John McCain ist tot

Journal21's picture

John McCain ist tot

Von Journal21, 26.08.2018

Der amerikanische Senator aus Arizona stirbt am Samstag im Alter von 81 Jahren an einem Hirntumor.

McCain, einstiger Navy-Pilot und Kriegsheld, hatte am Freitag wissen lassen, dass er auf jede weitere medizinische Behandlung verzichte. Der Republikaner, ein scharfer Trump-Kritiker, litt an einem aggressiven Hirntumor. McCain galt Zeit seines Lebens als eigenwilliger Einzelgänger („maverick“), der sich von seiner eigenen Partei kaum einbinden liess – und oft gegen sie rebellierte.

McCain erklärte nach der Medienkonferenz von Trump und Putin in Helsinki, der amerikanische Präsident sei „inkompetent“. Trump selbst hat in jüngster Zeit den Schwerkranken immer wieder verspottet.

McCain war seit 30 Jahren Senator und gehörte zu den prominentesten und geachtetsten Mitgliedern des amerikanischen Kongresses.

Während des Vietnamkriegs war sein Flugzeug abgeschossen worden, und er geriet in eine fünfeinhalbjährige nordvietnamesische Gefangenschaft. Im Gefängnis, als „Hanoi Hilton“ verspottet, war er gefoltert worden.

2008 hatte er sich, mit Sarah Palin als Running Mate, vergebens gegen Barack Obama um die Präsidentschaft bemüht. Schon im Jahr 2000 strebte er das höchste Amt im Staat an, scheiterte aber an George W. Bush.

Präsident Trump reagierte auf den Tod von McCain so: „Meine tiefste Anteilnahme und mein Respekt gehen an die Familie von Senator John McCain. Unsere Herzen und Gebete sind mit euch!“ Laut der Washington Post verbot es Trump, den Verstorbenen offiziell zu würdigen.

McCain (links) im Jahr 1961 mit seinen Eltern. Sein Vater und sein Grossvater waren Admirale bei der US Navy. (Foto: Keystone/AP)
McCain (links) im Jahr 1961 mit seinen Eltern. Sein Vater und sein Grossvater waren Admirale bei der US Navy. (Foto: Keystone/AP)

McCain (vorne rechts) war Kampfflugzeug-Pilot. Das Bild zeigt ihn 1965. (Foto: Keystone/EPA/Library of Congress)
McCain (vorne rechts) war Kampfflugzeug-Pilot. Das Bild zeigt ihn 1965. (Foto: Keystone/EPA/Library of Congress)

Nach dem Abschuss seines Jets 1967 wird er von Nordvietnamesen aus dem Meer gezogen – und gefangengenommen. (Fotzo: AP)
Nach dem Abschuss seines Jets 1967 wird er von Nordvietnamesen aus dem Meer gezogen – und gefangengenommen. (Fotzo: AP)

John McCain verbrachte fünfeinhalb Jahre in nordvietnamesischer Gefangenschaft. Das Bild zeigt ihn nach seiner Freilassung am 14. März 1973 in Hanoi. Begleitet wird er von Jay Coupe, einem Navy-Kommandanten. (Foto: Keystone/AP/Horst Faas)
John McCain verbrachte fünfeinhalb Jahre in nordvietnamesischer Gefangenschaft. Das Bild zeigt ihn nach seiner Freilassung am 14. März 1973 in Hanoi. Begleitet wird er von Jay Coupe, einem Navy-Kommandanten. (Foto: Keystone/AP/Horst Faas)

Eines der berühmtesten Fotos: McCain wird nach seiner Freilassung von Präsident Richard Nixon empfangen.
Eines der berühmtesten Fotos: McCain wird nach seiner Freilassung von Präsident Richard Nixon empfangen.

John McCain stellt während der Präsidentschaftskampagne 2008 seine Tochter Meghan vor. (Foto: Keystone/AP/Keith Srakocic)
John McCain stellt während der Präsidentschaftskampagne 2008 seine Tochter Meghan vor. (Foto: Keystone/AP/Keith Srakocic)

Wahlkampf 2008. Dass McCain mit Sarah Palin als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft antrat, hat ihm viele Stimmen gekostet. Palin ist eine Vertreterin der Tea Party. McCain bereute später die Nomination Palins.
Wahlkampf 2008. Dass McCain mit Sarah Palin als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft antrat, hat ihm viele Stimmen gekostet. Palin ist eine Vertreterin der Tea Party. McCain bereute später die Nomination Palins.

