Doris und der Fettnapf

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Doris und der Fettnapf

Von Heiner Hug, 07.01.2015

Weiss unsere Bundesrätin nicht mehr, was sie tut?

Da liegen zwölf Tote herum. Leute, die sich für die Demokratie, für die Menschenrechte, für westliche Werte, für die Meinungsfreiheit einsetzen. Und was fällt unserer Bundesrätin als erstes ein: "Satire ist kein Freipass". Bereits wird dieser Faux-pas erster Güte im trauernden Paris mit Abscheu zur Kenntnis genommen.

Natürlich folgt nach dem verunglückten Satz noch eine Relativierung. „Aber keine Darstellung, keine Publikation legitimiert Gewalt. Das ist aufs Schärfste zu verurteilen.“

Kennt Frau Leuthard Charlie Hebdo überhaupt? Weiss sie, welch tapfere Journalisten das sind, die mit Todesdrohungen leben? Der Chefredaktor wurde im vorletzten Jahr auf eine Todesliste von Al-Qaida gesetzt, weil er sich gegen die Politik der Djihadisten stark machte, weil er sich für die universalen Menschenrechte einsetze.. Seither lebte er mit Polizeischutz. Jetzt ist er tot. Und Frau Leuthard sagt dazu: „Satire ist kein Freipass“.

Leuthards Reaktion löste einen Shitstorm aus. Kleinlaut und wenig überzeugend musste dann ihre Mediensprecherin antreten. Es handle sich um ein Missverständnis. Die Bundesrätin bedaure, dass es zu diesem Missverständnis gekommen sei. Nichts würde die Gewalt, das Attentat rechtfertigen. Hätte sie auch bedauert, wenn es nicht zu einem Shitstorm gekommen wäre?

Was war denn mit dem Satz „Satire ist kein Freipass“ gemeint? Die Pressesprecherin japste nur und konnte keine Antwort geben.

Zehntausende demonstrieren im Moment in Frankreich für Meinungsfreiheit und demokratische Werte. Die Zwölf sind gestorben für die Freiheit der Medien und liessen sich nicht von radikalen Jihadisten einschüchtern. Vor diesem Hintergrund ist Leuthards Aussage nur ein Hohn. 

Frau Leuthard, wenn Sie Twitter nicht beherrschen, lassen Sie es doch. 

Zusatz, mitgeteilt von Roland Jeanneret:

Neben Solidaritätskundgebungen mit den Opfern des abscheulichen Attentats von Paris in Lausanne und Genf haben auch rund 200 Journalistinnen und Journalisten am Mittwochabend auf dem Berner Bundesplatz schweigend gegen den Mordanschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" protestiert.

Zur Kundgebung hatten Berufsorganisationen der Medienschaffenden kurzfristig aufgerufen. Das Attentat sei „ein Anschlag gegen Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, gegen Freiheit allgemein und gegen Demokratie“.

Der Protest richtete sich aber auch gegen eine „unglückliche Formulierung“ auf einem Tweet von Bundesrätin Doris Leuthard. Der Präsident der Berner Journalisten (impressum-bern), Markus Dütschler, schrieb der Medienministerin in einer offenen Stellungnahme wörtlich: „Ihr Tweet zum schrecklichen Ereignis enthält unter anderem den Satz: ‚Satire ist kein Freipass’.

Frau Bundesrätin, bei allem Respekt: Das war das Unpassendste, was man zu diesem Zeitpunkt sagen konnte. Jede Relativierung, die auch nur verhalten antönt, dass die Opfer möglicherweise an ihrem Schicksal durch ein wie immer geartetes Fehlverhalten eine Mitschuld tragen könnten, ist völlig deplatziert und inakzeptabel. Von Ihnen als Kommunikationsministerin der Schweiz hätte ich eine Verurteilung dieser feigen Mordserie erwartet – ohne Wenn und Aber“.

 

Kommentare

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Interessant, dass manche Bilder jetzt Duell-ähnliche Sujets zeigen: Waffen gegen Bleistifte. Ja, Bleistifte sind auch Waffen und die machen nicht nur mundtot. Sie sind aber keine Duellierwaffen mit denen man nur den Feind trifft, sie ähneln mehr den Streubomben die mehr Kollateralschäden als gezielte Treffer verursachen.

