Habemus tamtam

Kommentar 21's picture

Habemus tamtam

Von Kommentar 21, 14.03.2013

Der Chef einer weltumspannenden und von Skandalen erschütterten Organisation ist aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Jetzt wird in nordkoreanischer Geheimhaltungsmanier ein Nachfolger gesucht. Das Anforderungsprofil ist unerfüllbar. Sachlich und distanziert könnte über die Demission Benedikt XVI. und die Regelung der Vakanz berichtet werden. Aber nein: Auch die liberalsten und weltlichsten Medien interessieren sich für die vatikanischen Vorgänge wie untertänige Kirchenblätter, lassen sich von Glanz und Gloria blenden, stochern in Erwartung des weissen Rauches spekulativ im Nebel und füllen an die Adresse des neuen Papstes ihre Wunschzettel aus. Der falsche Eindruck entsteht, es sei die ganze Menschheit katholisch-konservativ und in der Lage, nicht nur die Wahl, sondern auch die künftige Amtsführung beeinflussen zu können. Mit diesem Ergebnis dürfen die römischen Meister der Massenregie wieder einmal hoch zufrieden sein. Die Fassade überstrahlt alles, was eigentlich mit Schärfe und Nachdruck zu erörtern wäre. Es ist leider voraussehbar, dass die Medien auch nach dem Habemus Papam die Propagandamaschine begeistert in Schwung halten und verzückt mit Text- und Bilderfluten der Hofberichterstattung huldigen. So reformbeflügelnd wie eine Hostie den Hunger stillt. Würden sich die Päpste fortan nach bloss einem Jahr fürs Altenteil entscheiden, hätte der Vatikan definitiv seine Ruhe mit der lästigen Kritik. (Alex Bänninger)

Ähnliche Artikel

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

@Marquard Imfeld

Streng katholisch erzogen, kenne ich diese Kirche. Ich mache sie, anders als viele Atheisten und Agnostiker nicht für alle Fehlentwicklungen des Abendlandes in den letzten beiden Jahrtausende verantwortlich und habe keine Probleme damit, gläubige Menschen nahezu jeder Konfession zu respektieren.

Aber sie hat massiv (in früheren Epochen teils mit brutaler Gewalt) versucht, die vollkommene Herrschaft über Denken und Fühlen der Menschen zu gewinnen. Ein Zeremoniell, das an absolutistische Zeiten erinnert, und der entfaltete Pomp sind eindrucksvolle Mittel dazu – die jedoch zum Widerspruch reizen. Besonders, wenn der Anspruch nicht hält, was er verspricht.

Schon Heine schrieb:

„Sie sang vom irdischen Jammertal, von Freuden, die bald zerronnen, vom Jenseits, wo die Seele schwelgt, verklärt in ewigen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied, das Eiapopeia vom Himmel, womit man einlullt, wenn es greint, das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, ich kenn' auch die Herren Verfasser; ich weiss, sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser.“

Eine Religion, deren Gott, laut Evangelien den Nichtgläubigen und Andersgläubigen:

„ewige Hölle und Verdammnis“: Matthäus7,13; 23,33; 29-30; 10,28 Lukas16,23;12,5

„Heulen und Zähneknirschen“: Matthäus (8,12; 13,42; 13,50; 22,13; 24,51: 25,30 sowie Lukas 3,28

androht, muss heutzutage soviel abweichende Meinung akzeptieren können.

Dieser Artikel von Alex Bänninger über die Wahl des neuen Hl. Vaters ist ein primitivster Erguss über die katholische Kirche. Herr Bänninger beleidigt gläubige Katholiken. Ich wundere mich, dass Journal21 solchen Abfall publiziert - dies wirft ein sehr negatives Bild auf Journal21.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren