“Ich betrüge dich in 3 Jahren”

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“Ich betrüge dich in 3 Jahren”

Von Daniel Woker, 05.04.2014

Rechtsnationales Geschwätz von Leuten, die Europa nicht kennen.

Am schweizerischen Aussenwirtschaftsforum stand die erfreuliche wirtschaftliche Situationder Exportindustrie im Mittelpunkt. Doch es ging auch um die drohnde politische Isolation der Schweiz. Durchgeführt wird das Forum jährlich vom halbstaatlichen Wirtschaftsförderer SGE.

Switzerland Global Enterprise (SGE) hilft schweizerischen Klein-und Mittelbetrieben KMU in Exportmärkten Fuss zu fassen. Umgekehrt setzt sich die Organisation für den Wirtschaftsstandort Schweiz ein.

Erfolgsmarke “Schweizer Qualität”

Dies mit Erfolg, wie am diesjährigen Aussenwirtschaftsforum in Zürich einmal mehr deutlich wurde. Jedes Jahr versammeln sich hier rund 500 KMU-Vertreter, um sich kennen zu lernen, Networking zu betreiben und um die Besten unter ihnen zu feiern. Der Swiss Export Award wurde dieses Jahr zwei Firmen verliehen: Habegger Events in Zürich und Sensible Technology SA in Morges. Immer wieder treten am Forum auch internationale und nationale Koryphäen auf, die versuchen, die wirtschaftliche Entwicklung vorauszusagen.

Souverän geleitet von SGE-CEO Daniel Küng und geistreich moderiert von Stephan Klapproth standen einmal die andauernd eindrücklichen Leistungen der schweizerischen Exportwirtschaft im Vordergrund. Mit Innovation, internationaler Verflechtung, hoher Anpassungsfähigkeit und der Anbindung an die noch hell funkelnde Erfolgsmarke ‘Schweizer Qualität’ - so lässt sich weiterhin erfolgreich wertschöpfen.

Powerfrauen

Dies ist das Fazit eines Unternehmer-Panels bei dem sich zwei Frauen einem Mann gegenübersassen. Bei den beiden weiblichen CEOs handelte es sich um Eva Jaislin von ‘Swiss Tools’ und Nicola Thibaudeau vom Bieler KMU Micro Precision Systems. Der Mann war Stephan Stoll von Stoppani AG. Das ist eine in der Nähe von Bern und in Malaysia produzierende hochspezialisierte Fertigungsfirma.

Die Reihe der Präsentationen durch Wirtschaftspowerfrauen wurde fortgesetzt von Isabelle Nüssli, Chefin der gleichnamigen Familienfirma. Dabei handelt es sich um eine der Weltmarktführerinnen für temporäre Event-Bauten,wie etwa das ‘House of Switzerland’ an den Olympischen Spielen in Sotschi und die Riesenarena in Kopenhagen, wo im Mai der Eurovision Song Contest stattfinden wird. Auch die SGE selbst wird präsidiert von einer Frau, Ex-Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold. Auch sie sieht, wie die Firma Stoppani, ‘Die Schweiz – auf zu neuen Welten’.

… wenn sie sich international ausrichtet

Hans Hess vertrat die Maschinenindustrie und Rolf Schweiger die Nahrungsmittelindustrie. Die beiden Verbandsvertreter sprachen zum Thema “Erfolgreich wertschöpfen: Wo steht die Schweiz 2030?” Auch sie kamen zum Schluss, dass sich die Erfolge der Marke Schweiz fortsetzen lassen – wenn die Schweiz innovative und anpassungsfähig bleibt und wenn sie sich international ausrichtet. Wenn…

Ja, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen Schweizerischer Wertschöpfung im In- und Ausland nicht ständig verschlechterten. Daniel Küng machte gleich zu Beginn der Tagungklar, dass damit in erster Linie der verhängnisvolle Volksentscheid vom 9. Februar gemeint ist.