Das kann ich genau so unterschreiben !
Vielleicht so7llte Tante Doris weniger schnell twittern und dafür etwas länger denken ! Aber vielleicht hat sie aber halt doch; Genau so gedacht !!!

Natürlich sind diese Morde nicht zu rechtfertigen. Anderseits besteht auch kein Anlass die Toten zu Helden wer westlichen Welt zu verklären .Die Satire in Charlie Hebdo ist leider weitgehend nichts Anderes als widerliche, unflätige Provokation um Hass zu schüren, gerade bei Leuten, die vielleicht erlebt haben was unsere "westlichen Werte" wert sind. Unsere Medien verstehen sich nur noch als Meinungsmacher, das hat aber mit Meinungsfreiheit nichts mehr zu tun.

Nicht was sie gesagt hat, ist das Problem, sondern wann sie es gesagt hat. Aber wer ins Fettnäpfchen tritt muss darauf gefasst sein, auszurutschen und auf die Nase - ich bemühe mich, höflich zu bleiben - zu fallen.

Frau Leuthard hat durchaus Recht, Satire ist kein Freipass. Oder würden all die tapferen Kämpfer für die Pressefreiheit auch die Bahn freigeben für die hier abgebildeten "Satiren"?
https://firstlook.org/theintercept/2015/01/09/solidarity-charlie-hebdo-c...
(übrigens ein äusserst lesenswerter Artikel, abgesehen von den Bildern).

Wie auch immer, die Morde sollen keineswegs entschuldigt werden, aber das hat Frau Leuthard auch deutlich ausgedrückt.

Es gibt Worte, die einmal gesagt, eben gesagt sind.

Mehr als traurig, dass dies mit der Aussage von Leuthard eines Regierungsmitglied der Schweiz, das über die Romands hinaus dem Feingefühl der Franzosen näher stehen könnte und sollte, mit dem Schlag ins Gesicht aller Karikaturisten und Narrenfreiheitsgläubigen nun voll und ganz auf der Schandbänkli sitzt.

Ich erinnere mich, dass vor vielen Jahren einmal ein kluger Mann - ich weiss nicht mehr, wer es war - erklärte: "Angesichts des grossen Unglücks besteht die einzig richtige Haltung darin, den Hut zu ziehen und zu schweigen."

Satire ist Bildlich dargestellte Meinungsfreihet. Frau Leuthard scheint da ein Bildungsloch zu haben!!

W.Heim

1000 Dank für dieses engagierte Statement, Herr Hug - war unbedingt notwendig... hab's in meinen fb-account eingestellt

NOUS TOUS SONT CHARLIE

Danke für diese Sätze Herr Hug. Leider gibt es noch immer Politiker, welche nicht für das Volk dienen - sondern meinen ihren eigenen Bedürfnissen zu entsprechen. Man nennt sie Narzissten - oder so?

Pfui, heiner hug. Dieser kommentar ist unter ihrem niveau!

Und Sie,

lieber "quantenspriner"

haben offensichtlich gar kein Niveau ... - wissen Sie überhaupt, was das ist ?!

Freundlicher (?) Gruss aus dem fernen China,
HansPeter Lechner.

P.S.: Wenn Sie sich nicht mal trauen, unter Ihrem (richtigen) Namen zu posten, lassen Sie's doch bitte besser bleiben ... - ja?

Nix Pfui, Herr Quantenspringer. Wie Ihr falsch geschriebenes Pseudonym bereits andeutet, ist Ihr Sprung nicht besonders weit...oder; wo genau ist Ihr Niewoh? Wenigstens mit Ihrem werten Namen hätten Sie unterschreiben dürfen.

Heiner Hug hat es eben nicht nötig, den Verlegern des Mainstream zu huldigen. Und dafür kriegt er, zumindest von mir und den restlichen freien Schweizern, ein Lob. Und genau deswegen ist journal21 auch so beliebt. Danke dem ganzen Team.

>>Zehntausende demonstrieren im Moment in Frankreich für Meinungsfreiheit und demokratische Werte....<<

Zugegeben, Zehntausende demonstrieren ja in Frankreich auch für Madame LePen, aber das ist ja dann auch wieder nicht das, was man offenbar will, zumindest lese, höre und sehe ich immer nur negative Kommentare, wenn es um diese Zehntausende geht. Und die wollen doch eigentlich auch nichts Anderes, als die Pressefreiheit aufrechterhalten.

