Die Rede, die Bibi nie gehalten hat

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Die Rede, die Bibi nie gehalten hat

Von Uri Russak, 05.12.2012

Wie Israels Regierungschef Netanyahu auf die Rede von Mahmoud Abbas vor der Uno-Generalversammlung hätte reagieren sollen – anstatt die Siedlungexpanison noch weiter zu forcieren. Der Autor lebt in Israel.

Binyamin Netanyahu ist nicht mutig, sondern feige. Sonst hätte er sich von Beginn an für einen palästinensischen Staat eingesetzt – mit eindeutigen Bedingungen im Hinblick auf Israels Sicherheit, versteht sich – statt sich in der Uno lächerlich zu machen. Nur um klarzustellen: Ich bin dieser Meinung schon seit langer Zeit, nicht erst seit Abbas sich darum bemüht, Präsident eines wirklichen Staates zu werden.

Unvernunft in Palästina und Israel

Zwar ist Palästina auch heute, nach Abbas‘ „erfolgreichen“ Bemühungen, noch lange kein wirklicher Staat, sondern eine imaginäres Gebilde, das ohne weltweites Schnorren auch weiterhin nicht überleben könnte. Es ginge auch ohne Schnorrerei, aber dann müsste sich der Charakter der palästinensischen Führung, sei es Fatah oder Hamas völlig ändern – Ehrlichkeit statt Korruption, religiöse Freiheit statt hasserfülltem Fundamentalismus, Bildung statt auswendig lernen, Menschenrechte statt religiöser oder militärischer Diktatur, Aufbau statt Krieg und vor allem Respekt für andere!

Israels Regierungschef Netanyahu wiederum hat sich für die kommenden Knesset-Wahlen eine Fraktion zusammengestellt, die kaum noch mehr rechtsextremistisch sein könnte und vielen Bürger sogar Furcht einflösst. Er entfernte sich damit noch weiter von der politische Mitte des Landes und da die Arbeitspartei sich, gemäss Parteipräsidentin Shelley Yacimovitz, keine linke sozialdemokratische Partei mehr sein soll, sondern eine des politischen Zentrums, sieht sich das Land, sieht sich Israel heute von den Träumen seiner Gründerväter so weit entfernt, das sich diese – inklusive Menachem Begin – in ihren Gräbern mit Turbinengeschwindigkeit umdrehen.

Netanyahu's missed opportunity

Hier die Meinung des Historikers Shlomo Avineri, einer der klügsten politischen Kommentatoren in Israel, über Netanyahus verpasste Gelegenheit, auf Abbas´Vorstoss in der Uno mit einer konstruktiven Gegenrede zu reagieren (publiziert in der englischen Ausgabe von „Haaretz“ vom 4. Dezember):

"I would like to congratulate the president of the Palestinian Authority on the courageous step you took. In coming to the UN General Assembly seeking recognition of Palestine as a nonmember state, you have embarked on the path toward a historic compromise between the Jewish national movement - Zionism - and the Palestinian national movement.

"We are looking toward the future, but we cannot ignore history. How much pain and suffering would have been avoided, for both peoples, had the Palestinian movement accepted the United Nations' partition plan on November 29, 1947, rather than 65 years later. Instead, the Palestinian national movement and the Arab League waged war not only against Israel, but also against the UN decision.

Sadats historic example

"Had the Palestinian movement accepted the idea of two states for two peoples back then, as we did, the war of 1948, which you call the Nakba, would not have taken place. The refugee problem would not have been created, tens of thousands of soldiers and civilians on both sides would not have been killed, the Arab countries would not have gotten entangled in war, and on May 15, 1948, two states would have been established on the territory of the British Mandate: Israel and Palestine, one alongside the other.

"Moreover, had the PLO leadership heeded the call of Egyptian President Anwar Sadat and joined him in his historic visit to Jerusalem in 1977, it would have been possible, in the atmosphere of reconciliation that prevailed, to begin to resolve the conflict between our two national movements.

"Join me on my plane back zu the Middle East"

"But we are looking toward the future. I know that there are many points of disagreement between us, and because of these we have failed to reach an agreement until now. But with an honest desire for peace and with the international recognition you have now received, these disagreements can be resolved by negotiations between us. I therefore call on you, sir, the president of the Palestinian Authority, and your entourage, to join me on my plane and return to the Middle East together. Over the long flight, we will be able to clarify between us a few of the principles ahead of the negotiations. At Ben-Gurion International Airport you will be welcomed like royalty, just like Sadat - the first person who had the courage to accept the historical reality of the existence of a Jewish state in the Middle East. Israel responded accordingly, and with a far-reaching willingness to compromise.

