Gegen Kleine ganz gross

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Gegen Kleine ganz gross

Von René Zeyer, 16.07.2014

Keine Überweisungen mehr an Schweizer Kinder-Hilfsorganisation plus Konto gekündigt: Der neuste Kniefall der Grossbank vor den USA.

Kunden verraten, Mitarbeiter verraten, Milliarden-Bussen zahlen. Während Bonus-King und CEO Brady Dougan sowie Tauchstation-VR-Präsident Urs Rohner am Sessel kleben und angeblich «eine weisse Weste» haben. In all dem Schlamassel bleibt noch Zeit, sich auch um Kleines zu kümmern.

Kleiner Vogel Zunzún

Das ist der Name des kleinsten Kolibris der Welt, und so heisst eine Schweizer Hilfsorganisation, die seit 2002 mit Hilfe zur Selbsthilfe Kindern eine bessere Lebensperspektive und Erfolgserlebnisse verschafft. Politisch und konfessionell neutral, gemeinnützig, mit dem Zewo-Gütesiegel versehen, beim grössten Projekt von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes (Deza) unterstützt. Und natürlich von Spenden existenziell abhängig.

Die flossen in den vergangenen Jahren auch erfreulich. Erst vor Kurzem spendeten die internationalen Internatsschüler des Lyceum Alpinum Zuoz die gesamten Einnahmen aus ihrem Adventsmarkt, Theateraufführungen und einem errungenen Preisgeld an Zunzún. Immerhin 12'000 Franken.

«Credit Suisse hat sich zu höchsten ethischen Grundsätzen und zur Erfüllung sämtlicher regulatorischer Grundsätze verpflichtet.» Das wären eigentlich zwei Gründe, um Zunzún mit der Kontoführung und der reibungslosen Abwicklung von Spendenüberweisungen zu unterstützen. Für die CS sind das aber zwei Gründe, um Geldtransfers von CS-Konten zu verbieten und Zunzún auch noch nach 12 Jahren das Konto zu kündigen. Denn das Hilfswerk kümmert sich – um kubanische Kinder.

Die reale Welt

Die USA bestrafen die letzte Insel des Sozialismus seit mehr als 50 Jahren mit einem absurden Handelsembargo. Kein Land der Welt, natürlich auch nicht die Schweiz, hat sich dem angeschlossen. Deshalb sind Reisen nach Kuba, Handel mit Kuba, Geldüberweisungen nach Kuba und natürlich auch Entwicklungsprojekte in Kuba völlig legal. Solange dabei keine US-Dollar verwendet werden.

Überweisungen innerhalb der Schweiz in CHF von einem Konto auf ein anderes sind in ihrer Legalität gar nicht zu überbieten; mit oder ohne Zusammenhang mit Kuba. Aber bereits 2009 musste die CS eine Busse von 536 Millionen Dollar zahlen. Weil sie «bewusst und willentlich gegen US-Sanktionsregeln verstossen oder diese zu umgehen versucht» habe, wie die Bank kleinlaut einräumte. Inzwischen ist die Bank völlig eingeknickt, sie «führt keine Zahlungen aus, die von sanktionierten Ländern oder Parteien kommen, an solche gehen oder sonst einen Bezug zu solchen haben» und verweist zudem auf das «Settlement» von 2009.

Ethische Grundsätze

Die CS vergisst aber zu erwähnen, dass sie 2009 wegen Umgehung des Dollar-Embargos gebüsst wurde. Sie ist auf Aufforderung nicht in der Lage, auf eine Bestimmung in den US-Sanktionsreglementen zu verweisen, die eine Inland-Spendenüberweisung in CHF oder die Kontoführung in der Schweiz unter Strafandrohung stellen würden.

Einfacher Grund: In den kafkaesken Ausführungsbestimmungen der US-Sanktionsbehörde «Office for Foreign Asset Control» (Ofac) existiert ein solches Verbot gar nicht. Denn nicht einmal die rechtsimperialistischen Amis würden sich (zurzeit) trauen, einem Schweizer vorzuschreiben, an wen er in der Schweiz eine Frankenüberweisung durchführen darf – und an wen nicht. So viel ethische Grundsätze haben selbst die USA.

Kleine Welt

Hilfsorganisationen wie Zunzún sind auf Spenden angewiesen. Nicht nur die CS, unter anderen auch die UBS oder die Staatsbank ZKB führen keine Überweisungen mehr aus, wenn sie mit Kuba in Verbindung stehen. Um gut Wetter bei den USA zu machen und in der Hoffnung, dass so die nächste Busse vielleicht etwas gnädiger ausfalle.

Es geht hier nicht darum, was man von Kuba und dem dort herrschenden Regime hält. Zunzún arbeitet auch nicht mit staatlichen Behörden zusammen, sondern mit freiwilligen lokalen und Schweizer Helfern. Den Erfolg der Arbeit kann jeder überprüfen, der das marginalisierte und mit vielen Problemen kämpfende Quartier La Timba in Havanna besucht. Da geht einem das Herz auf, und viele Schweizer Touristen, die ich dorthin führte, öffneten anschliessend auch das Portemonnaie.

Wenn sie aber eine Spendenüberweisung an Zunzún veranlassen wollen, bekommen sie nicht nur von der CS die Antwort: Konnte nicht ausgeführt werden. Sie müssen sich mit einem Einzahlungsschein auf die Post bemühen, wohin Zunzún sich gerettet hat. Postfinance führt weiterhin Überweisungen nach Kuba und selbstverständlich auch innerhalb der Schweiz bezüglich Kuba aus. Weil es völlig legal ist, solange keine Dollar verwendet werden.

Qualifikation und Wertung

Leider setzen rechtliche Überlegungen gewisse Grenzen, wie dieses Verhalten der Bussen-Bank Credit Suisse, schuldig krimineller Verfehlungen und auch sonst imagemässig nicht gerade bestens aufgestellt, zu bewerten ist. Kläglich, widerwärtig, armselig, allen so gerne zitierten «höchsten ethischen Grundsätzen» Hohn sprechend, fällt mir da ein. Weitere Qualifikationen überlasse ich dem Leser. Der bitte auch bei Kommentaren unsere Mithaftung als Publikationsorgan beachten möge.

Die Schweiz hat aufgehört ein souveräner Staat zu sein und hat sich in den europäischen Bananenrepubliken- Verband eingegliedert. Mit dem Unterschied, dass wir uns selber demolieren, da es niemand merkt so lange wir noch vom Geld aus seriöseren Tagen zehren können, also es wirtschaftlich gut geht. Die Folgen des Einknickens werden wir bald mit einer gesalzenen Rechnung präsentiert bekommen, welche uns ärmer machen wird!

In diesem Zusammenhang immer wieder lesenswert: "Hurra, wir kapitulieren - Von der Politk des Einknickens" Man mag über den Autor, Henryk Broder, unterschiedliche Meinungen haben. Aber diese Beschreibung des grenzenlosen Appeasement, geschrieben 2006, ist nach wie vor brandaktuell.

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