Jazz am Rhein

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Jazz am Rhein

Von Journal21, 25.04.2012

Eigentlich war Bill Clinton nach New Orleans gekommen, um seinen Wahlkampf vorzubereiten. Das war vor zwanzig Jahren. Doch dann traf er einen, der ihn nicht mehr schlafen liess.

Clinton war damals Gouverneur von Arkansas. Mit seiner Frau Hillary und seinem Stab trifft er in New Orleans ein, um mit demokratischen Spitzenpolitikern die Strategie seines Wahlkampfes zu beraten. Es war die Zeit des jährlichen Jazzfestivals.

Auf einer Wiese ausserhalb der Stadt spielten die Bands. In einem der Zelte trat der Marsalis-Clan auf. Er hat es Clinton besonders angetan. Bis tief in den Morgen hinein lauschte er den Konzerten. Ob der übermüdete Clinton deshalb seine Strategie-Beratungen vernachlässigte, ist nicht überliefert. Jedenfalls wurde er – trotz Marsalis – zum Präsidenten gewählt.

Clintons Liebling: Brandfort Marsalis

Die Marsalis-Dynastie, die damals aufspielte, bestand aus Vater Ellis am Klavier und vier seiner Söhne. Einer der Marsalis-Jazzer, den der Saxophon-Spieler Clinton besonders bewunderte, war der Tenor- und Sopransaxophonist Brandford Marsalis. Dieser, der später auch von Miles Davis engagiert wurde, war dem amerikanischen Publikum als Leiter der „Tonight Show Band“ bekanntgeworden.

Branford Marsalis
Branford Marsalis

Brandford Marsalis, der 1960 in New Orleans geborene heutige Superstar, war es, der das diesjährige, 22. Basler Jazz-Festival eröffnete. Der dreifache Grammy-Gewinner beherrscht eine grosse Bandbreite von Stilen und fühlt sich auch im Pop und Blues zuhause.

"Zum Greifen nahe"

Dass Brandford und sein neues Quartett zur Eröffnung des Basel „Offbeat“ engagiert werden konnte, zeigt die Bedeutung des Festivals, das in den Siebzigerjahren bescheiden begonnen hat. Heute ist es, wie Regierungspräsident Guy Morin sagte, „ein feines Festival mit internationaler Ausstrahlung“. Es sei auch deshalb „besonders sympathisch, weil die Weltstars – jenseits vom VIP-Rummel der grossen Jazz-Festivals – in Basel zum Greifen nahe erlebbar sind“.

Doch „Offbeat“ bietet mehr als Brandford Maraslis. Zwanzig Bands mit 150 Musikern treten bis zum 6. Mai an vier verschiedenen Orten auf.

Zu den Höhepunkten gehören die „Afro-Cuban Night“ am Samstag, den 28. April, mit dem 1975 in Havanna geborenen kubanischen Pianisten und Komponisten Roberto Fonseca. Er, der aus einer Musikerfamilie stammt und einst für das französische Modelabel „agnes b“ posierte, gilt bei allen Festivals als sicheres Publikumsmagnet.

Bühne für den Nachwuchs

Am 26. April findet die „Italian Night“ mit Roberto Gatto und Gianluca Petrella statt. Ferner, unter anderem: „Dig my Trane“ mit George Gruntz und der NDR Bigband (am 30. April) und zum Abschluss Richard Galliano, Birélli Lagrène, Didier Lockwood: „The Magic Trio – Fellini‘s Music“.

Doch das Festival will auch eine Bühne für den Nachwuchs, für die Stars von morgen und übermorgen sein. Offbeat verdankt zu einem grossen Teil seinen Erfolg dem künstlerischen Leiter Urs Blindenbacher, der mit dem Basler Kulturpreis ausgezeichnet wurde. Mit dem Festival möchte sich die Stadt – wie Guy Morin sagt – weiter als vielfältige, attraktive Musikstadt etablieren.

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