Frau Leuthard's Aussage war kein Hohn, es war eine natürliche Reaktion, wahrscheinlich so ähnlich wie ich sie auf persoenlich.com formulierte, die Frustration und der Aerger darüber, dass Satiriker sich darüber erzürnen, weil Andere nicht länger dulden, was sie tun, und letztlich zu Mitteln greifen, wie es jetzt in Paris geschah.

http://www.persoenlich.com/news/medien/charlie-hebdo-schweizer-journalis...

Wir bewegen uns in einem medial globalen Dorf. Aber unsere Medien-Leute tun manchmal so, als wäre doch Alles eigentlich immer noch sehr weit weg, als fände der Krieg und andere Auseinandersetzungen irgendwo statt, wahrscheinlich dort, wo die vielen Flüchtlinge herkommen.

Zumindest an diesen merken wir ja auch direkt, dass irgendwo was nicht stimmt, auch wenn wir nie ganz sicher sind, weshalb, wieso und warum wohl irgendwo ein Krieg grad wirklich stattfindet.

Eine Denkpause ist nötig, und zwingend. Die Pressefreiheit ist nicht in Gefahr, die mediale 'Meinungsmache' ist in Gefahr!

Man kann nicht einerseits über die bösen radikalen Jihadisten lamentieren, und andererseits, ohne auch nur ein einziges Rezept, der Bevölkerung ständig einzureden versuchen, die, die sich noch trauen, darüber zu reden, seien alles Faschisten und Nazi's. Oder gar Clowns wie Viktor Giacobbo erlauben, alles, was mit der SVP zusammenhängt, zum Dummen und Einfältigen dieser Welt emprozustylisieren. Satirisch, natürlich, aber trotzdem wahr...

Wenn man Schuldige suchen will, muss man zuerst bei sich selbst beginnen. Meine ich wenigstens...

Herr Jacob,
Zielich laut aber erbärmlich gebrüllt und zu ihrer information
Die SVP muss man nicht zu: "Dumm und Einfältig" hochstilisieren! Das machen Dutzende ihrer Exponenten tagtäglich und bei jeder Gelegenheit schon selber !!!

nein, nein, nein und nochmals nein Herr Jacob

"Herr Jacob, diese Zeilen sind einfach nur peinlich und degoutant."
unter Ihrem Link passt.

Wenn Sie glauben, "die mediale 'Meinungsmache' ist in Gefahr", gut, kritisieren Sie das, kritisieren Sie womöglich Stimmungsmache, Thesenjournalismus usw. Aber der von Ihnen konstruierte Zusammenhang ist tatsächlich dégoûtant.

@nein: natürlich, ich häzze auch schreiben können, die mediale 'Meinungsmache' sei ein Teil der Gefahr, aber damit hätte ich mich auch nur wiederholt. Zudem, Unangenehmes ist meistens peinlich, und in vielen Fällen auch degoutant, aber ich bin mich gewohnt und immer bestrebt, halt auch im Dreck zu wühlen, um die Wurzeln zu finden...

Sorry, wenn so nicht immer Allen passt. Das Lesen ist frewillig.

Ist das westliche werte andere Religionen schlecht darstellen, oder beleidigen?

Die Oberflächlichkeit der Debatte über den Islam und auch über den Monotheismus an sich ist im Deutsch sprachigem Raum geradezu erbärmlich. Fast alle Intellektuellen, aber auch die selbst ernannten "Anständigen" tun so, als sei der Islam nur ein folkloristisches Phänomen, das man unbedingt schützen muss. Man sollte aber besser Menschen schützen und keinesfalls religiöse Ideologien, die inkompatibel sind mit den westlichen Werten.

