Ein Licht, das die Nachtfalter lockt

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Ein Licht, das die Nachtfalter lockt

Von André Pfenninger, 26.03.2013

Von André Pfenninger Ein multikulturelles Event soll das Kunstleben der Bundesstadt nachhaltig prägen.

Tausende haben am vergangenen Wochenende in Bern eine Nacht lang die Kunst gefeiert. Ein bunter Jahrmarkt des multikulturellen Lebens. Schmids Marlboro Cowboy, Chinas Kaiser Qin , Paul Klee und Jawlenski gehörten zu den unzähligen Highlights.

Eine Glühbirne bringt etwas Helligkeit in das Dunkel der Nacht. Ein Licht, das die Nachtfalter lockt, ihnen etwas Tag und Wärme bringt. Das ist das Logo auf dem Programmheft und nichts könnte Sinn und Bedeutung des Anlasses wohl besser zum Ausdruck bringen. Unter diesem Zeichen feierte Bern die 11. Museumsnacht.

Das Programm war vielseitig wie eh und je. Ein multikulturelles Programm eines Jahrmarktes der Zeit, das wie eine Taschenlampe den Weg in den letzten finsteren Winkel der Kultur wies. Manchmal war das Referenzwort Kultur auch nicht mehr zu erkennen und zu einem provokativen Reizwort verkommen.

Im Mittelpunkt standen jedoch die wahren Highlights der bernischen Kultur, die grossen Institutionen und Traditionshäuser neben zahlreichen kleinen Spezialmuseen wie beispielsweise das Schützenmuseum oder das Heilsarmeemuseum, um nur diese zu nennen. Nicht zu vergessen das Einstein-Haus, das Robert Walser-Zentrum, das Staatsarchiv, das Kornhaus, der Käfigturm, der Zytglogge usw. usw. Überall fanden die Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmer offene Türen und helle Räume. Über 40 Institutionen beteiligten sich am Anlass, der zu einem festen Bestandteil des Kulturjahres der Bundesstadt geworden ist.

Kunst soll alle begeistern

Mit einem Ticket für 25 Franken konnte das Publikum überall dabei sein, an der nächtlichen Lebensfreude teilhaben. Es konnte auch den beliebten Limousinen-Dienst benutzen, um sich vom Kunstmuseum ins historische Museum oder ins Kleezentrum chauffieren zu lassen. Geduld war immer wieder gefragt und zum Teil recht lange Wartezeiten mussten in Kauf genommen werden. Im Kunstmuseum lockte Hannes Schmid und sein Marlboro Cowboy, im historischen Museum war eine Schnuppervisite beim chinesischen Kaiser Qin und den Terra cotta–Figuren angesagt. und im Kleezentrum liessen sich Spuren des Berner Künstlers im Fernen Osten entdecken und auch Bekanntschaft machen mit Klee und Jawlensky. „Kunst soll alle begeistern“, sagt Matthias Frehner, Direktor des Kunstmuseums Bern.

Vom Event zurück in den Alltag

Ob die Begeisterung einer Nacht nun die Museumstage prägen wird, ist noch eine offene Frage. Wie weit die Berner Museen von einer nachhaltigen Wirkung des spektakulären nächtlichen Events tatsächlich profitieren können, ist schwer nachvollziehbar. Jedenfalls könnten sie eine Belebung dringend gebrauchen. Das Ausstellungsjahr 2013 haben sie bereits mit grossen, beachtenswerten Anlässen begonnen. Im Historischen Museum ist das chinesische Kaisertum bis im November präsent, erwartet werden mehrere hunderttausend Besucherinnen und Besucher. Der erwartete Ansturm nach der Eröffnung war allerdings ausgeblieben. Die Kassiererin wartete allein und Verlassen auf die ersten Gäste…