"I propose that we travel together from the airport to the Knesset. In the name of the Knesset and in the name of all the people of Israel, I invite you to bring a message of peace and reconciliation to your nation and mine. It is clear to me that, just as the Israeli public saw Sadat as a messenger of peace and reconciliation, that is how they will see you. Because it is the people of Israel - not the countries of the world - whom you must convince that you have chosen a path of reconciliation and compromise after so many years of animosity and refusal.

"I have no illusions that the path will be easy. The problems we face are complex, and they are not limited to territorial issues. But from the moment it becomes clear both to us and to you that each side accepts the legitimacy of the other, there will be an opening for reconciliation, even if it is difficult and complicated to get there.

There is room for two states

"You have already come a long way, Mr. President. In the name of the people of Israel, in all their diversity, I would like to congratulate you. Let us say clearly and unequivocally that there is room for two states in our region: the Jewish nation-state and the Palestinian nation-state. The key is in our hands - in your hand, Mr. President."

This speech, of course, was not delivered. Because that would require courage, wisdom and a Zionism that combines vision with realism - the Zionism of David Ben-Gurion, who led the way to Israel's independence by accepting the partition plan, and of Menachem Begin, who welcomed Sadat to Jerusalem even as he gave up all of Sinai. How painful it is to realize that these qualities, which guarantee these two leaders a place in history, are so lacking in the prime minister of Israel today.

Shlomo Avineri, der Autor dieses Artikels, ist einer der vernünftigsten Männer in Israel. Er weiss, dass auch wenn Bibi obige Ansprache gehalten hätte, Abbas die darin enthaltende Aufforderung kaum aufgegriffen hätte, denn ein Sadat, der über seinen eigenen Schatten springt, ist er nicht.

Israel würde nicht als „Friedensverweigerer“ dastehen

Aber dennoch hätte Bibi eine Rede im vorgeschlagenen Stile halten und Mahmud Abbas die Hand bieten müssen, um einem wirklichen, erfolgversprechenden Staat Palästina auf die Füsse zu helfen. Wäre Abbas über seinen eigenen Schatten gesprungen hätten beide, Israel und Palästina gewonnen, eine Win-Win-Situation wäre entstanden. Hätte Abbas abgelehnt, würde Israel heute nicht als „Friedensverweigerer“ dastehen. Schade. Für einmal gilt Abba Ebans bekannter Ausspruch in abgeänderter Form „die Palästinenser würden keine Chance verpassen, eine Chance zu verpassen“ für Israel.

Kommentare

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Herr H. Büchi ich glaube Sie sitzen selber in der Dunkelkammer. Ich habe nie etwas anderes behauptet. Nur kann ich nicht alle Details der Geschichte um Palästina zurück bis 70 n.Ch. bis ins kleinste hier erörtern. Dazu gibte es ja für alle Geschichtebücher einseitige und neutrale und wenn es für alle andern nicht ganz klar sein sollten, haben wir ja noch Herrn Büchi der aus der Dunkelkammer mit mehr Licht hervor tritt.

„Wir haben Europa verloren“ haben Israelische Diplomaten gegenüber Haaretz geäussert. Das sehe ich ganau so. Israel hat sich mit seiner realitätsfernen Wahrnehmung weit von der europäischen Welt entfernt und dem nahen Osten angepasst.

Statt sich mit Abbas und der relativ gemässigten Bevölkerung der Westbank zu arrangieren und so die Hamas auszugrenzen, perforiert Israel das Gebiet wie einen Schweizer Käse und gibt damit allen zu verstehen, dass gemässigtes Verhalten sich nicht auszahlt. Jetzt werden in der Westbank vermehrt Hamas flaggen geschwenkt – Wie blöd muss man sein um nicht zu verstehen, dass es nach Abbas keinen besseren Verhandlungspartner geben wird?

