Eine Atombombe im Estrich der Botschaft

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Eine Atombombe im Estrich der Botschaft

Von Ignaz Staub, 04.10.2010

Meist im Kontext von 9/11 machen in Washington DC gelegentlich Gerüchte die Runde, wonach irgendwo in der Stadt eine Atombombe für einen Terroranschlag präpariert werde. "Time" erinnert auf seiner Website an einen Korrespondenten des Magazins, der bereits 1961 von Präsident John F. Kennedy Ähnliches zu hören bekam.

Hugh Sidey, 1927 geboren, hat während seiner langen journalistischen Laufbahn von Dwight E. Eisenhower bis zu Bill Clinton über neun US-Präsidenten berichtet, erst für "Life", später für "Time". Er schrieb auch ein Buch über Amerikas Präsidenten und moderierte eine Fernsehserie zum Thema. Sidey, aus Iowa stammend, wurde bekannt zu einer Zeit, als das Verhältnis zwischen dem Weissen Haus und den Medien noch nicht so angespannt war, wie es das heute ist. Er war ein Insider mit beneidenswert gutem Zugang zu den Männern im Oval Office, dem es aber trotzdem gelang, wie zum Beispiel während Watergate, eine kritische Distanz zur Macht zu bewahren. Als Hugh Sidey 2005 beerdigt wurde, würdigte ihn George H. W. Bush, mit dem er, wie mit Ronald Reagan, persönlich gut befreundet gewesen war.

Hugh Sidey war auch mit John F. Kennedy unterwegs, als dieser am 22. November 1963 in Dallas erschossen wurde. Zwei Jahre zuvor, im Juli 1961, hatte ihn der Präsident laut "time.com" zu einem Dinner in Palm Beach (Florida) eingeladen, nachdem JFK von einem bewegten Gipfeltreffen mit dem sowjetischen Parteichef Nikita Chruschtschow in Wien zurückgekehrt war. Während des Essens (es wurde Fisch serviert) erzählte Kennedy, wie sehr sich Chruschtschow über Berlin ärgere, jene Insel der Freiheit innerhalb des mit dem Eisernen Vorhang geschützten Sowjetimperiums. "Wir haben eine geschäftige kommunistische Enklave nur vier Strassenzüge vom Weissen Haus entfernt", sagte Sidey zu Kennedy, womit der Journalist die sowjetische Botschaft in Washington DC meinte. Da hörte Kennedy zu essen auf und sagte: "Was Sie wohl nicht wissen: Sie (die sowjetischen Diplomaten) haben eine Atombombe im dritten Stock des Botschaftsgebäudes." Hugh Sidey, der wusste, wie sehr JFK Spionageschichten liebte, antwortete: "Sicher, wieso nicht?"

Reines Wunschdenken

Doch John F. Kennedy liess sich von Hugh Sideys Skepsis nicht beirren. Seines Wissens, so der Präsident, hätten die Russen die Bestandteile einer Atombombe im diplomatischen Gepäck in die Botschaft geschmuggelt und die Bombe dann im Estrich zusammengebaut. "Falls es wirklich sehr schlimm und ein Krieg unausweichlich wird", sagte Kennedy, "werden sie die Bombe zünden und das wäre dann das Ende des Weissen Hauses und des Rests der Stadt." Sidey berichtet, er habe darüber gelacht, worauf der Präsident, wenig amüsiert, beifügte: "Das ist zumindest das, was ich höre. Wissen Sie denn etwas, was ich nicht weiss? Fünf Jahre später, so der "Time"-Korrespondent, habe ihm anlässlich eines öffentlichen Vortrages ein Zuhörer bestätigt, dass der Geheimdienst der amerikanischen Armee (DIA) Anfang der 60er-Jahre davon überzeugt gewesen sei, dass die Russen eine Atombombe im Estrich der Botschaft in Washington DC versteckt hätten.

Vor zwei Jahren hat sich übrigens ein Ausschuss des US-Senats in einer Reihe von Anhörungen mit der Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Angriffs auf Amerikas Hauptstadt beschäftigt. Die Explosion einer Bombe mit einer Sprengkraft von 10 Kilotonnen (ähnlich zerstörerisch wie die Bombe über Hiroshima während des 2. Weltkrieges) in der Nähe des Weissen Hauses, so mutmassten die Experten, würde rund 100 000 Menschen töten und die Regierungsgebäude im Zentrum von DC flach legen. "Es ist unausweichlich", warnte 2008 Cham E. Dallas, ein Professor der University of Georgia, die Mitglieder des Ausschusses für Heimatschutz und Regierungsangelegenheiten: "Ich glaube, es ist Wunschdenken, anzunehmen, dass so etwas innerhalb der nächsten 20 Jahre nicht passieren wird."

