Der UBS-Skandal

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Der UBS-Skandal

Von René Zeyer, 15.03.2013

Man fragt sich zunehmend: In welcher Welt leben diese Bonus-Banker eigentlich? In einer Geldblase ohne Realitätsbezug.

Es ist weder Neid noch moralische Entrüstung, die einen zur Schlussfolgerung kommen lässt: Diese Bank ist krank. Die UBS ist rettungslos in einem überholten Geschäftsmodell gefangen, allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz. Das geht aus ihrem gerade veröffentlichten Geschäftsbericht mal wieder hervor.

Nur drei Beispiele

Der Fisch stinkt immer vom Kopf. Betrachten wir den bei der UBS anhand von drei Führungsfiguren. UBS-CEO Sergio Ermotti verdiente im Jahr 2012 ein Grundgehalt von 2,5 Millionen. Plus 6,4 Millionen aufgeschobene Boni. Der VR-Präsident Axel Weber kassierte insgesamt 3,6 Millionen Franken, plus ein Antrittsgeschenk von rund 4 Millionen.

Das ist nur ein Klacks gegen das goldene Hello, wie man in Bankerkreisen so schön sagt, für den neuen Investmentbank-Chef der UBS, Andrea Orcel. Das beträgt nämlich satte 24,9 Millionen. Wohlgemerkt ohne dass der Investmentbanker dafür auch nur einen Bleistift in die Hand nehmen oder einen einzigen superprofitablen Deal abschliessen musste.

Die Packungsbeilage

Natürlich werden solche Millionenboni heutzutage nicht mehr cash und sofort ausbezahlt. Sie sind auf die nächsten Jahre verteilt und sollen damit angeblich vom zukünftigen Ertrag der Bank abhängen. In Wirklichkeit sind diese Modelle aber so geschnitzt, dass es schon einen mittleren Weltuntergang bräuchte, damit sie nicht zur Auszahlung kämen. Aber das ist nicht einmal das Kranke und Perverse daran. Sondern die Begründungen, wieso solche Millionensummen überhaupt verschenkt werden.

Die Katastrophe

2012 war für die UBS unbestreitbar ein katastrophales Geschäftsjahr. Sie machte bekanntlich 2,5 Milliarden Verlust, ein Desaster. Wie begründen nun die Führungsfiguren die Merkwürdigkeit, dass für dieses tiefrote Ergebnis der gesammelten Bemühungen die gleiche Summe, wohlgemerkt nicht an Gehältern, sondern an Boni ausbezahlt wurde, nämlich auch 2,5 Milliarden? Axel Weber: «Wir haben im Jahr 2012 wichtige Weichen für die Zukunft von UBS gestellt und gute Fortschritte bei der Lösung vergangenheitsbezogener Probleme gemacht.» Es handle sich eigentlich nicht um einen operativen Verlust, sondern um Umbaukosten und das Ausbaden der Fehler von Vorgängern.

Selbst wenn wir diese absurde Erklärung akzeptieren wollen: Ein Bonus ist und bleibt die Honorierung von Leistungen, die zu ausserordentlichen Gewinnen geführt haben. Nicht zu ausserordentlichen Verlusten.

Jubeln die Besitzer?

Weiter führt die UBS-Spitze an, dass schliesslich der Aktienkurs der UBS im Jahr 2012 um knapp 20 Prozent gestiegen sei, da zeige sich doch die positive Auswirkung des eigenen Handelns. Allerdings, von einem 52-Wochen-Tief von 9,69 bewegte er sich auf einen Höchststand von 16,39 Franken und liegt aktuell bei etwas über 15 Franken. Bravo.

Dürfen wir aber vielleicht daran erinnern, dass ein langfristiger Anleger im Jahre 2007 über 80 Franken für eine einzige UBS-Aktie zahlte? Der steht trotz dieses grossartigen Anstiegs immer noch mit rund 80 Prozent im Verlust. Da ist es doch sehr relativ, dass es auch schon mal fast 90 Prozent war, oder?

Sittenwidrige Logik

Was spräche dagegen, einfach zu sagen: Okay, wir haben beim Aufräumen der Fehler der Vergangenheit und einem auf zukünftige Profite umgebauten Geschäftsmodell leider einen Verlust von 2,5 Milliarden eingefahren. Deshalb beschränken wir die Zahlungen an alle Mitglieder der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats auf eine Million pro Nase. Sobald die UBS diese 2,5 Milliarden wieder wettgemacht hat und kräftig Gewinne abwirft, lassen wir die Champagnerkorken knallen und gönnen uns einen Superbonus von 2,5 Milliarden?

Eigentlich nichts. Ausser der sittenwidrigen Logik, dass es angesichts der Unsicherheit, ob diese grossartigen Massnahmen wirklich zu grossartigen Gewinnen führen, sicherer ist, die Kohle lieber sofort abzuräumen.

Die Reputation

Banker werden nie müde zu wiederholen, dass der wichtigste Aktivposten einer Bank das Vertrauen ist. Von Anlegern und Kunden. Deshalb ist es entscheidend, dass die Bank eine gute Reputation hat, respektiert wird, geachtet. Insbesondere ihre führenden Exponenten sich durch anständiges und integres Verhalten auszeichnen. Mit ihrem Beispiel vorangehen und Mitarbeitern, Aktionären und Kunden vorführen, dass es sich auch in schwierigen Zeiten mit Milliardenverlusten lohnt, der Bank die Treue zu halten. Insbesondere zeigt das Führungspersonal, dass es langfristig an den Erfolg seiner Strategie glaubt und erst dann in die Geldtöpfe greift, wenn die goldenen Früchte auf alle, Besitzer und Angestellte, herunterregnen. So müsste es in einer realen Welt sein.

Aus Verlust wird Gewinn

Welches Signal senden dagegen leitende Angestellte, die ja nur Verwalter des Risikokapitals sind, das die eigentlichen Besitzer, die Aktionäre, investiert haben, wenn sie durch den völligen Verzicht auf Boni immerhin einen ausgeglichenen Geschäftsbericht hätten vorlegen können, das aber nicht tun? Mal Hand aufs Herz: Wenn ein Geldanleger die Wahl hätte, entweder eine UBS-Aktie zu kaufen und Risiko zu nehmen oder sich eine Stelle mit risikofreiem Zugang zu den Bonustöpfen zu ergattern, was würde er sinnvollerweise tun?

Es ist hinglängst bekannt, dass man in einem Haushalt nur soviel ausgeben kann wie man hat. Dies gilt sowohl für einen Privaten als auch für eine Firma. Jemand, der das nicht einsehen will, leidet an Realitätsverlust und stürzt sich (und die anderen) früher oder später ins Verderben. Von einem Ermotti, immerhin ein Schweizer, hätte man etwas mehr Bescheidenheit erwarten können. Eine herbe Enttäuschung für mich. In der heutigen Managergilde gehört anscheinend zum guten Ton, dass man sich illegal und schamlos am Firmenvermögen bereichert und danach einen Rausschmiss in Kauf nimmt. Man hat ja dann genug Geld auf der Seite, um es sich als Privatier gut gehen zu lassen. Auch die Abzocker-Initiative und die "stärkeren" Aktionärsrechte, werden diesen Missstand nicht beseitigen können.

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