Diese Bank ist krank

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Diese Bank ist krank

Von René Zeyer, 19.12.2012

Es geht nicht um eine Rekordbusse von 1,4 Milliarden Franken. Es ist nicht der Moment für Häme oder Kritik. Denn diese Bank ist krank. Todkrank.

An der Manipulation des Libor waren weltweit viele Banken beteiligt. Die London Interbank Offered Rate bestimmt den Zinssatz, zu dem sich Banken gegenseitig Geld leihen. Von diesem Leitzins hängt der Wert von Finanzprodukten im Volumen von über 300 Billionen Dollar ab. Festgelegt wird er täglich auf einer im modernen Banking völlig untauglichen Grundlage: auf Vertrauensbasis. Denn jedes Mitglied der den Libor bestimmenden British Bankers’ Associationen, dazu gehören auch UBS und CS, meldet einfach seinen Zinssatz, daraus wird ein Durchschnittswert errechnet. Das ist dann der Heilige Gral, der Urmeter im weltweiten Finanzhandel.

Lüge und Wahrheit

Durch die letzten Finanzkrisen hindurch behaupteten weltweit die Banker, dass es ihnen im Rahmen des modernen High-tech Financial Engineering gelungen sei, endlich den Zufall durch mathematische Gewissheit, die Unwägbarkeiten zukünftiger Entwicklungen durch algorithmisierte Berechenbarkeit zu ersetzen. Die banale Wahrheit ist: Es wurde und wird getrickst, betrogen, beschissen, manipuliert und geschwindelt wie noch nie zuvor. Das, und nicht etwa die Beherrschung der Finanzflüsse durch die Masters of the Universe, ist die Quelle für vergangene Gewinne und persönliche Bereicherung im Multimilliardenbereich. Aber die Party ist vorbei; geldhungrige Staaten räumen auf und nützen die Verjährungsfrist von durchschnittlich 10 Jahren aus, um bis 2002 zurück Untaten zu bestrafen.

Sonderfall Schweiz

Wo der neuste UBS-CEO Recht hat, hat er Recht. Sergio Ermotti wurde scharf kritisiert, als er im Frühling dieses Jahres konstatierte, dass die Schweiz «mitten drin im Wirtschaftskrieg» steckt. Die Ausgangslage ist einfach. Es gibt drei grosse, konkurrierende Finanzplätze auf der Welt, wenn wir Asien mal beiseite lassen. Die USA, England und die Schweiz. Die noch grösste Militärmacht USA, das immer noch die Reichtümer eines untergegangenen Empire verwaltende England und den Kleinstaat Schweiz. Zwei der drei Finanzplätze werden von Wirtschaftskrise und unerträglicher Staatsverschuldung geplagt, der dritte floriert als die Insel der Seligen in einem Meer von verlumpenden und geldhungrigen Staaten.

Teures Wegducken

Die Schweizer Regierung und unsere grossen Banken versuchen seit 2008, mit Unterwürfigkeit, Nachgiebigkeit und Kooperationsbereitschaft Angriffe auf den Finanzplatz Schweiz abzuwettern. Wobei die unsägliche Dummheiten der beiden Grossbanken, die in der US-Subprime-Krise, im Steuerhinterziehungsgeschäft, in irrwitzigen Derivatespekulationen (Stichwort Adoboli) geradezu verbrecherische Beihilfe dazu geleistet haben, dass in die Alpenfestung Schweiz grosse Breschen geschlagen wurden. Begleitet wird dieses Versagen von einem Bankrott der Regierungspolitik, deren Verhandlungsgeschick gegenüber den USA und europäischen Staaten nur eine Qualifikation verdient: Desaster.

Sonderfall UBS

Es fällt auf, dass eine Bank in der Schweiz ausnahmslos immer vorne dabei ist, wenn es darum geht, den grössten Stiefel aus einem Schlamassel herauszuziehen. Handel mit US-Hyporamschderivaten, Beihilfe zu Steuerhinterziehung, unkontrollierte und katastrophale Spekulationen, Libor-Manipulation. Die Ergebnisse sind immer schlimmer als bei allen anderen Banken, die Verluste und Bussen immer relativ gesehen höher. Das Karussell in der Chefetage dreht sich immer schneller, immer wieder treten neue Mannschaften an, die angeblich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben, aufräumen wollen, die Bank in eine glorreiche Zukunft zu führen versprechen. Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen. Es handelt sich hier nicht um das Versagen von überbezahlten Managern und Verwaltungsräten. Sondern diese Bank ist strukturell krank. Todkrank.

