozart während längerer Zeit nicht mehr gab. Gegründet und geleitet hatte es Claudio Abbado in Bologna. Nach Abbados Tod hatte allerdings auch das Orchester keine Zukunft mehr und wurde aufgelöst. Für eine gewisse Anzahl Konzerte hat sich das Orchester nun aber wieder in Bologna zusammengefunden und spielte auch in Lugano. Und es dürften nicht nur Abbado-Fans gewesen sein, die das Orchester begeistert bejubelten. Es war schon sehr berührend, wie die vorwiegend noch relativ jungen Musiker dem fast 90-jährigen Altmeister folgten, der seinerseits sichtlich beflügelt war und dem Schwung des Orchesters in nichts nachstand.

Picasso «Tête de femme» © Succession Picasso
Picasso «Tête de femme» © Succession Picasso

Hochkarätig geht es auch in den kommenden Wochen weiter. Unter anderem tritt das London Philharmonic Orchestra unter der Leitung des jungen Dirigenten Krzysztof Urbanski auf, David Zinman wird das Orchestra della Svizzera italiana leiten und im Juni beehrt Philippe Jordan das LAC mit den Wiener Symphonikern.

Tanz – von klassisch bis modern

Ganz wichtig ist für Michel Gagnon auch Tanz. «Ich liebe Tanz …», sagt er ganz unmissverständlich. «Die meisten meiner Freunde sind Tänzer! Bevor das LAC eröffnet wurde, ging ich hier in den Kongresspalast zu einem Gastspiel der New Yorker Company von Mark Morris. Da wurden gerade mal 200 Tickets verkauft und ich habe mir schon Gedanken darüber gemacht, wie das Publikum auf modernen Tanz reagiert … aber jetzt sind solche Gastspiele immer voll besetzt!» Und Tanz, das heisst dann von «Schwanensee» mit dem Mariinsky-Ballett aus St. Petersburg bis hin zu zeitgenössischen Choreografien von William Forsythe oder Benjamin Millepied. Michel Gagnon schwelgt geradezu, wenn er davon spricht, was sein Team in der künstlerischen Leitung des LAC alles zustande bringt.

Das klingt alles wie poliert … und wenn man Michel Gagnon auf die Finanzen anspricht, strahlt er unvermindert weiter. «Wir sind auf Kurs», sagt er. «Wir haben drei Standbeine: die Kasse, öffentliche Gelder und Sponsoren. Unser Hauptsponsor ist die UBS, wir haben aber auch einige Mäzene. Finanziell läuft es gut und wir konnten den Vertrag mit UBS verlängern. Die Eröffnung des LAC war eine echte Herausforderung. Nun besteht die Herausforderung darin, das LAC auch zu unterhalten. Aber das ist nicht nur in Lugano so …»

Neu im Team: Tobia Bezzola

Unterstürzt wird er jedenfalls von einem Team, das bis jetzt offenbar alles richtig macht. Und in diesem Team ist seit neuestem sozusagen auch ein alter Bekannter aus Zürich: Tobia Bezzola, der lange Jahre Kurator am Zürcher Kunsthaus war, bevor er die Leitung des Folkwang-Museums in Essen übernahm. Und nun also das MASI, das Museo d'arte della Svizzera italiana.

Tobia Bezzola: neu für Kunst zuständig © Claudio Bader
Tobia Bezzola: neu für Kunst zuständig © Claudio Bader

Und was hat ihn bewogen, nach nur vier Jahren in Essen nach Lugano zu kommen?

Tobia Bezzola: «Das MASI ist eine Neugründung, es bietet sich hier die einzigartige Möglichkeit ein Kunstmuseum konzeptuell, strukturell, logistisch und operativ-inhaltlich neu aufzubauen und zu positionieren», sagt Bezzola.

Wie unterscheidet sich das MASI von anderen Kunst-Instituten?

Tobia Bezzola: «Der gesamtkulturelle Hintergrund, der sich auch in den Sammlungen spiegelt, vereinigt hier im Tessin in einer einzigartigen Begegnung die künstlerischen Traditionen und die Geschmackskulturen sowohl des Mittelmeerraums als auch des nördlichen Europa.» 

Welche Kunstrichtungen sollen im MASI hauptsächlich vertreten sein?

Tobia Bezzola: «Zum einen wird sich das MASI den lokalen und regionalen künstlerischen Traditionen widmen, es wird aber auch jedes Jahr Projekte von gesamtschweizerischer Bedeutung geben, und das Museum wird mit Ausstellungen zur Moderne und zur Gegenwartskunst immer wieder internationale Akzente setzen.»

Und warum jetzt ausgerechnet Picasso? Kennt man Picasso nicht schon in- und auswendig?

Tobia Bezzola «’Was bekannt ist, ist deswegen nicht erkannt’, so Hegel. Im Ernst: ganz im Gegenteil – unsere Ausstellung zeigt nicht nur viele noch nie ausgestellte Werke, sie bietet auch die erste vergleichende Analyse von zeichnerischem und plastischem Werk.»

MASI im LAC Lugano
PICASSO
Ein anderer Blick
Bis 17. Juni 2018

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