John McCain mit seiner Frau Cindy 2010. (Foto: AP)
John McCain mit seiner Frau Cindy 2010. (Foto: AP)

(J21)

Ähnliche Artikel

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

McCain, einstiger Navy-Pilot und Kriegsheld? Ich kann solche Leute nicht bewundern.

Wie viele Frauen und Kinder hat dieser sogenannte Kriegsheld auf dem Gewissen? Wie viele von seinen Bomben liegen noch in Nordvietnem? Die Geschichte der USA besteht überwiegend aus Kriegen, gegen die Ureinwohner, gegen Mexiko, gegen Kanada, ......
Die USA haben so viele Länder destabilisiert und unter falschem Vorwand angegriffen (Irak) und so unzählige Flüchtlinge produziert. Wozu brauchen die USA über 900 Militärbasen im Ausland? Die USA geben fast alle Steuereinnahmen für Waffensysteme und das Militär bis für die Krankenversicherung kein Geld übrig bleibt. Die USA sind zur Zeit für die Welt die größte Bedrohung. Siehe die Expansion in Ostrichtung und die ständigen Mannöver an den russischen Grenzen und bei Nordkorea und im Südchinäsoschen Meer.

Krieg gegen Kanada? Wenn es gegen die USA geht scheint jede Absurdität genehm. Aber wird auch nur der Hauch einer Kritik - und sei er noch so sanft - an Russland laut, so steigert sich die Empörung („Hetze, Hetze“) ins Unermessliche.

Mit McCain ist ein großer Transatlantiker gestorben, der die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa, wie sie diese Teile der Welt seit 1945 prägte, verkörperte.
Die Häme und die Verachtung, mit der sein Tod hier durch andere Nutzer kommentiert wird passt zu dem aktuellen Zeitgeist, in dem die Ideen von Freiheit und Demokratie als "dekadent" verächtlich gemacht werden und stattdessen Regimen und Despoten gehuldigt wird, die die Freiheit ablehnen. Die - ohne Zweifel vorhandenen - Fehler des Westens werden dabei lang und breit beklagt, während im Gegenzug Potentaten als unantastbar und nicht kritisierbar gelten und ihre Verbrechen als bloße Reaktion auf angebliche westliche Aggressionen abgetan werden. Die hämischen Kommentatoren selbst genießen hier im "verlotterten" Westen natürlich die Vorzüge und Rechtstaat, Demokratie und Freiheitsrechten. Ein Armutszeugnis.

US-Präsident Donald Trump hat die Publikation einer Pressemitteilung des Weißen Hauses zum Tod von John McCain verboten, in der der republikanische Senator für seine Teilnahme am Vietnamkrieg und seinen Verdienst um den Staat gepriesen wird. Trump hatte McCain befeindet, der seinerseits den Präsidenten kritisierte – unter anderem wegen seiner „milden“ Politik gegenüber Russland. Der Russlandhasser McCain hat immer neue Sanktionen gegen Russland verlangt. Ich empfinde Genugtuung, ein böser Amerikaner weniger.

McCain und die Vereinigten Staaten hatten immer Angst davor, dass russische Rohstoffe und deutsche Technologie zusammenkommen, aus gutem Grund.

Nach dem Abschuss seines Jets 1967 wird er von Nordvietnamesen aus dem Meer gezogen – und gefangengenommen. Hat er den vietnamesischen Urwald mit dem dioxinhaltigen Entlaubungsmittel vergiftet, an dem bis heute Neugeborene leiden? Hat er Napalmbomben auf vietnamesische Dörfer abgeworfen? Hat er mit Munition aus abgereichertem Uran die Umwelt für immer vergiftet?
Die "Demokratie" kam von oben nach Nordvietnam.

McCain - ein Kriegsheld?
Bomberpiloten, wie der amerikanische "Kriegsheld" McCain,
haben über Nord- und Südvietnam, Kambodscha und Laos Bomben mit grösserer Sprengkraft abgeworfen als sämtliche im ganzen 2. Weltkrieg in Europa detonierten Bomben.
Was durch diese Bomberpiloten an der dortigen Bevölkerung und an der Natur für Schäden angerichtet worden sind, gleicht eher einem Kriegsverbrechen.
Hilfe bei der Bewältigung der immer noch nachwirkenden Schäden haben diese Länder lediglich in kleinerem Umfang von NGOs erhalten.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren