Googles neue Suchmöglichkeiten

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Googles neue Suchmöglichkeiten

Von Stephan Wehowsky, 09.12.2010

Die Suchmaschine Google wurde in den vergangenen Jahren stetig weiter entwickelt und den interaktiven Möglichkeiten des Web 2.0 angepasst. Damit bieten sich differenzierte und effiziente Recherchemöglichkeiten, die man sich bis vor wenigen Jahren nicht hätte vorstellen können.

Das Internet hat seine Ausrichtung in den vergangenen Jahren vollständig verändert. Nachträglich wurde dafür der Begriff „Web 2.0“ von Eric Knorr, Chefredakreur von InfoWorld, geprägt. Die neue Ausrichtung besteht darin, dass das Netz nicht mehr allein als Speicher von Daten dient, sondern jetzt eine Vielzahl interaktiver Möglichkeiten bietet. Am bekanntesten sind die Wikipedia, die durch die Nutzer stetig erweitert und aktualisiert wird, und die sozialen Netzwerke wie Facebook, XING oder Twitter.

Daneben gibt es zahllose Plattformen, auf denen die Nutzer eigene Bilder oder Fotos platzieren können. Und nicht zu vergessen die Blogs, die jedem die Möglichkeit bieten, eigene Gedanken und Meinungen für andere abrufbar ins Netz zu stellen. Das Internet ist nicht nur zu einem gigantischen Marktplatz geworden, sondern auch zu einem öffentlichen Raum, der in einem bislang noch nicht gekannten Masse Möglichkeiten zur Kommunikation für jeden bietet.

Eine neue Internet-Welt

Die bekannteste Suchmaschine ist Google. Ihre Betreiber haben sie nach und nach verfeinert und auf die neue Welt des Web 2.0 abgestimmt. Wie das Web 2.0 verändert auch Google unsere Zugänge zu Wissen aller Art. Allerdings ist dazu eine Kenntnis der vielen Instrumente, die Google in seinen Erweiterungen anbietet, erforderlich. Allzu leicht werden sie übersehen, denn die Suchmaske auf der Startseite verführt dazu, einfach Suchwörter einzugeben, und das war`s dann schon.

Schaut man allerdings nicht nur auf die Suchergebnisse, sondern auf eine Leiste, die sich links mit der Anzeige der ersten Suchergebnisse öffnet, steht man schon an der Schwelle der neuen Internetwelt. Denn hier werden neben Bildern und Videos auch Bücher, Blogs, News und Diskussionen zu dem eingegebenen Suchbegriff angeboten. Um das Ganze zu filtern, kann man weiter unten bestimmen, aus welchen Zeiträumen die Ergebnisse angegeben und ob sie nach Relevanz oder nach Aktualität geordnet werden sollen. So etwas war bis vor wenigen Jahren kaum vorstellbar: Mit wenigen Klicks befindet man sich mitten in aktuellen Diskussion zum ausgewählten Thema.

Die anderen Möglichkeiten verbergen sich hinter dem trockenen Begriff „Erweiterte Suche“ neben dem Eingabefeld. Klickt man darauf, öffnet sich ein neues Fenster mit einer Eingabemaske, die unterschiedliche Optionen bietet. Die erste Option heisst „mit allen Wörtern“, bietet also das, was man früher mit Anführungszeichen erreicht hat.

Gibt man zum Beispiel „Schweizer Bürger“ ein, dann werden eben nur Seiten mit „Schweizer Bürger“ angezeigt und nicht alle möglichen „Schweizer“ und „Bürger“. Bei der Eingabe von mehreren Suchbegriffe kann man bestimmen, ob sie tatsächlich nur in der eingegebenen Reihenfolge berücksichtigt werden sollen. Man kann das Ganze aber auch als beliebig deklarieren. Und man kann Worte angeben, die ausdrücklich nicht berücksichtigt werden sollen.

Sensationelle Zeitleiste

Unter „Mehr Optionen“ findet man auch „verwandte Suchbegriffe“. Diese Vorschläge können von grossem Nutzen sein. Klickt man auf „Wunderrad“, so öffnet sich eine Darstellung, in der das eingegebene Suchwort gewissermassen die Nabe bildet, die rundherum mit verwandten Suchwörtern umgeben ist. Das dient der Übersicht. Unter dem Begriff „Wunderrad“ befindet sich die „Zeitleiste“. Und die ist sensationell. Denn wenn man die anklickt, erscheint eine Statistik, die darstellt, wann der gesuchte Begriff wie oft verwendet worden ist, soweit dies in den von Google erfassten Dokumenten seinen Niederschlag gefunden hat. Diese Auflistungen reichen weit zurück und können bis in die Antike gehen, wenn man Begriffe eingibt, die sich in der antiken Literatur finden. Daran zeigt sich das Prinzip von Google. Alle Bücher, die Google inzwischen erfasst hat, werden eben auch durchsucht.

Daher bietet die Zeitleiste noch mehr als Statistik. Man findet eine Vielzahl von Zitaten, die einem bei der weiteren Recherche helfen oder sich in Präsentationen gut machen. Und wenn man für seine Präsentation Bilder benötigt, kann man links die Option „Websites mit Bildern“ anklicken.