Er sieht insbesondere zwei Faktoren, welche für schweizerische Unternehmen Gift sind: Unsicherheit und Imageverlust. Unsicherheit bei Investitionen in der Schweiz führt zu einem ‘brain drain’, einer Abwanderung von hochqualifizierten Fachkräften ins Ausland. Dabei handelt es sich um hier ansässige Ausländer und Schweizer. Zudem riskiert die Schweiz, die bisher als politisch stabil und voraussehbar galt, einen Imageverlust.

Wichtige Standortförderung

Bemerkenswert war, wie Küng zwei Argumente der Befürworter der Masseneinwanderungsinitiative zerzauste. Nein, schweizerische Standortförderung im Ausland könne und dürfe nun nicht aufgegeben werden. Unverständlicherweise macht sich auch ‘Avenir Suisse’ für eine solche Aufgabe stark. Standortförderung sei wichtig, allein schon deshalb, weil lediglich 4% der Arbeitskräfte-Zuwanderung direktauf die Ansiedelung von ausländischen Firmen zurückgehen. Die gesamte schweizerische Wirtschaft aber würde ohne den Innovationsgewinn solcher Ansiedelung schwer leiden.

Weiter gelte das Argument Arbeitsplatzverlust im Inland als Folge der Globalisierung für die Schweiz nicht. Erwiesenermassen sind mit Produktionsverlagerungen an kostengünstigere ausländische Standorte gerade KMUs in der Lage, in Forschung, Entwicklung - und damit spezialisiertere Produktion, d.h. neue Arbeitsplätze - in der Schweiz zu investieren. Auch das Wirtschafts-Leben ist oft komplexer als dies wohlfeile Abstimmungsparolen abzubilden vermögen.

Wird alles vorgespurt?

Komplexe wissenschaftliche Vorgänge, leicht fasslich dargelegt – das ist die grosse Spezialität des amerikanischen Quantenphysikers und Erfolgsauthors Michio Kaku (‘Physics of the Future’, ‘The Future of the Mind’). Kaku hielt das eindrückliche Keynote-Referat der Tagung. Seine Buchtitel sind Programm. Er sieht vier grundlegende Entwicklungswellen in den letzten 250 Jahren der Menschheitsentwicklung. Alle vier wurden von Physikern ausgelöst. Daher die ‘Physikwellen’ im Titel.

Auf die Revolution des Dampfantriebs folgte die Elektrizität. Dann vor 50 Jahren der Computer, der der vierten Welle, dem ‘Internet of Everything’ zusteuert. Kaku sieht für uns alles vorgerechnet und vorgespurt: unser Kaufverhalten , die medizinische Behandlung, die Freizeitbeschäftigung etc.

Kakus Grossvater kam als mausarmer Einwanderer aus Japan nach Kalifornien, seine Eltern wurden dort als ‘hostile aliens’ während des 2. Weltkrieges interniert. Auf die Erfolgsgeschichte des Aufstieges zu einem der hundert wichtigsten Persönlichkeiten der Welt angesprochen, meinte er zunächst mit Augenzwinkern, in dieser Liste werde erwohl bald von Lady Gaga verdrängt. Um dann aber ernsthaft weiterzufahren, dass allein das dem Westen zugrunde liegende Prinzip individueller Entfaltungsmöglichkeiten, wiewohl immer wieder in Frage gestellt, solche success stories möglich mache. In diesem Zusammenhang erwähnten Firmenvertreter, dass sie in nicht-westlichen Märkten mit dem grossen C-Problem konfrontiert sind: dem counterfeiting, Fälschungen und Patentverletzungen.

“Real existierende EU”

Traditionell tritt am Aussenwirtschaftsforum ein Vertreter des Bundesrates auf. Diesmal war es EDA-Staatssekretär Yves Rossier, der für den verhinderten Bundespräsidenten einsprang. Rossier blieb es vorbehalten, die Tagungsteilnehmer wieder auf die unmittelbare eidgenössische Bühne zurückzuführen.Statt der traditionellen und voraussehbaren Grussbotschaft richtete Rossier eine nachdenkliche “Warnbotschaft” an die Teilnehmer.