Das Kunstmuseum Bern präsentiert dieses Jahr ein äusserst vielseitiges Ausstellungsprogramm. Auf grosses Interesse stiess bereits bei der Eröffnung dieser Tage die breitgefächerte und international ausgerichtete Ausstellung Hannes Schmid. Die Berner widmen dem vielseitig tätigen Zürcher Fotografen, Maler und Medienkünstler eine aufschlussreiche Retrospektive. Auf dem Programm stehen sodann Ausstellungen wie „Mythos und Geheimnis. Der Symbolismus und die Schweizer Künstler“ (ab 26.4.), eine Wiederbegegnung mit dem Bilderbuchkünstler Ernst Kreidorf und die Tiere (ab 21.6.), unter dem Titel „Eisen und Stahl“ ist eine spezielle Schau aktuellen Schweizer Eisenplastiker reserviert (ab 16.8.).

Im Herbst wird im Rahmen der Ausstellung „Feu sacré“ dann dem 200-jährigen Bestehen der Bernischen Kunstgesellschaft gedacht. Und fast das ganze Jahr hindurch sind die Kostbarkeiten der Sammlung des Hauses als „Best of the Collection“ in einer kompakten Schau zu entdecken und zu bestaunen. Mit einem ebenfalls vielversprechenden Programm will auch das Kleezentrum seine Besucherinnen und Besucher überraschen und beglücken.

Rückläufige Besucherzahlen

Mit neuen Themen und Ausstellungen soll also die Attraktivität der Häuser wieder belebt werden. Im letzten Jahr sind die Eintritte im Kunstmuseum Bern stark zurückgegangen, nämlich um über 10’000 auf insgesamt 77’725. Allerdings waren es in den Jahren 2007 und 2009 mit knapp 70’000 Eintritten noch viel weniger. An künstlerischen Höhepunkten hat es 2012 immerhin nicht gefehlt. Sean Scully wurde auch von über 20’000 Personen besucht, Auch „Hermann Hesse der Maler“ fand große Beachtung (über 20’000). Meret Oppenheim erwies sich ebenfalls als ein bewährter Anziehungsmagnet. Antonio Saura und auch Otto Nebel hingegen hätten sicher mehr Aufmerksamkeit verdient.

Die niedrigen Besucherzahlen haben sich auch in den Ertragszahlen niedergeschlagen. Nur mit einem Subventionsbetrag von über 6 Mio. Franken (mehr als die Hälfte der Einnahmen) liess sich ein Rechnungsausgleich erzielen. Da half auch eine anonyme Spende von ca. 750’000 Fr. nicht viel weiter, die Direktor Frehner zu Beginn des Jahres vermelden konnte. Und ein Seitenblick nach Zürich und Basel hilft kaum aus der Not heraus. Das Kunsthaus Zürich musste übrigens bei den Besucherzahlen ebenfalls eine happige Einbusse hinnehmen, nämlich von 365’000 im Jahre 2011 auf noch 250’000 im letzten Jahr. Sogar die Fondation Beyeler, die in diesen Tagen auf den fünfmillionsten Besucher seit der Eröffnung 1997 des Museums in Riehen wartet, konnte bloss 368’700 Eintritte ausweisen, über 58’000 weniger als im Vorjahr.

Heikle Situation

Die Probleme, mit denen sich die beiden grossen Institutionen in Bern in diesem Jahr auseinandersetzen müssen, haben ganz andere Dimensionen. Soll das Kunstmuseum Bern mit dem noch jungen, ganz anders ausgerichteten Zentrum Paul Klee fusionieren oder mindestens zusammenarbeiten, wie dies von politischer Seite gewünscht, je gefordert wird ? Das Kunstmuseum Bern, eine 1871 gegründete traditionsreiche Kulturinstitution, wehrt sich vehement gegen jeden Gedanken einer Fusion.

Im Kleezentrum, strukturell und strategisch grundlegend anders ausgerichtet als das Kunstmuseum, wird hingegen ein Fusionsvorhaben als Wunschlösung umhätschelt. Ein kometenartig aus der Museumsnacht in diese dunkle, verstrickte und komplexe Situation hineinleuchtender, wegweisender Lichtstrahl wurde nicht gesichtet…

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