Auch fragwürdige Möglichkeiten

Eine etwas fragwürdige Angelegenheit ist ein Angebot, das man rechts oben bei Google findet: „Sucheinstellungen“ bzw. „Anmelden“. Wenn man sich bei Google mit Namen und E-Mail-Adresse registriert, kann man die Sucheinstellungen noch weiter individualisieren bzw. Google ermöglichen, das eigene Suchverhalten zu analysieren und abzuspeichern. Dadurch können die eigenen Recherchen effizienter werden, aber gleichzeitig erlaubt man Google, noch ein weiteres Profil eines seiner Nutzer anzulegen.

Es gibt weitere Dienstleistungen von Google, von denen man allerdings wissen muss, um auf sie zu stossen. So bietet Google einen Übersetzungsdienst in 52 Sprachen in jeweils zwei Richtungen an, http://translate.google.com/. Man kann diese Seite auch so einstellen, dass sie die zu übersetzende Sprache eigenständig erkennt. Die Erwartungen sollte man aber nicht zu hoch schrauben. Dieser Übersetzungsdienst ist extrem nützlich, wenn es sich um einfache Formulierungen handelt, die man zum Beispiel in einem Geschäftsbrief findet oder benötigt. Wird es komplizierter, kommt ein ziemliches Abrakadabra heraus.

Mit http://scholar.google.ch/ erreicht man eine Suchmaschine, die in Zusammenarbeit mit zahlreichen Fachverlagen entstand. Google Scholar durchsucht zahlreiche wissenschaftliche Server. Mit etwas Glück gelangt man mühelos zu Quellenangaben und Zitaten. Kritiker bemängeln allerdings, dass die Zuverlässigkeit bislang zu wünschen übrig lässt. Man kann also nicht ganz sicher sein, die wirklich relevanten Angaben zu finden.

Online-Einblick in Bücher

Viel Freude macht wiederum http://books.google.ch. Es ist schier unglaublich, was man dort alles findet und online abrufen kann. Man muss allerdings damit leben, dass von den Bücher in der Regel nur Ausschnitte online gelesen werden können. Immerhin sollen Autorenrechte geschützt werden.

Noch im Aufbau begriffen ist http://www.google.com/publicdata. Hier findet man jetzt schon viele nützliche Daten, die nach aller Kunst der Statistik und visuellen Darstellung aufbereitet sind. Aber es ist wie in einem Kaufhaus: Art und Anzahl der angebotenen Produkte sind beeindruckend, nur dass man gerade das spezielle Produkt, nach dem man sucht, nicht findet.

Verblüffend ist http://www.google.com/patents. Auf dieser Seite findet man 7 Millionen Patente weltweit. Die Darstellungen enthalten die relevanten Grafiken bzw. Zeichnungen und genaue Beschreibungen. Wer sich für technische Details interessiert, betritt hier ein Schlaraffenland.

Ganz im Sinne der Interaktivität bietet Google einen Service für Dokumente an, Google Docs, http://www.google.com/google-d-s/intl/de/tour1.html. Problemlos kann man hier Textdokumente und Tabellen erstellen und mit anderen Nutzern teilen. Für solche Zwecke gibt es inzwischen auch andere ebenfalls kostenlose Plattformen. Es ist typisch für Google, dass die Betreiber sich diesen Aspekt des Netzes aber auf keinen Fall entgehen lassen wollten.

Ähnlich wie Skype

Mit Google Voice, http://www.google.com/googlevoice/about.html, ist Google dabei, den Telefonmarkt zu erobern. Ähnlich wie Skype bietet Google kostenlose Internettelefonie mit oder ohne Video, Zugriff auf Festnetzanschlüsse und Mobiles. Das Angebot geht aber noch weiter. Sprachliche Mitteilungen sollen bei Bedarf in Texte verwandelt und per SMS oder E-Mail versendet werden können. Dazu kommt eine automatische Übersetzung in ca. 50 Sprachen. Zumindest die Grundfunktionen der Telefonie funktionieren schon in den USA.

In Europa sind sie noch nicht abrufbar. Man kann sich aber bei Google in den USA abmelden und einen Account erstellen. Damit aber ist eine Registrierung verbunden, die es Google erlaubt, ein Nutzerprofil zu erstellen, wie das auch bei den personalisierten Einstellungen der Google-Suchfunktionen der Fall ist.

Kommentare

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Wow, ich bin beeindruckt! Da hat sich ein Journalist tatsächlich die Zeit und Google etwas genauer unter die Lupe genommen. Auch kommt im Beitrag kein einziges Mal der angeblich drohende Demokratieverlust wegen "diesem Internet" vor. Chapeau.

Was mich aber doch zum Nachdenken anregt, ist das der Recherchearbeit zugrunde liegende, tiefgreifende Nichtbeherrschen der Kulturtechnik Internet. Schlimm. ich befürchte, dass dies nicht die Ausnahme, sondern die Regel darstellt.

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