Der 9. Februar habe die schweizerische Position in Europa, aber auch anderswo, dramatisch verändert. Dass Kontingentierung von einreisenden Personen nicht unmittelbar, sondern erst in ein paar Jahren einzuführen ist, bedeutet etwa soviel wie “wennich meiner Frau sage, ich werde dich betrügen, nicht gleich aber sicher in den nächsten drei Jahren”. Allein damit ist Vertrauen zerstört.

Zu den Rednern gehörte ebenfalls Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Verbandschef der deutschen Unternehmer. Seit drei Jahren, so auch in Zürich, prophezheit er den unmittelbaren Untergang des Euro. Im Gegensatz zu ihm plädierte Rossier für mehr Realität in der Wahrnehmung der EU. Der Bundesrat werde alles daran setzen, den Verfassungsauftrag im besten Intresse des Landes umzusetzten. Dies kann und darf aber nur auf der Basis einer klaren Vision der real existiernden EU, nicht einem lediglich freihändlerischen Traumgebilde von EU-Kritikern erfolgen.

Die politische Schweiz wird, allein schon im Interesse des wirtschaftlichen Wohlergehens jedes einzelnen Schweizers, in naher Zukunft einige schwierige Entscheide zu fällen haben. Darunter wird aller Voraussicht nach auch ein Grundsatzentscheid über unserinstitutionelles Verhältnis zur EU sein. Alle Signale aus dem benachbarten und dem entfernteren Europa weisen kristallklar darauf hin, dass die Personenfreizügigkeit unverhandelbar ist. Alles andere ist im besten Falle inhaltsleerer: rechtsnationales Geschwätz von Leuten, die Europa nicht kennen.

Die müssten, so denke ich, GANZHEITLICH vorgehen.

The European peoples do not just co-exist in the Union, but we share a destiny in brotherhood and mutual tolerance. Dabei scheint mir wichtig, die multikulturellen Wurzeln zu beachten. Europa bräuchte vermutlich eher eine Unabhängigkeitserklärung. Ausgestellt in Brüssel und dann deponiert im Pantheon in Paris. Eine Kopie müsste noch unbedingt ins T E LL- Museum in die Schweiz. Tells zweiter Pfeil setzte ja damals den „foray raid`s“ und Unterdrückern ein beispielhaftes Ende! Europa fehlen unabhängige Think-Tanks die auf europäischem Kulturgut basieren und für die Interessen Europas und ihrer Nachbarländer arbeiten. Durch Einbezug derer spezifischen Situationen die Fähigkeit behalten, artgerecht zu agieren. Europawahlen müssten in Zukunft vor allem für ihre Jugend gut selektionierte Meinungsmacher hervorbringen, die auch in der Lage sind, die Hoffnungen dieser europäischen Jugend weitgehend zu erfüllen und das ohne Erpressung von Nicht-EU- Ländern. Die wartet nämlich!..cathari

Aber die EU wird in allernächster Zeit verhandelbar werden.

Wie nicht mehr zu überhören ist, nimmt das "rechtsnationale" Denken in allen EU-Ländern genauso zu wie in der Schweiz.
Da reichen es nicht mehr aus, wie in den letzten paar Jahrzehnten, einfach "Rechtsnational, Rechtsextrem oder gar Nazi" zu schreien - und alle Kritiker verstummen mit verschämt roten Köpfen.

Das so beliebte Totschlagargument für alle nicht politisch korrekten Meinungen scheint nicht mehr zu funktionieren.
Mittlerweile haben die EU-Befürworter Mühe den Bürgern zu erklären, wo die Vorteile dieses gigantischen Experimentes denn noch liegen sollten.
Die real existierende EU hat mit der ursprünglichen segensreichen Vision, welche den Bürgern versprochen wurde, rein gar nichts mehr zu tun.
Mühsame Zeiten für die wenigen Profiteure dieses Gigantismus - aber zumindest mal klarere Sicht auf die real existierende Fehlkonstruktion EU und die real existierenden Konsequenzen für die europäischen Bürger - und die Folgen davon für die ebenfalls auf dem Kontinent Europa liegenden Nachbarstaaten!
Was jetzt, wenn das böse "rechtsnationale Geschwätz", dass in Wahrheit nichts mit "Rechts" aber sicher viel mit nationaler Identität zu tun hat, plötzlich zum politisch korrekten Mainstream wird?

An Gast 7.4. 09:01 Uhr: Meine Antwort zu Ihrer Frage am Schluss ihres fragwürdigen Beitrages: Dann ist ein Hitler-Geist nicht mehr weit entfernt, mit Folgen, die eigentlich alle noch kennen sollten.
Behüte uns Gott !

Meine Erklärung:
Die Menschen haben genug vom penetranten Globalismus, weil sie erkannt haben das er für sie nur Nachteile bringt.
Existenzbedrohende Nachteile für viele und gigantische materielle Vorteile für wenige - und genau da fängt es immer an.
Anstatt das die Profiteure des Entgrenzten die zunehmende Unruhe der "Massen" ernstnehmen und respektieren, beleidigen und belächeln sie diejenigen, welche ihnen bis anhin doch letzlich die eigene überhebliche Existenz garantiert haben.
Damit forcieren sie den Zulauf zu den sogenannten rechts-populistischen Parteien.
Was dann geschehen kann wissen alle.
Dieses dekadente, uneinsichtige Fehlverhalten der Wirtschafts- und Polit-Eliten führt zur Eskalation in der Gesellschaft.
Es hilft nichts wenn man die Leute - die verzweifelt und wütend nach Auswegen aus ihrer, durch abgehobene Eliten verursachten, Notlage suchen - verächtlich als Rechtsnationale, Rechtsextreme und auch noch als dumm, blöd und unterbelichtet abqualifiziert.
Ganz falsch ist es zudem, wenn man sich anschliessend zurücklehnt und annimmt man hätte das Problem damit erledigt!
Es gibt millionen Menschen in Europa (und dem "Rest" der Welt) die sich missbraucht, nicht ernstgenommen fühlen, oder schlimmer: total verarmen, verhungern, in Kriegen verbluten.
Man kann ihre Angst, Wut und Verzweiflung doch nicht mit Schlagwörtern die ihren Zenit schon längst überschritten haben abqualifizieren. Das ist gefährlich.
Die Leute wollen nichts anderes als in Ruhe und Frieden ein Auskommen für sich und ihre Familien haben und zwar in einer überschaubaren Umgebung.
Dafür gehen sie arbeiten und zahlen Steuern. Den ganzen EU-Gigantismus und den globalen Wahnsinn wollen sie nicht, weil er sie entwurzelt, verwirrt und letzlich finanziell benachteiligt und der Willkür der Eliten ausliefert.
Gleichzeitig sehen sie nur zu deutlich, wie dieses aus dem Ruder gelaufene System die Eliten begünstigt.
Der jetzt zu beobachtende massive Zulauf von Wählern der in Europa die rechten, national ausgerichteten Parteien beglückt, zeigt den Verwaltern des jetzigen Systems den gestreckten Mittelfinger, nichts anderes.
Mich kann das nicht überraschen. Ein Extrem ruft das andere ins Leben und so landen wir wieder da, wo wir schon ein paarmal gewesen sind.
Die wirtschaftliche und politische Führung der Länder hätte die Möglichkeit die Spur zu wechseln, aber ihre Macht- und Profitgier verhindert das - wie immer.
Übrigens: Rechts - Mitte -Links - Extrem - oder was, ist völlig egal. Alle politischen Richtungen sind immer der bis anhin einzigen wirklichen Macht unterstellt: Dem Kapital.

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