Isreael scheint zu glauben, mit der Zersiedelung der Westbank könne es die Palästinesner mit der Zeit in alle Welt zerstreuen. Das hätte vor einigen hundert Jahren vielleicht funktioniert. Leider sind die Palästinenser heute nicht allein: Da gibt es ihre Freunde, die mit Atomwaffen spielen. Und reiche Bekannte aus dem Golf, welche sie mit Geld unterstützen und damit die eigenen Minderwertigkeitskomplexe an Israel abreagieren. Sie haben selbst andererorts erwähnt, dass Israel seit längerer Zeit keine militärischen Siege mehr erringt – auf welches Wunder hoffen Sie denn jetzt?

Es nützt nichts, über diese kluge Rede zu jammern, die nicht gehalten wurde. Sie haben sich zu weit von Europa entfernt um festzustellen wie zynisch diese hier klingt. Auch Ihre eigene Sprache ist weit weg von Frieden – und von Europa. Tschüss - wir sind dann mal weg!

an Stefan Berger : Ich weiss von den Stimmen, die auf die entscheidenden Verdienste Weizmanns um die englische Rüstung hinweisen (Munitionsproduktion) etc. Uebrigens gab es z.B. am Wiener Kongress und späteren Konferenzen "Kuhhändel". Lesen Sie den Brief Prinz Feisals von 1919 an David Frankfurter, worin dieser der Idee der jüdischen Heimstätte grösste Sympathie entgegenbringt... Anyway, in San Remo verlieh der oberste Rat der alliierten Mächte der Deklaration internat. Rechtskraft und der Völkerbund verabschiedete 1922 einstimmig das Palästinamandat.

Mir gehen Gäste, die zu feig sind, ihren Namen zu nennen grässlich auf die Nerven, besonders dann, wenn sie offensichtlich keine Ahnung haben, von dem was sie schreiben. Der "Gast" ist offenbar mit Blindheit geschlagen, sonst würde er nicht behaupten, die Palästinenser würden "dahin vegetieren". Die Palästinenser sind ganz offensichtlich gesund und gut und zweckmässig gekleidet. Sie jammern auf extrem hohem Niveau. Es ist unerklärlich, dass so viel Geld nach "Palästina" fliesst, wo dieses doch an andern Orten viel dringender gebraucht würde. Ob sich die Weltgemeinschaft wirklich um Frieden unter den Völkern bemüht, wage ich zu bezweifeln. Warum spricht man nicht über die von Marokko besetzte Westsahara, das Gemetzel im Kongo, die geknechteten Menschen in Nordkorea, die Christenverfolgung in fast allen islamischen Staaten?

@ H.Büchi - Sehr geehrter Herr Büchi, wissen Sie, dass die Balfour-Deklaration ein fataler Kuhandel zwischen den Zionisten und der englischen Regierung war? Ich verweise Sie gerne auf die interessante Rede von Benjamin H. Freedman. Sie werden beim Googeln ganz sicher darauf stossen. Freundliche Grüsse Stefan Berger

Antwort an Herr Marthaler : Geschichte und Fakten sind offenbar für viele eine Dunkelkammer. Die rechtlichen Grundlagen Israels gehen bis 1917 zurück (Balfour Deklaration). Sie wurde 1920 an der Konferenz von San Remo durch die Grossmächte auf die Stufe Internationalen Rechts gehoben. 1922 folgte das Palästinamandat. 1922 reduzierten die Engländer das Mandatsgebiet um 77% und schufen den palästinensischen Staat Transjordanien. Durch Ablehnung des Teilungsvorschlags der UNO-GV änderte sich nichts am Mandatsgebiet. Die 1920/22 erteilten Rechte sind geschützt durch Art. 80 der UNO-Charta, d.h. noch heute gültig. 1948 wurde der Staat Israels als logische Ablösung des Mandatsystems ausgerufen, worauf 5 arabische Armeen die Juden ins Meer werfen wollten etc.. 1949/47 besetzte Jordanien widerrechtlich Judäa/Samaria (damals auf Westjordanland umgetauft) und Ostjerusalem, eine Besetzung, die weder von der UNO, noch der arab. Liga anerkannt wurde. 1967 eroberte Israel die damals verlorenen Gebiete zurück. etc.etc.