Das Verhältnis von Staat und Religion ist bis in die Gegenwart ein ungeklärtes im gesamten nahen bis mittleren Osten. Wer sich nicht zu einer strikten Trennung von Staat und Religion durchringen kann und die Folgen des Pluralismus nicht mittragen kann, das heißt Toleranz auf sich nehmen kann, stellt m.M. nach ein Problem für die "Integration" in die westliche Gesellschaftsform dar. Es ist zu fragen, ob die Klärung, was "Integration" bedeutet, zu leisten ist und ob man nicht besser gleich auf Interessensausgleich umschaltet und die Aufklärung als Maßstab zugrundelegt, zu der Äußerlichkeiten wie Kopftücher nur eine folkloristische Bedeutung besitzen können, und eben nicht als Ausweis von ideologischer Rechtgläubigkeit gewertet werden können. Für das gesamte öffentliche Leben, und ganz speziell für das Erziehungswesen, muss man sich fragen, kann es neben dem Laizismus überhaupt Lösungen geben, die für alle akzeptabel erscheinen können. Dass dabei eigene gewohnte religiöse Äußerlichkeiten in der Öffentlichkeit einer Prüfung unterzogen werden müssen, versteht sich fast von selbst in einer Welt der Toleranz. Es gibt leider zu wenig überzeugende Botschafter der Toleranz in der Welt des Islams. Einer der ganz wenigen, war wohl der nicht mehr unter uns weilende Peter Scholl-Latour, dessen Interesse an der anderen Kultur den Maßstab für die Verständigung in eigener Sache abgab. Sein letztes Werk, "Fluch der bösen Tat", darf ich deshalb jedem, der die Komplexität des Islams zu überschauen bemüht ist, nachdrücklich empfehlen, vor allem, wenn er sich dem Berufsstand des Journalisten zurechnet.

Zwar etwas in der Emotionalität des Moments heraus geschrieben. Aber volle Zustimmung, danke für den Text.

Weniger beachtet gönnte sich auch der Aussenminister einen Lapsus, der leider momentan en vogue ist, unsere Demokratie längerfristig stark betrifft: er konnte es nicht lassen, Propaganda für die NDG-Revision zu machen.

Freiheit behält man nicht mit Zensur und Einschränkung der Freiheit von uns Bürgern. Mindestens die Informierten wissen, dass erwiesenermassen mehr Überwachung nicht weniger Kriminalität und Terror bedeutet (genau überlegt, wie absurd wäre denn das?), es also nur um Machtausweitung und Kontrolle der Bürger geht (s. a. inside-it.ch, 17.11.2014, DSB Thür hält "BÜPF aber für weniger problematisch als das Nachrichtendienstgesetz").

Eigentlich müsste Didier sich wegen dieser Äusserung ausgerechnet im Zusammenhang mit dem Anschlag nicht viel weniger schämen als Doris.

Lieber Heiner Hug,

Ich bin schockiert und fühle viel Trauer für die zerstörten Leben. Es gibt keine Rechtfertigung, nur Sinnlosigkeit.

Als Westler möchte ich Ihnen aber zwei Frage stellen, nicht zur heutigen Trägödie, doch zur (Medien)freiheit:

Was sind denn diese (von Ihnen erwähnten) westlichen Werte wert, wenn sie die Werte nicht westlicher Kulturen verunglimpfen dürfen und dann noch erwarten, dass dies nun alle nicht westlichen Wert(e)schätzer einfach zu akzeptieren haben, nur weil die westliche Kultur diese anderen Werte kaum mehr kennt, und eben diese westliche Wert(e)losigkeit den Schmerz den dieses Stochern in nicht westlichen Werten auslöst, nicht mehr fühlt?

Ist es nicht wert, Menschen, von denen wir wissen, dass sie etwas bestimmtes sehr schmerzt, nicht bewusst genau damit zu plagen, sondern ihnen mit Mitgefühl und der Weisheit, welche Frieden schafft, zu begegnen?

In dieser Hinsicht: Ja, die Freiheit hört da auf, wo wir bewusst anderen Menschen Schmerz zufügen.

Frau BR Leuthard wird langsam zur Hypothek für unsere Schweiz. Nun auch aussenpolitisch.

"Satire ist kein Freipass", unglaublich. Wie kommt man auf sowas? Das ist mehr als ein unüberlegter Hüftschuss. Für eine Magistratin ein no-no.
Wer zieht sie endlich aus dem Verkehr?
Unfassbar, dass viele Schweizer Doris Leuthard auch noch cool finden.
Die Dame ist völlig abgehoben. Meiner Meinung nach, natürlich.

Das bisschen übriggebliebene Pressefreiheit wurde heute in Paris beerdigt, ‏إن شاء الله‎ in scha'allah.

Mainstream-Media mit seiner Pressefeigheit gewinnt einmal mehr.

Vieleicht richtet ja jemand den #Tag - #GoLeuthardGo ein und dann schauen wir mal wie lange es geht? Statement, inakzeptable ...

Beherrschen ? Twittern oder twittern lassen und erst danach das Hirn einschalten. Hat die Frau dies nötig ?

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