Versagen aller Orten

In solchen Fällen, wenn ein Wirtschaftsorganismus todkrank ist und sich nicht aus eigenen Kräften heilen kann, müssten staatliche Aufsichtsbehörden eingreifen und statt lebenserhaltenden Massnahmen wie eine weitere Bankenrettung endlich den Patienten für hirntot erklären und, um im Bild zu bleiben, noch brauchbare Organe einer weiteren Verwendung zuführen. Die dafür zuständige Behörde FINMA, die die Kompetenz hätte, über den Entzug einer Banklizenz zu entscheiden, ist aber personell mit der UBS verflochten. Mark Branson, der oberste FINMA-Bankenaufseher, war zuvor UBS-Chef Securities Japan, also Aufseher über die UBS-Zweigstelle, deren Libor-Manipulationen zur aktuellen Milliardenbusse führten. Wie weiland das Ex-UBS-Kader Eugen Haltiner als FINMA-Präsident eine unselige Rolle bei der vom Bundesverwaltungsgericht als illegal beurteilten Offenlegung von UBS-Konten zuhanden des amerikanischen Fiskus spielte. Und der Oberaufseher über die FINMA, der Bundesrat, versagt an allen Verhandlungsfronten mit dem Ausland eins ums andere Mal kläglich.

Trübe Aussichten

Die 1,4 Milliarden sind nicht die letzte Busse, die einer Schweizer Bank die Bilanz verhagelt. Im Rahmen der Steuerstreitigkeiten mit der halben Welt drohen weitere Zahlungen in zweistelliger Milliardenhöhe. Noch schlimmer: Das wichtigste Asset des Finanzplatzes Schweiz, wie ein Banker sagen würde, ist Vertrauen. Bei allen legalen Bankgeschäften, und davon gibt es ja auch in der Schweiz genug, werden grosse Vermögenswerte dorthin allokiert, wo Stabilität, Vertrauen und Rechtssicherheit herrschen. Wo verantwortliche Regierungspolitik, wirtschaftliche Prosperität, funktionierende Strukturen und Kontrollen sowie Kompetenz und Know-how existieren. Welche dieser entscheidenden Kriterien treffen noch auf die Schweiz zu?

danke für den ehrlichen und abrechenenden beitrag. solche verhalten müssen ein ende finden, vielleicht auch solche banken...

Die UBS wird wieder kommen!

Also ich finde diese Massnahme, welche hier vorgeschlagen wird, sehr gut.

Leider wird die wohl nie Wirklichkeit:

http://schweizblog.ch/?p=6601

Es hat sich rumgesprochen, dass die UBS eine sehr liebe und zahme Kuh ist, die sich gut melken lässt und erst noch viel Milch abgibt.

Nicht nur das CH Banksystem ist krank, auch unsere Politiker und Bundesräte Merz und Schlumpf sowie die Finma sind krank.

Bisher wollte niemand der obgenannten richtig durchgreifen. Dies obwohl alle immer davon reden und sich als Profis und Kenner darstellen. Falls mal einer durchgreift - auch wenn er selber Fehler macht - dann hagelt es Kritik wie im Falle Blocher und SNB.

Leider sind wir Schweizer ein Volk von Gläubigen und Chaoten was dieses Problem angeht. Die Politiker und Bundesräte verhängen sich im Filz - siehe Fall Minder mit den Löhnen - und das Volk ist nicht bereit die Kräfte zu unterstützen die endlich aufräumen wollen.

nun muss , oder sollte auch die bankievereinigung stellung nehmen !! da ist ein mitglied, das mehrfach hohen schaden am bankenplatz angerichtet hat !! sicher toll fuer alle mitbewerber!! eine schaedigung durch kriminellen betrug !! in milliarden hoehe !! ich behaupte, mindestens in dreistelliger hoehe !! ja , ihr habt und duldet tolle mitglieder !! ist doch gans in eurem sinne ??alles liebe freunde und so nuetzlich?? was diese vereinigung taugt, welche zwecke einer weissgeld philosophie sie wirklich umsetzt, wird sich nun zeigen !! geschaeftsmodelle nach betrug , sind endlich von der schweizer politik , gnadenlos, ohne ruecksicht aus der schweiz zu verbannen !! dies im interesse ehrlicher mitbewerber !! vergebungen und verzeihungen sind genug !! buerger sieh nun genau hien , welche partei abwiegelt !! ein klares votum zum bankenplatz schweiz, ohne hochkriminelle tut not !! weg mit gesindel und betruegern , weg, gnadenlos !!

