Euro: Pest oder Cholera

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Euro: Pest oder Cholera

Von René Zeyer, 05.06.2012

Wer glaubt noch im Ernst, dass wir bloss einen vorübergehenden Schwächeanfall des Euro erleben? Für alle anderen: Es gibt nur zwei Optionen für den Franken.

Es wird immer klarer: Das Festhalten an einer Untergrenze des Franken zum Euro ist die Entscheidung für Pest und Cholera. Eine starke und gesunde Währung verklammert sich mit einer schwachen und kranken. Das Schicksal des Frankens wird bestimmt durch die Agonie des Euro. Ein Gesunder akzeptiert die Bluttransfusion eines Aidskranken. In der Hoffnung, dass seine Antikörper schon stark genug seien, um das zu überleben. Absurd. Aber Realität.

Zwei Optionen

Wie bei einem Staatsbankrott, vor allem, wenn er hinausgezögert wird, gibt es bei einer fundamentalen Währungskrise keine Wahl mehr zwischen gut oder schlecht. Sondern nur mehr zwischen schlimm und weniger schlimm. Nichts tun ist hingegen zweifellos das Allerschlimmste. Wenn die Schweizerische Nationalbank (SNB) endlich davon abgeht, tapfer und finster die Entschlossenheit zu verkünden, die Untergrenzen von 1.20 zum Euro zu verteidigen, wären wir schon einen Schritt weiter. Neben Pipifax wie Kapitalverkehrskontrollen, einer schrittweisen Aufwertung des Frankens oder Träumen von einem Staatsfonds, der etwas Sinnvolles mit den Multimilliarden Euro anfangen sollte, gibt es nur zwei wirkliche Optionen. Sofortige Freigabe des Wechselkurses und/oder Festlegung eines Wechselkurses unter Aufhebung der Devisenmärkte.

Die drei Stärken der SNB

Eine Nationalbank kann als einzige Bank der Welt zwei Dinge tun. Sie bestimmt, wie viel Geld es von einer Währung gibt. Und sie kann den Aussenwert dieser Währung festlegen. Die Geldmenge stellt sie mit ein paar Tastenklicks her. Drückt sie zu fest auf die Tasten, kann sich eine merkliche Inflation entwickeln. Der freie Handel von Währungen auf Devisenmärkten ist kein Naturgesetz. Feste Wechselkurse gab es schon lange und häufig, es kann sie auch wieder geben. Und schliesslich legt eine Nationalbank fest, wie hoch der Preis von geliehenem Geld ist, das bestimmt sie mit dem Leitzins, von dem die Kreditzinsen im normalen Geschäftsverkehr abhängen. Normalerweise werden diese drei Instrumente vorsichtig, millimeterweise und auf lange Sicht angewendet. Aber man kann nicht behaupten, dass die aktuelle Situation normal wäre.

Preis des Nichtstuns

Ganz kurzfristig hat die Fortsetzung der Verteidigung einer Untergrenze für die Schweizer Exportindustrie und die Schweizer Wirtschaft insgesamt sicherlich Vorteile. Es existiert Handlungssicherheit, es gibt keine Pleiten, keine sprunghaft steigende Arbeitslosigkeit, keine Wirtschaftskrise. Wie sinnvoll die Fortsetzung einer solchen Politik ist, zeigen zwei banale Fragen: Welchen Preis wird die Schweiz zahlen müssen, wenn dafür 200, 300, 500 Milliarden potenziell wertlos werdende Euro mit weiterhin gültigen Franken gekauft werden? Und wie genau soll sich der Franken dem Aufwertungsdruck entziehen, wenn er immer mehr zur Fluchtwährung wird? Nein, nicht für Schwarzgeld, sondern für Anlagen, die in Sicherheit gebracht werden. Nicht von reichen Individuen, sondern von institutionellen Anlegern wie Pensionskassen zum Beispiel. Es kann da wohl nicht richtig sein, die eigene Stärke durch die Anbindung an fremde Schwäche zu verspielen.

Pest oder Cholera

Es zeichnet sich immer deutlicher ab: Fällt den grossen Denkern und Lenkern in Brüssel, aber auch in Washington und Tokio, nicht bald etwas Sinnvolles und Bedeutendes ein, hat die Schweiz, in erster Linie die Schweizer Währung, nur mehr die Wahl zwischen Pest und Cholera. Eines von beidem wird es wohl sein. Aber immerhin, das ist immer noch besser, als sich für Pest und Cholera zu entscheiden. Und genau das ist eine Fortsetzung der bisherigen Währungspolitik. Denn wenn es sich nicht um einen vorübergehenden Schwächeanfall des Euro handelt, wird auf jedem zum Kurs von 1.20 gekauften Euro früher oder später ein Verlust anfallen, der im besten Fall einem Prozentsatz entspricht, im schlimmsten dem Totalschaden. Aber schon Prozente tun sehr weh. Ein Wertverlust auf 250 Milliarden Euro von 10 Prozent entsprechen bereits 25 Milliarden.

Kühle Rechnung

Was also von Finanzanalysten geleistet werden müsste, wäre eine kühle Aufstellung, welche Verluste durch die Fortsetzung der jetzigen Politik anfallen können. Und welche Verluste durch eine Aufgabe der Untergrenze und/oder einer Festlegung eines festen Wechselkurses. Sollte doch eigentlich nicht zu schwer sein. Von einer Illusion muss man sich aber trennen: Gewinner wird es nicht wirklich geben. Ausser, wie immer, den Spekulanten, die aufs richtige Pferd gesetzt haben. Aber deren Gewinne sind ja auch nur die Verluste von anderen Spekulanten, deren Wetten in die Hose gegangen sind.

Die Forderung Monsieur Steinbrück von damals, endlich Ross und Reiter beim Namen zu nennen könnte so aussehen! Wollen wir? also.. Hochfinanz-Politik-Militär? Oel-Energie-Medienlobby? RIIA- CFR und die Weltbank?"Rothschild-Rockefeller-Connection. Alles im zehnten oder dreiundreissigsten Grad verbündet? Gigantische Umsätze durch Filzproduzenten? Der von der Politik verordnete Maulkorb Greenspans im Jahr 2000. Der Krieg gegen den Terror 2001. Man könnte das alles als anglo-amerikanischen Resetknopf bezeichnen. Reset gegen schwindsüchtige Macht oder eben Machtverlust. CDS-CDOs mit AAA versehen, würden wir doch eher als einen Betrug durch organisiertes Verbrechen ansehen als durch Staaten legitimiert. Es ist und war keine Wirtschaftskrise, es war und ist eine Finanzkrise die aber zunehmend zur Wirtschaftkrise führen wird. Meine Frage lautet: Wurde Europa zu stark? zu produktiv? (EADS, Automobil,Pharma,Energie ) Und die Schweiz? Hält sich tapfer aber wird sich diesem Strudel nicht entziehen können. In Kriegen sucht man sich Verbündete. Dieser Krieg heisst Wirtschaftskrieg und ist nur gemeinsam mit Freuden zu überstehen. Als "Nichteuropäer" haben wir trotzdem unsere Freunde....unsere Nachbarn. Wir müssen nur sehr aufpassen, dass die Destabilisierungskräfte die schon den Nahen Osten in Flammen stürzten uns nicht medial und durch Verschweigen der eigenen Steueroasen zum Schurkenstaat erklären. Füchse und oder alle "gleichgeschalteten" Medien könnten ja populistisch den Zorn des Mobs anprechen und Feindbilder generieren. Hütet euch am Finanzgraben! Grüsst niemals Hüte die auf Stangen liegen. Denkt an Fritz Zorn.....es ist schwierig....ist tödlich! Eines haben wir mit Europa gemeinsam....wir brauchen dringend eine starke Führung, die in ausserordentlichen Zeiten den Mut hat, ausserordentliche Entscheide zu treffen und zu handeln. Anhang:ein Beispiel aus der realen Welt!!

"Die vier Botschafter (der Siegermächte des zweiten Weltkrieges) brauchten über das Berlin-Abkommen nicht viel zu verhandeln. Sie brauchten nur den Text zu unterzeichnen, den die Bilderberger ausgearbeitet hatten."sagte Henry Kissinger 1993 bei einem Treffen im Haus der Weltkulturen in Berlin.

Nicht Staaten sondern die dysfunktionalen Banken müssen in Konkurs gesetzt werden. Ein "Finanzsystem" das sich nicht selbst stabil halten kann ist kein System - und überflüssig.

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