Kleine Diktatur auf Zeit

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Kleine Diktatur auf Zeit

Von Kommentar 21, 06.02.2013

Wir sind demokratisch und unerschütterlich. Ersteres setzt Letzteres voraus. Geht es nach der Propaganda, entscheiden wir uns am 3. März wieder einmal und gleich dreifach fürs Aufblühen der Eidgenossenschaft oder ihre Verelendung. Wir lachen über die Alternative, weil wir mit der Zuverlässigkeit einer Schweizer Uhr wissen, am Morgen nach dem sonntäglichen Urnengang weder im Paradies noch in der Hölle aufzuwachen. Das lernten wir aus 566 Volksabstimmungen seit 1848. Ohne Bildungsfortschritt blieben die Parteien und Verbände. Sie passten in der Staatskunde nicht auf. Darum wollen sie uns mit Glücksszenarien verführen und mit Horrorvisionen bedrohen. Hüben und drüben irrwitzige Statistiken, windschiefe Vergleiche und Behauptungen, die über ihre Lügenbeine stolpern. Die Schaumbäder, in die wir getaucht werden, die Heissluftgebläse, die uns einheizen, kosten Millionen. Als billiger gelten wir, die mündigen Bürgerinnen und Bürger, angeblich die souveränen Stützen der Demokratie. Für die PR-Agenturen sind wir Stimmvieh. Zu dumm für sachliche Argumente, zu glotzaugig für die nackte Wahrheit, zu blöd für ehrliche Diskussionen. Vor Abstimmungen setzen die Parteien und Verbände die Demokratie ausser Kraft und rufen mit Schlachtgeschrei die kleine Diktatur der Werbetrommler aus. Wir lachen. Das können wir uns leisten, denn wir lachen zuletzt. Wir sind unerschütterlich und stimmen demokratisch. Nämlich so, wie wir wollen. (Alex Bänninger)

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