HERR ZEYER !! seit wann sind nun hochkriminelle krank ?? kann sein , dass die wirklich krank sind !! ja, herr zeyer, durch was wurde denn diese krankheit verursacht herr zeyer?? etwa durch uebertriebene loehne und bescheidene verguetungen ?? oder waren es die spitzenmanager mit ihren vorgaben ??nichts kommt aus heiterem himmel, oder sind sie trauemer herr zeyer?? das war kein zufall oder ausrutscher, sondern klar kalkuliert und berechnet !! verantwortungstraeger, ach herr zeyer, die wussten nie von krummen dingen, alle unbescholten ehrbare buerger mit schneeweissen westen !! nur dumm fuer den kleinen angestellten, der sich nicht in diese machenschaften eingelassen hat !! ihm droht der arbeitsplatzverlust, er ist der wirkliche verlierer!! rauss mit kriminellen, oh, das sind nicht kriminelle!! rechtsstaat und superkriminelle, eine spannende geschichte fuer die politik, von a bis z !! es giebt kein rummdruecken mehr, nur noch glasklare haltung !! des buergers augenmerk ist gefragt!! spreu oder weizen ?? kriminelle und schoenfaerber , oder handelnde ??

nicht krank !! von kriminellen unterwandert ??natuerlich, alle verantwortlichen so ahnungslos und schockiert !! millionen von anlegrn betrogen, muss dieses unternehmen die schweiz verlassen, oder die banklizenz wird entzogen !! milliarden schaeden wurden von dieser firma mehrfach inszeniert!! wann ist das fass voll ?? bundesbern ist nun verpflichtet stellung zu nehmen !! danach kann der buerger die parteien klar einordnen !! kriminelle raus, gilt das auch fuer banken ??in diesem fall , fuer hoch kriminelle ??das gesammte bankwesen nun unter diversem verdacht, liegt der ball nun bei der bankiervereinigung und der bundestaatsanwaltschaft !! rauss mit extrem kriminellen firmen, rauss !!

Herr Zeyer, wie schön, dass Sie wieder da sind. Ich hatte schon befürchtet, auf den intellektuellen Genuss Ihrer zuweilen etwas emotionalen - insgesamt jedoch sehr erhellenden Kommentare zu verzichten. Ich gewinne dabei nicht nur Einsichten über die Finanzwirtschaft sondern auch über die Schweizer Seele und, im Spiegel fremder Meinung, über uns Deutsche.

Ähnlich wie die Schweizer mit der UBS, so haben wir unsere Last mit der Deutschen Bank. Doch anders als die Eidgenossen, identifizieren wir uns weniger mit ihr, und die Bank identifiziert sich weniger mit unserem Land.

Vielen meiner Landsleute ist längst klar, dass nach Josef Abs und Alfred Herrhausen ein abrupter Kulturbruch stattgefunden hat. Die Deutsche Bank drohte derzeit bekanntlich mit der Auswanderung nach London, sollten die hiesigen Finanzmärkte nicht wunschgemäß dereguliert werden.

Bei ihr gibt es nicht nur die übliche hemmungsloser Spekulation und Selbstbereicherung des Managements auf Kosten der Gesellschaft, der Steuerzahler und der Aktionäre, sowie das Sündenregister im Zusammenhang mit Libormanipulation, Bilanzfälschung oder Schrotthypotheken. Die Deutsche Bank ist heutzutage nicht mehr deutsch noch scheint sie eine Bank zu sein. Eher gleicht sie einer internationalen kriminellen Vereinigung. Sie hat weder Skrupel den deutschen Privatkunden, den Mittelständler, andere deutsche Banken oder etwa Kommunen über den Tisch zu ziehen. Auch wenn ich etwa dem Medienmogul Kirch die Pleite stets gewünscht habe, war ich doch fassungslos, zu sehen, wie er von der eigenen Hausbank verraten wurde. Wenn für sie was dabei abfällt, leistet die DB gerne Beihilfe zum Steuerbetrug (nicht „nur“ Steuerhinterziehung) am einheimischen Fiskus. Sie soll die Ermittlungsbehörden aktiv getäuscht und in die Irre geführt haben. Im aktuellen Fall ist von einem Schaden infolge Umsatzsteuerbetrug in Höhe von immerhin 800 Millionen Euro die Rede.

Herr Zeyer, leider muss man Ihnen völlig zustimmen. Das Swiss Banking ist ein Desaster.

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