Die Geister, die er rief

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Die Geister, die er rief

Von Journal21, 13.08.2017

Der Bürgermeister der Universitätsstadt Charlottesville spricht Klartext: Er macht Präsident Trump für den rechtsextremen Terror mitverantwortlich.

Er, der immer rasch zu einem Tweet bereit ist, zögerte lange, bis er eine Erklärung abgab. Die „Los Angeles Times“ kommentiert: „Usually quick to comment, Trump seems tongue-tied in response to Charlottesville.“

Schliesslich nahm er in einer kurzen Stellungnahme zum Entsetzen auch vieler Republikaner die Worte „Rechtsextremismus“, „Rassismus“ und „Neonazis“ nicht in den Mund. Als ihn Journalisten danach fragten, verschwand er ohne Antwort. „Er weigerte sich, sie namentlich zu verurteilen“, schreibt die „Washington Post“.

Das Auto, gesteuert von James Alex Fields Jr. aus Ohio, rast mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h in die Gruppe friedlicher Gegendemonstranten. Eine Frau starb. 19 Menschen wurden verletzt. Fields wird festgenommen. (Foto: Pyan Kelly)
Das Auto, gesteuert von James Alex Fields Jr. aus Ohio, rast mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h in die Gruppe friedlicher Gegendemonstranten. Eine Frau starb. 19 Menschen wurden verletzt. Fields wird festgenommen. (Foto: Pyan Kelly)

Trump verurteilte zwar Hass und Gewalt, verpasste jedoch laut übereinstimmenden amerikanischen Medienberichten die Gelegenheit, sich von Rassisten und Neonazis zu distanzieren. Er habe bewusst nicht Partei ergreifen wollen, hiess es anschliessend in Regierungskreisen.

Ku-Klux-Klan-ähnlicher Fackelumzug der Rechtsextremen. „Präsident Trump hat jede dieser Fackeln angezündet“, schreibt die „Washington Post“ am Sonntag.
Ku-Klux-Klan-ähnlicher Fackelumzug der Rechtsextremen. „Präsident Trump hat jede dieser Fackeln angezündet“, schreibt die „Washington Post“ am Sonntag.

Die republikanischen Schwergewichte John McCain, Mitt Romney und Ted Cruz – sie alle einst Präsidentschaftskandidaten – kritisierten Trumps Verhalten scharf. McCain sagte: „Anhänger einer weissen Vorherrschaft sind keine Patrioten, sondern Verräter.“ Unter die Demonstranten hatten sich auch Anhänger der Alt-Right-Bewegung gemischt, die sich im Wahlkampf für Trump stark gemacht hatten.

Polizisten trauern um ihre zwei Kollegen, die beim Absturz eines Einsatzhelikopters ums Leben kamen. (Foto: P/Shelby Lum)
Polizisten trauern um ihre zwei Kollegen, die beim Absturz eines Einsatzhelikopters ums Leben kamen. (Foto: P/Shelby Lum)

„Ich gebe die Schuld an vielem, was wir heute in Amerika sehen, dem Weissen Haus und den Leuten um den Präsidenten“, klagte Charlottesvilles Bürgermeister Michael Signer. „Ich hoffe, dass er einen Blick in den Spiegel wirft und scharf darüber nachdenkt, mit wem er im Wahlkampf verkehrte.“

Die Rechtsextremen strömten aus dem ganzen Land nach Charlottesville. Sie sind mit Schutzschildern, Pfeffersprays und Eisenstangen bewaffnet. (Foto: AP/Steve Helber)
Die Rechtsextremen strömten aus dem ganzen Land nach Charlottesville. Sie sind mit Schutzschildern, Pfeffersprays und Eisenstangen bewaffnet. (Foto: AP/Steve Helber)

Die Rechtsextremen hatten Parolen wie „Blut und Boden“ und „Die Juden werden uns nicht ersetzen“ skandiert. Sie wollten das Land den weissen Amerikanern zurückgeben, schrien sie.

Junge Menschen gedenken in Charlottesville der Toten.
Junge Menschen gedenken in Charlottesville der Toten.

(J21)

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Wie bei den Anschlägen in Europa. Man erkennt das Muster sofort wieder: Mann, zumeist jung, rechts- oder linksradikal und intolerant, frauenfeindlich und rückwärtsgewandt. Es ist weltweit dasselbe, und es gilt dagegen aufzustehen und vorzugehen.

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