Iranische Filmemacher auf der Berlinale

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Iranische Filmemacher auf der Berlinale

Von Journal21, Iran Journal - 21.02.2020

Anders als im vergangenen Jahr sind Filme von iranischen Regisseuren in fast allen Sektionen der Berlinale vertreten. Im Wettbewerb läuft „Es gibt kein Böses“ von Mohammad Rasoulof.

Unter der Leitung von Dieter Kosslik hatte die Berlinale unter Iranerinnen und Iraner den Ruf „iran­freund­li­cher“ Film­fest­spie­le.  Für Regisseure wie Jafar Panahi und Asghar Farhadi war das Filmfest das Sprungbrett auf die in­ter­na­tio­na­le Bühne, so die Meinung von Experten.

Seit 1974 waren Filme aus dem Iran oder von iranischen Filmemachern im Ausland auf dem in­ter­na­tio­nal bedeutenden Festival zu sehen. Der renommierte Regisseur und Dreh­buch­au­tor Sohrab Shahid-Sales erhielt 1974 für seinen Kinofilm „Tabiat bi jan“ (Das Stillleben) einen Silbernen Bären für die beste Regie.

Sechs Filme und ein Ju­ry-Mit­glied

Im diesjährigen Ber­li­na­le-Pro­gramm trifft man gleich mehrmals auf Iraner: Die Regisseure von sechs Kurz- und Lang­spiel­fil­men stammen aus dem Iran.

Der Spielfilm „Sheytan vojud nadarad“ (Es gibt kein Böses) konkurriert im Wettbewerb mit 17 Filmen um die Bären. Das Drehbuch für den 150 Minuten langen ira­nisch-tsche­chi­schen Film schrieb Regisseur Mohammad Rasoulof selbst. Laut Programmheft verhandelt „Sheytan vojud nadarad“ in vier Variationen die Themen moralische Kraft und Todesstrafe und stellt die Frage, wie sich individuelle Freiheit angesichts eines despotischen Regimes und scheinbar un­ent­rinn­ba­rer Bedrohungen behaupten kann. Regisseur Rasoulof kann vermutlich nicht nach Berlin reisen, da er bei den iranischen Machthabern in Ungnade gefallen und mit einem Aus­rei­se­ver­bot belegt worden ist.

In der Sektion Generation werden zwei Kurzfilme und ein Spielfilm aus dem Iran gezeigt. Der 14-minütige Film „Badbadak-ha“ (Die Pa­pier­dra­chen) von Payam Hosseini erzählt von einem Mädchen und drei Jungen im Teen­ager­al­ter, die in Kurdistan an der ira­nisch-ira­ki­schen Grenze leben. Einer der Jungen verliebt sich in ein Mädchen, das jenseits der Grenze lebt. Er versucht, mithilfe von Pa­pier­dra­chen mit ihr in Kontakt zu treten.

Der Kurzfilm „White Winged Horse“ von Mahyar Mandegar handelt von einem Mann, der vor vielen Jahren aus seiner vom Krieg bedrohten Heimatstadt geflohen ist und als Erwachsener zurückkehrt, um das Herz seiner Jugendliebe zu gewinnen. Doch in der Stadt herrscht Amnesie.

Der Lang­spiel­film „Yalda“ des iranischen Regisseurs Massoud Bakhshi, ein Ge­mein­schafts­pro­dukt von Deutschland, Frankreich, Libanon, Luxemburg und der Schweiz, ist ein Kammerspiel. In einer Rea­li­ty-TV-Show zum iranischen Yalda-Fest der Win­ter­sonn­wen­de sitzt die zum Tode verurteilte Maryam und  Mona, die für Maryam stets wie eine große Schwester war. Maryam lebte mit Monas Vater in einer Ehe auf Zeit. Angeblich hat sie ihn ermordet. Vor laufender Kamera und Millionen von Zuschauer*innen soll Maryam um Vergebung und ihr Leben flehen. „Auf eine reale, populäre iranische Sendung anspielend, wird das Fern­seh­stu­dio zur Bühne für ein Kammerspiel, das auch die sozialen Dimensionen hinter dem persönlichen Drama in den Fokus nimmt“, schreibt die Berlinale.

Szenenfoto – Der Spielfilm „Pari“
Szenenfoto – Der Spielfilm „Pari“

Forum

„Namo“ (The Alien) ist der erste lange Spielfilm des im Iran lebenden Regisseurs Nader Saievar. Der 93-minütige Film, der in der Sektion Forum läuft, erzählt vom Leben eines Lehrers, der in eine Stadt im kur­disch­spra­chi­gen Teil des Irans versetzt wurde. Zusammen mit seiner Familie versucht er, in der neuen Umgebung Fuß zu fassen. Doch die soziale Kontrolle macht ihm das Leben umso schwerer, je mehr er sich weigert, mit dem in fast allen Situationen erwünschten Op­por­tu­nis­mus zu agieren.

Panorama

In der Pan­ora­ma-Sek­ti­on wird der Film „Pari“ von dem ira­nisch-grie­chi­schen Regisseur Siamak Etemadi gezeigt. Das Spiel­film­de­büt ist auch eine Co-Pro­duk­ti­on – von Bulgarien, Frankreich, Griechenland und Holland. Über den 101-mi­nü­ti­gen Streifen schreibt die Berlinale: „Etemadis erster Langfilm erzählt in einem kon­zen­trier­ten Stadt- und Men­schen­por­trät von un­ter­schied­li­chen Kulturen, von Emanzipation, vom Erwachen eines politischen Bewusstseins und davon, dass es nie zu spät ist, den Mut in sich selbst zu finden.“

Und auch unter den Ju­ry-Mit­glie­dern der Berlinale sieht man einen iranischen Namen: Abbas Amini, Mitglied der in­ter­na­tio­na­len Jury von Generation 14plus. Amini war zuletzt 2016 als Regisseur des Kinofilms „Valderama“ auf den roten Teppich der Berlinale getreten.

Mit freundlicher Genehmigung: Iran Journal

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