Keine Burka weit und breit – also kein Problem

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Keine Burka weit und breit – also kein Problem

Von Beat Allenbach, 11.02.2021

Mit einem Verbot von Burka und Nikab lösen wir kein Problem. Es wäre nützlicher, den Muslimen die Werte des Zusammenlebens verschiedener Kulturen besser zu vermitteln.

Frauen mit Burka oder präziser im Nikab gibt es vielleicht 30 in der Schweiz, und meistens sind es Schweizerinnen, die zum Islam konvertiert sind und ihn in extremer Strenge leben wollen. Um den Frauen zu verbieten, den Kopf so zu verhüllen, dass nur die Augen sichtbar sind, ist die Volksinitiative für das Burkaverbot lanciert worden, über die wir am 7. März abstimmen werden. Unsere schöne Bundesverfassung soll mit drei Absätzen entstellt werden, die kaum angewendet werden können – aus Mangel an „fehlbaren“ Frauen, abgesehen von Touristinnen aus dem Nahen Osten.

Um Frauen zu befreien, braucht es einen andern Weg

Ich möchte nicht falsch verstanden werden, es passt mir gar nicht, Frauen mit Vollverschleierung zu begegnen, doch ich habe bloss Touristinnen in dieser Tracht gesehen. Mit einer Ausnahme: Bei den Verhandlungen vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona gegen leitende Exponenten des Schweizerischen Zentralrats der Muslime  waren demonstrativ einige Frauen im Nikab als Unterstützerinnen der Angeklagten erschienen. Wenn es den Befürwortern der Volksinitiative darum geht, die Frauen von der Vollverschleierung und dem Diktat ihrer Männer zu befreien, sollten sie mit den Eheleuten ins Gespräch kommen, um sie zu überzeugen versuchen, den Nikab mit einem Kopftuch zu ersetzen.

Im Kanton Tessin haben sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im Jahr 2013 für das Burkaverbot ausgesprochen, und auch im Kanton St.Gallen gilt ein ähnliches Gesetz. Andere Kantone haben sich in einer Vernehmlassung gegen ein Verbot ausgesprochen. Anerkennen wir doch die verschiedenen Standpunkte: ein Verbot auf schweizerischer Ebene ist nicht erforderlich. Wir haben wichtigere Probleme, für die wir eine Lösung suchen sollten: Gewalt gegen Frauen, auch von Schweizer Bürgern, die wachsende Armut in unserem reichen Land, verschärft durch die Pandemie, unsere Jugend auf den sich rasch wandelnden Arbeitsmarkt besser vorbereiten – um nur einige zu nennen.

Kein Mittel gegen Attentate und Hassprediger

Wie viele Schweizerinnen und Schweizer bin auch ich empört über die Gewalt und den Hass der fundamentalistischen Islamisten, welche Attentate ausführen, wehrlose Menschen töten, Christen verfolgen und ermorden, mehrheitlich jedoch muslimische Glaubensbrüder umbringen. Fundamentalistische Sunniten töten andere Sunniten, weil sie nicht eifrige Muslime sind; überdies bringen sich Sunniten und Schiiten gegenseitig um – und das angeblich im Namen ihres Glaubens. Diese Schlächter und Missetäter wissen in den meisten Fällen kaum Bescheid über den Islam. Dies bestätigen mir meine afghanischen Freunde. Nach den Geboten ihrer Religion darf man keine Menschen töten. Diese jungen Männer haben sich geweigert, den wiederholten Aufforderungen der Taliban zu folgen, sie wollten keine Attentate verüben, weshalb sie bei Nacht und Nebel fliehen und ihre Heimat verlassen mussten.

Sie schätzen es, hier ohne ständige Angst leben zu können

Wenn wir in der Schweiz am 7. März die Vollverschleierung verbieten, lösen wir damit kein Problem. Das Verbot ist auch kein Mittel, um den extremen Islam und Hassprediger zu bekämpfen oder potentiellen Gewalttätern auf die Spur zu kommen. Fast alle Muslime und Musliminnen in der Schweiz halten sich an unsere Gesetze. Ein Ja zur Volksinitiative würde von vielen hingegen als Feindseligkeit gegenüber ihrer Religion verstanden. Wäre es nicht nützlicher, die Integration zu verbessern, indem man ihnen bewusst macht, dass unsere Demokratie und der Föderalismus das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen ermöglicht. Die meisten Muslime kommen zur Arbeit, zum Studium oder als Flüchtlinge aus Ländern, die keine Rechtsstaaten sind, in die Schweiz. Sie schätzen es, an einem Ort  in Frieden leben und arbeiten zu können ohne die ständige Angst vor der Willkür der Behörden.

 

Ich kann dem Beitrag von Herrn Allenbach nur zustimmen. Das Verbot des Kleiodungsstücks wertet es nur auf - befreit wird damit niemand. Aber vielleicht sollte man auch den Schweizerinnen und Schweizern die Werte des Zusammenlebens verschiedener Kulturen vermitteln - und der Gewinn, der für alle daraus zu ziehen ist.
Boris Schibler

Eigentlich sollte man Religionen auf Vereinsniveau herabstufen. Burkas sind ein Excess und Symbol des höchst agressiven politischen Islam. Gottesfürchtigkeit findet im Inneren des Kopfes statt, nicht darüber. Es ist unverständlich dass die Gläubigen sämtlicher Religionen meinen, mit ihrer Religion würden sie Gott näher stehen.