Bob Woodward’s jüngstem Buch ("Obama’s Wars") zufolge hat ein geheimes Manöver im Mai gezeigt, dass die Regierung in Washington DC im Falle einer nuklearen Attacke auf die USA erschreckend unvorbereitet wäre. Die Simulation ging von der Explosion einer kleinen, primitiven Atombombe in Indianapolis und der Androhung einer zweiten Zündung in Los Angeles aus. Präsident Barack Obama sagte im Gespräch mit dem Starjournalisten der "Washington Post", ein nuklearer Angriff wäre "potenziell Spiel entscheidend": "Wenn ich die Liste jener Dinge durchgehe, die mir am meisten Sorgen bereiten, dann ist das an der Spitze, weil es jene Sache ist, auf die bezogen man sich keine Fehler leisten kann."

Keineswegs vergessen, auch nicht die amerikanischen Soldaten, Offiziere und Generäle. Viele haben ihr Leben gelassen. Ein trauriges Kapitel in der Weltgeschichte. Was aber doch auffällig sein müsste, dass Amerika selbst nie angegriffen und auf seinem Boden keine Bomben fielen. Noch nie! Abgesehen von Pearl Harbor Hawaii. Die von ihnen ausgegangene Politik aber hat erheblich dazu beigetragen dass es zu diesen Kriegen überhaupt kam. Eben, diese Hintergrundinfos fehlten, so wie heute auch. Die Rolle die sie spielten bei den Nazis! ( IBM,Banken,Geheimdienste usw. ) Einige Kriegsverbrecher wurden von der CIA nach dem Krieg sogar angeheuert z.B. Adolf Eichmann Wenn es nur so einfach wäre. Zur Erinnerung, die Schweiz hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl und Bedrohung damals mehr jüdische Flüchtlinge aufgenommen als jedes andere Land. Amerika hat sogar Schiffe zurückgeschickt. Vielleicht finden sie heraus welche Geheimdienste ausgebildete Agenten die sie seit dem Ende des kalten Krieges nicht mehr gebrauchen in unsere Banken und Versicherungen infiltriert haben um Datenklau und Datenverkauf zu organisieren. Es läuft eben nicht alles so wie wir von den Medien Glauben gemacht werden.

Gruss vom Gast

Die Erinnerungen an das Washington der Kennedy-Chruschtschow-Aera liessen bei mir einige Fragen offen. Was ist mit dem angeblichen «Skelett im Schrank» in Form einer Atombombe in der russischen Botschaft nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion passiert? So «einfach» wie herbeizutransportieren war die «Entsorgung» erst recht nicht. Selbst im Diplomatengepäck wäre das heute nachweisbar. Warum wird nicht gleichzeitig die sowohl plausiblere als auch relevantere Frage gestellt, ob denn die einst viel zahlreicheren Atombombenarsenale im zerfallenen Sowjetreich alle gut versorgt sind und nicht nur eine Gefahr für Washington, sondern für die ganze Welt werden?!

Die 30 Millionen Toten, welche die Japaner in Fernost von 1935 bis 1945 hinterlassen haben, hätten ihnen einige Leute offenbar schon vergeben, bevor 2 Atombomben mit über 100mal weniger Opfern den Pazifik-Krieg wirklich beendet haben und bevor der Letzte der "tapfer weiterkämpfenden" Japaner 20 und mehr Jahre später auf irgendeiner Südseeinsel verhungert - oder entdeckt worden ist.

Gast 2

Meine Empfehlung! Das Buch "Cobra"von Richard Preston. Paranoid waren sie immer, die Amerikaner ich erinnere mich an die 50er Jahre wo sie mit Wattestäbchen in ihren Küchen auf Bakterienjagd gingen. Mit einem Völkermord haben sie den Kontinent erobert,dann mit Ausbeutung und Sklaventum Erfolg gehabt und später bis heute auf Kosten der ganzen Welt gelebt.Da wird man halt paranoid, weil die Anderen könnten ja so mies sein wie sie selbst. Die Japaner waren zur Kapitulation bereit, sie brauchten nur noch ein wenig Zeit wegen dem Status des Kaisers. Trotzdem hat man zwei schlafende Städte als Testgebiet für die Atombombe benutzt. Wer muss vor wem Angst haben?

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