Die Rakete in Mutters Garten

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Die Rakete in Mutters Garten

Von Markus Schönherr, Kapstadt - 12.04.2013

Am Freitag ist Welttag der Raumfahrt. Früher ein Privileg der Weltmächte, starten heute immer mehr afrikanische Staaten eigene Weltraumprogramme - mit einer „entscheidenden Rolle“ für die Entwicklung.

Diktatoren haben meist große Visionen. Ungewöhnlich könnte man dennoch die Idee von Idi Amin nennen, unter dessen Herrschaft mehr als 300.000 Ugander ums Leben gekommen waren. Während das Land eben erst den Kolonialismus überwand, plante der selbsternannte „Herr aller Kreaturen und Bezwinger des britischen Empires“ ein Raumfahrtprogramm. Dieses sollte Afrika seinen Ruf als schwarzer Kontinent nehmen. Das niemals umgesetzte Programm schaffte es später unter die „100 schlechtesten Ideen des Jahrhunderts“ des Time Magazine.

Heute ist in Uganda ein neuer Erfinder am Werk: Chris Nsamba will das erste afrikanische Flugzeug bauen, das in den Weltraum fliegt. Den Prototyp fertigte er im Garten seiner Mutter, in einem Vorort der Hauptstadt Kampala. In den nächsten vier bis sechs Jahren soll das erste afrikanische Spaceshuttle folgen. Dafür gründete der gelernte Ingenieur das Afrikanische Raumforschungsprgrogramm (ASRP). Astronomiestudenten unterstützen den Visionär bei der Arbeit und die Regierung hilft Nsamba mit der Finanzierung. „Es gibt Afrikanern die Chance, an der Raumforschung teilzunehmen, anstatt nur zuzuschauen“, so ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums.

UNO „Entscheidende Rolle“

Die UNO feiert am Freitag zum zweiten Mal den Welttag der Raumfahrt. Am 12. April 1961 war Yuri Gagarin als erster Mensch ins All gestartet. Während sich in den 60ern die USA und die Sowjetunion ein politisches Rennen um die erste Mondlandung lieferten, steht heute die Entwicklung im Vordergrund. Mit dem Gedenktag will die UNO an die „entscheidende Rolle der Raumforschung beim Erreichen der Entwicklungsziele und des Wohlstands der Staaten und ihrer Bevölkerung“ erinnern.

Eine Vielzahl afrikanischer Regierungen hat erkannt, dass die Erforschung des Himmels vor allem den Menschen auf dem Boden zugute kommt. „Die Raumfahrtnutzung wird den Weg der Entwicklung abkürzen“, sagte Tunesiens Delegierter beim 62. Internationalen Astronautischen Kongress 2011 in Kapstadt.

Satelliten für Entwicklung

Südafrika schoss seinen ersten Satelliten 1999 ins All, und 2003 folgte Nigeria. Zusammen sollen die Satelliten Flut, Feuer, Abholzung und Weideflächen auf dem Kontinent beobachten. Nahrungsengpässen und Katastrophen soll durch ein neuartiges Warnsystem vorgebeugt werden. Ghana hat zwar noch keinen eigenen Satelliten, und die nationale Raumforschung läuft erst seit knapp einem Jahr.

Doch die Pläne sind gross. Vor kurzem übernahm der Staat im Westen Afrikas den Vorsitz bei der Kommission für Wissenschaft und Technologie für nachhaltige Entwicklung (COMSATS). Ein Prozent seines Bruttoinlandprodukts investiert die Regierung in die Erforschung von Technologien, die früher oder später der Entwicklung zugute kommen sollen.

Chinesen und Russen helfen

Afrikas Raumfahrt spiegelt die Orientierung des Kontinents in den Osten wider: Nigeria entwickelte seinen zweiten Beobachtungssatelliten NigComSat-1R mit Hilfe chinesischer Ingenieure. Im Weltall wurde er von einer russischen Rakete platziert. Russland zeigt zunehmend mehr Interesse an den südlichen Raumfahrtprogrammen. Beim Gipfel in Kapstadt gab der Chef der Russischen Raumfahrtbehörde bekannt, enger mit den Ländern Südostasiens, Afrikas und Lateinamerikas zusammenarbeiten zu wollen. Entwicklungszusammenarbeit? Wissenschaftler schätzen jedenfalls, dass der Kontinent in 20 Jahren den Vorsprung des Westens eingeholt haben werde.

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