Man könne nicht westliche Denkmuster auf den Nahen Osten übertragen...lesen wir. Genau das wird im Artikel getan, wenn von einer win-win Situation gesprochen wird. Abbas will nicht Frieden, er will die Juden ins Meer werfen. Seit 1920 bekämpfen die Moslems die Idee eines jüdischen Staats, auch heute! Lest doch ihre Charta, den Koran, - hört, was sie proklamieren, was sie ihre Kinder lehren...! Mit Hilfe der unsterblichen Chamberlains in der Welt soll ein humanistisches Denkmuster aufgezwungen werden und die Islamisten müssten all den nützlichen Id.... dankbar sein, dass sie Israel delegitimieren und permanent in den Rücken fallen. Die Welt hat Israel mittels Völkerbund anhaltend gültige Rechte inkl. Grenzen gegeben. Das sollte im Vordergrund stehen - und es sollte von den wahren Absichten der Hamas/Fatah die Rede sein! Jedes andere Gerede endet in einer Neuauflage der Konferenz von München 1938, diesmal mit Israel als Opfer. Ist denn das so schwer zu begreifen? Für Frieden braucht es zwei, Abbas will etwas ganz anderes.

Herr Paul Uri Russak wenn Banditen oder Räuber in ihr Haus eindringen und es besetzen und ihnen dann während der Besatzungszeit offerieren " Wir lassen Ihnen einen Teil des Hauses aber den Rest behalten wir". Wären Sie damit auch einverstanden ? So etwas ist natürlich hier und heute nicht mehr vorstellbar. So etwa aber spielte es sich damals in Palästina ab.

Aber die Einwanderung der Ostjuden (Aschkenasen) fand schon lange vor dem 2.Weltkieg statt. Die ersten Terroristen waren Juden während des Britischen Palästina-Mandat. Damals gab es noch keinen Holocaust. Die Zionisten wollten von Anfang an zurück in ihr "Erez Israel - heim ins gelobte Land". nach dem Moto koste es was es wolle ! Und man stelle sich dies nach ca. 2087 Jahren. Beginn der Diaspora. Vielleicht sollte sich der eine oder andere der an der Geschichte interessiert fragen und recherchieren "Warum die Zahl 6 Millionen für die Zionisten so wichtig war und ist" ?"

Wenn dies andre Ethnien heute für sich beanspruchen würden, z.B. die Indianer Nord- und Südamerikas, die Aborigines, die Maoris usw. Es liesse sich beliebig fortsetzen und der Zeitraum betrifft viel weniger als 2000 Jahre. Zudem sind die Juden keine Ethnie sondern eine Religion. Auch wenn angeblich amerikanische Wissenschaftler mit einer dubiosen Studie dies belegt haben sollen.

Nach dem Scheitern des Völkerbundes wurde die UNO 1945 geboren. Unter dem Druck der Alliierten (speziell der USA) wurden die Vorbereitungen getroffen den Staat Israel zu gründen. Die meisten Länder wollten nicht so viele Juden einwandern lassen. Also opferte man Palästina, anfangs gegen den Willen Grossbritanniens. Die USA bearbeiten und kauften viele Staaten die damals in der neuen UNO waren (ca. 50), um die Stimmenmehrheit zu haben für die Gründung eines Staates Israel. Es ist fakt das der Hauptschuldige an diesem Debakel für mich die UNO damals unter dem Druck der USA waren und sind. Die USA können Israel nicht mehr aufgeben, weil sie dann ihren grossen Fehler eingestehen müssten. Was meinen sie wie viele Juden und Zionisten im Senat und Repräsentantenhaus ihren Sitz haben ? Die andern Schuldigen an diesem Welttheater sind die Britten die dem Druck der USA und Zionisten nachgegeben haben und natürlich auch die Palästinenser selber. Sie hätten die ersten jüdischen Einwanderer gleich wieder vertreiben sollen. So hätte die Welt wenigstens einen Jahrzehntelangen Unruheherd weniger. Wenn viele Zionisten immer wieder von Vertragsbruch durch die Palästinenser sprechen. - Wieviel UNO-Resolutionen hat Isarel schon missachtet. Recherchieren Sie mal !

Ich habe mich schon oft gefragt, wie ein Dummkopf wie Netanjahu so lange so hohe politische Ämter bekleiden konnte. Hat dieser Mann während seiner Amtszeit(en) irgendetwas Konstruktives geschafft? Etwas, was sein Land und sein Volk weitergebracht hätte? In einer Weltgemeinschaft, die sich um Frieden unter den Völkern bemüht, glaubt er den Cowboy spielen zu müssen. Einfach nur lächerlich.

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