Gebannter Blick auf Japans Kernkraftwerke

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Gebannter Blick auf Japans Kernkraftwerke

Von Heidi Blattmann, 13.03.2011

Gut zwei Tage, nachdem ein verheerendes Erdbeben vor der Ostküste Japans unglaubliches Leid über das Land gebracht hat, kann über das Ausmass der Zerstörung erst gemutmasst werden.

Nicht nur zählt das Beben laut dem US Geological Survey mit einer Magnitude von 8,9 zu den sieben stärksten historischen Erdbeben der letzten Jahrhunderte überhaupt – stärkere werden einzig für das Jahr 1960 in Chile (Magnitude 9,5), für 1964 in Alaska (9,2), für 2004 vor Sumatra (9,1) und mit je einer Magnitude von 9 für 1868 wiederum im heutigen Chile sowie das Jahr 1700 an der amerikanischen Westküste aufgelistet. Selbst das berühmte grosse Erdbeben, das 1923 weite Teile Tokios und Yokohamas zerstörte und über 142 000 Tote forderte, hatte mit einer Magnitude von 7,9 eine deutlich geringere Stärke.

Das Erdbeben vom Freitag brachte, wie manch andere grosse Beben, auch einen verheerenden Tsunami mit sich; er spülte kurze Zeit nach der Erschütterung rund 130 Kilometer östlich der Millionenstadt Sendai mit bis zu 10 Meter hohen Wellen ganze Dörfer und Stadtteile weg. Und noch ist die Gefahr keineswegs gebannt. Die starken Nachbeben, von denen in den letzten 48 Stunden Dutzende erneut eine Magnitude von 6 und mehr erreichten und allenfalls weitere Flutwellen könnten zum Teil beschädigte Bauten noch vollends zusammenstürzen lassen. Die Versorgung mit Elektrizität und Wasser sowie die Telefonnetze sind vielerorts zusammengebrochen.

Unabsehbare Folgen

Klar ist jedoch heute schon, dass das Ereignis nicht nur Japan vor kaum zu bewältigende Aufgaben stellt und zu physischen Erschütterungen der Erdkruste rings um den Globus geführt hat, sondern auch menschlich und wirtschaftlich noch nicht einzuschätzende Folgen nach sich ziehen wird. Auch werden die Probleme, zu denen das Beben und die anschliessende Flutwelle in den Nuklearanlagen führen, einen weltweiten Nachhall haben. Rings um den Globus verfolgt eine interessierte Öffentlichkeit, die über Live-Sendungen die Not der japanischen Bevölkerung hautnah miterlebt, auch die Bemühungen, Klarheit über die Situation in den beschädigten Anlagen zu gewinnen.

Vor allem gilt es, die Kühlung in den beschädigten Kraftswerksblöcken der mehrere Dutzend Kilometer südlich von Sendai am Meer gelegenen zwei Nuklearparks von Fukushima soweit sicher zu stellen, dass es nicht zu einer Kernschmelze mit der Freisetzung grosser Mengen von Radioaktivität kommt. Der Tsunami hatte laut den Meldungen der Internationalen Atomenergieagentur in Wien nämlich nur kurz nach dem Beben im Komplex Fukushima 1 die für die Kühlung wichtige Notstromgeneratoren lahm gelegt. Die japanischen Behörden schlossen am Sonntag eine Beschädigung der Reaktorkerne im Block 1 und 3 nicht aus. Sie erklärten, sie könnten diese nicht genau prüfen, würden jedoch bei ihren Massnahmen von diesem Szenario ausgehen.

Kein Tschernobyl

Eine teilweise Zerstörung des Reaktorkerns führt allerdings noch nicht notwendigerweise zu katastrophalen Freisetzungen von radioaktiven Stoffen, wie der Störfall 1979 im amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island gezeigt hat. Und ein Szenario, wie es 1986 sich in Tschernobyl abgespielt hat, ist nicht zu erwarten. Dort war ein ganz anderer Reaktortyp im Einsatz, der grosse Mengen Graphit enthielt, welcher zu brennen begann und zusammen mit einer Explosion grosse Teile des radioaktiven Inventars in die Höhe beförderte.

Dennoch hat die Naturkatastrophe in Japan zu einer höchst beunruhigenden Situation in einzelnen Kernkraftwerken geführt. Ob und wie sie unter Kontrolle gebracht werden kann, ist noch offen und nicht allein für die japanische Bevölkerung von eminenter Bedeutung. Die Geschehnisse und der Erfolg oder Misserfolg der Spezialisten bei deren Bewältigung dürfte auch die Zukunft der Kernenergie entscheidend beeinflussen. Bereits die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hatte die Branche weltweit in eine lang anhaltende Krise gebracht, obwohl damals nicht nur argumentiert werden konnte, dass es sich beim Tschernobyl-Reaktor um eine völlig andere Bauart handle als bei den im Westen üblichen Reaktoren, sondern auch, dass zahlreiche Mängel bei der Sicherheitskultur ein derartiges Ereignis begünstigt hätten.

In Japan dagegen geht es nun um dieselben Reaktortypen, wie sie auch in Europa und den USA in Betrieb sind - in der Schweiz zum Beispiel gleicht die Anlage in Mühleberg jenen der betroffenen Reaktoren in Fukushima. Und Japans Kernkraftwerksbetreiber haben immer wieder ihren hohen technischen Sicherheitsstandards betont. Zudem gehört das stark technisierte Land zu den Industriestaaten mit den ambitiösesten Ausbauplänen im Nuklearsektor. Und japanische Firmen haben sich in den letzten Jahren an vorderster Front als Kraftwerkslieferanten für eine neue Ära der Kernenergie global in Stellung gebracht. Das, was man jetzt am Bildschirm sieht, spielt sich also in einem modernen, hochtechnisierten Land mit einer ausgebauten Katastrophenvorsorge ab.

Die Geschehnisse der nächsten Tage in den Kernkraftwerken am Rande des Pazifiks und die Art deren Bewältigung werden daher die Zukunft der Kernenergie auch bei uns nachhaltig beeinflussen, auch wenn sich hier zurzeit niemand vor stark strahlendem radioaktivem Fallout zu fürchten braucht. Und die Kombination eines Erdbebens mit einem Tsunami an den meisten Standorten Europas nicht möglich ist.

Entscheidend wird dabei nicht nur sein, dass die Störfälle unter Kontrolle bleiben – was vor allem der lokalen Bevölkerung dringlichst zu wünschen ist -, sondern dass die Information trotz den grossen Herausforderungen transparent, rasch und ehrlich erfolgt. Das ist in Japan nicht selbstverständlich, gab es hier in den letzten Jahrzehnten doch immer wieder Pannen und auch skandalöse Vertuschungsmanöver bei deren Aufklärung.

Erklärung ...CO2 ist 1,5 mal schwerer als Luft darum in Bodennähe sinkend und nicht aufsteigend.

Ich weis nicht wie es euch geht, aber was ich von den meisten Politikern im Moment zu hören bekomme, ist tiefe Betroffenheit. Gleichzeitig signalisieren sie aber auch schon dass Kernkraft alternativlos sei. Da reden sie von Restrisiko und bemühen Flugzeugabstürze und Staudammbrüche und sonst was.Verstehen sie es einfach nicht? Eine Reise in die Umgebung von Tschernobyl würde ihen gut tun. Restrisiko bedeutet hier totales Risiko mit Ausfall von ganzen Landstrichen über hunderte von Jahren unbewohnbar, Krankheiten,Siechtum und Tod inbegriffen.Glauben wir jemanden der russisches Roulette spielt dass er oder sie unsere Kinder und uns beschützen wollen. In Ländern wo der Anteil der Kernenerie 30% beträgt wird sie wohl ersetzbar sein oder nicht? Bei 80%, wie in Frankreich wird es dann sehr viel schwieriger. Dort zeigt sich aber auch wie in der Vergangenheit eine mit "durch mich regieren die Könige " Politik am Werk war. Naturkatastrophen wird es immer geben und ihre Ausmasse sind genau so unberechenbar wie die Sicherheit der Kraftwerke.Was sie, die Politiker uns zu bieten haben, ist die Aufrechterhaltung eines relativ bescheidenen Wohlstands im Vergleich zur erbrachten Leistung der letzten fünfzig Jahre.Die CO2 Lüge kommt noch dazu.Genau wie in der katholischen Kirche wird uns Schuld zugewiesen um dann abzukassieren.Anteile der Atmosphäre: Stickstoff 78% Sauerstoff 21% Argon 0,9% CO2.......0,038% ( dazu kommt noch,in Bodennähe sinkend ) Es gibt zur Kernenergie Alternativen, aber man müsste sie wollen! Ein neues AKW kostet etwa zehn Milliarden ohne spätere Entsorgungsgebühren,stellt euch vor was mit soviel Geld an anderen Formen der Energiegewinnung zu realisieren wäre. 12´000 Tonnen hochradioaktive Abfälle warten weltweit zur Zeit auf ein Endlager und das seit Jahrzehnten. Was vererbt ihr da euren Kindern? Ich weis, so lange es Billigflüge nach Grand Canaria gibt wollt ihr es nicht wissen und überhaupt Lifestylleben ist die schönste Form des Überlebens....und eure Kids?

Sie schreiben "Entscheidend wird dabei nicht nur sein, dass die Störfälle unter Kontrolle bleiben" Und schon ist gar nichts mehr unter Kontrolle, die Strahlung so hoch, dass kein einziger Mensch mehr im Unglücksort arbeiten kann. Wird jetzt gerade in den Nachrichten verkündet.

Die Intelligenzia hat gewusst, dass dort Tsunamis möglich sind und Atomkraftwerke praktisch ans Meer, auf Höhe des Meeresspiegels gebaut. Wenn die wenigstens 50 Meter über Wasserspiegel wären. Sind die Ingenieure so arrogant, die Regierung so Ignorant, dort zu bauen? Oder wollten die auch einige Millönchen sparen? Koste es Milliarden? Sind unsere KKW Erbauer und die Bewilligungsbehörden etwas bescheidener, die Natur mit ihren Vorgängen und Kräften akzeptierender? Das können wir nur hoffen. Bescheidene werden tatsächlich nie reich und in unserem Sinne erfolgreich, aber eben auch nicht so unverantwortlich.

Realität ist jener unangenehme Zustand, der nach dem verschwinden von Übermut und Hochmut zustande kommt.....Leider. Nur die Natur.... ist nicht beherrsch oder verhandelbar. Was Menschen so alles machen, schon!

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