Eine Frau mit Burka ist Eine zuviel.
Eliane Studer

Man kann nichts "vermitteln"! Das ist ein alter Begriff aus der "schwarzen Pädagogik"! Man wollte im Zuge der Jahrhunderte Diverses "vermitteln". Z.B. den christlichen Glauben durch Missionare, in den Schulzimmern, in Internaten und Heimen Disziplin und Anstand durch sogenannte Pädagog*innen mittels Schläge und Ausgrenzung. Tatsache ist, dass Lernprozesse nur durch Ermöglichung von Einsichten geschehen können! Dabei ist das Einhalten anderer kultureller Regeln und Gebräuche Gegenstand edukativer Prozesse. Prozesse dauern, zwischenzeitlich dürfen deshalb ruhig auch Normen aufgestellt werden, an die sich zu halten keine Anmassung bedeutet!

Die Burka/das Kopftuch ist ein Symbol des politischen Islam und somit sehen natürlich Anhänger des politischen Islam darin ein positives Zeichen. Andere wiederum sehen im politischen Islam die schlimmste Ideologie, die es je gab. Für sie ist Burka und Kopftuch gleich Hakenkreuzbinde oder Che-Guevara-T-Shirt.

Es geht nicht um oder gegen "fast alle MuslimInnen in der Schweiz": Es geht um EstremistInnen. Ihre Nikab-Manifestation will uns sagen: "Redet ihr nur weiter über Gleichberechtigung – wir sperren unsere Frauen vor euren Augen in schwarze Säcke ein, isolieren sie, bevormunden sie und verstümmeln sie kommunikativ. Darum ging es "demonstrativ" auch vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona. Und der gemässigte Berner Imam Mustafa Memeti weiss es – er ist für die Initiative. Kurzum: Nein zum "Rückschlag für alle Frauen", wie die SP-Politikerin Marlyse Dormond den Nikab nennt. Darum sagt sie Ja zur Initiative. Niklaus Ramseyer BERN

Nur offene Fragen:
Wieviele Muslime lebten in der Schweiz zu Beginn des 1. Weltkriegs?
Wieviele Muslime leben heute in der Schweiz und wie ist der prozentuale Anteil?
Wie gross ist die Reproduktiondrate von Muslimen vsChristen?
Kennen Sie die wunderbaren christlichen Klöster im heutigen Kosovo?

Gegenfragen, denn es gibt keine blöden Fragen, nur dumme Antworten: Was haben ihre Fragen mit dem Artikel zu tun? Bzw. ist es möglich, dass er Ängste bei Ihnen auslöst? Würde das Verbot daran etwas ändern?

"Fast alle Muslime halten sich an unsere Gesetze". Warum aber müssen soviele Mohammedanerinnen wegen ihren Männern ein Kopftuch tragen ? Das mohammedanische Kopftuch ist das demonstrative Symbol der aktiven und passiven Frauenunterdrückung. Von Integration keine Spur.

Bei uns haben katholische Nonnen und Frauen auch ein Kopftuch oder komische "Trachten" getragen, aus lauter Gehorsam vor ihrem Gott. Und woher kam der? Genau aus dem Nahen Osten! ;) Sie werden das "pflichtbewussten" Frauen nie verbieten können!

1. Es ist falsch "mohammedanisch" zu sagen. Es handelt sich um "Muslim"/"Muslimin" bzw. "muslimisch".
2. Das Kopftuch ist eine orientalische Kleidungssitte und hat nichts mit dem Islam zu tun, sondern ist viel älter. Im ganzen Koran ist das Kopftuch nicht ein einziges Mal erwähnt. Dort heißt es nur, die Frau solle ihre Blößen bedecken. Diese Formulierung lässt leider die Interpretation offen, was man als "Blöße" definiert und wird in den islamischen Staaten unterschiedlich ausgelegt.
3. Ich kenne viele muslimische Frauen, die das Kopftuch völlig freiwillig tragen.
4. In Deutschland - und wohl auch in der Schweiz - gibt es keine gesetzlichen Vorschriften zur Kleiderordnung. Daher ist es unzutreffend. das Tragen des Schleiers als ungesetzlich darzustellen.
5. Wohl niemand käme auf die Idee, den christlichen Ordensfrauen ihre Kopfbedeckung zu verbieten oder diese als Zeichen der Unterdrückung darzustellen, oder?
6. Als vorgeblich liberale Gesellschaft könnten wir viel zur Integration beitragen und etwas mehr Toleranz zeigen. Solange man das Gesicht eines Menschen erkennen kann, ist die Kopfbedeckung völlig nebensächlich. Gegen die Burka hätte ich allerdings auch etwas einzuwenden.

Also machen wir doch diesen Männern klar, dass sie ihre Frauen anständig behandeln, auch wenn sie weder Nikab, Burka oder ähnliches tragen. Dann wären nämlich die Frauen frei zu entscheiden. Ein Verbot in unserer Verfassung bringt absolut nichts.

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