Der Dummschwätzer

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Der Dummschwätzer

Von René Zeyer, 19.04.2013

Als Museumswächter einer verstaubten Sammlung, Dozent vor leeren Hörsälen und Doktorvater von Abschriften gescheitert. Aber weiss die SVP, dass Mörgeli für einen starken Staat ist?

Man soll Unglücksraben, Pech im Beruf, Pech im Fernsehen, Pech in der Karriere, Pech in der Liebe, eigentlich bedauern. Deshalb hier kein Wort zu all den Fettnäpfchen, in die der Brachial-Rhetoriker der SVP in den letzten Wochen und Monaten reingetreten ist. Sondern ein Loblied auf den Verteidiger eines fürsorglichen Staats. Das mag beim Programmchef der eher staatsfeindlich eingestellten SVP überraschen, ist aber so.

Nicht kleckern, klotzen

Titularprofessor Mörgeli ist ja weiterhin Nationalrat. Unerschrocken kämpft er als Parlamentarier, ich zitiere von seiner Webseite, gegen «die Linken». Denn «“Geld her!“ – lautet ihre Devise.» Da ist es doch erstaunlich, dass auch der entschiedene Gegner von allen Versuchen, den Staat als Milchkuh und Subventionsverteiler (ausser bei Bauern) zu missbrauchen, staatliche Unterstützung für die Privatwirtschaft fordert. Nicht kleckern, klotzen ist dabei sogar Mörgelis Devise, er will gleich Milliarden. Wie das?

Geld her!

In einer parlamentarischen Initiative forderte NR Mörgeli «eine Beteiligung des Bundes an der Bereinigung des Steuerstreits mit den USA». Nein, er meinte damit nicht das unsägliche Ringen um eine «Globallösung». Er will Geld sehen, einen grossen Haufen Geld. Mörgeli verlangte, der Schweizer Staat solle «einen namhaften Anteil der mit den USA ausgehandelten Summen bezahlen. ... Ich denke an ungefähr die Hälfte.» Wohlgemerkt, laut Mörgeli soll sich unser Staat an Bussen und Rückzahlungen beteiligen, die sich Schweizer Banken in den USA eingebrockt haben. Ich hoffe, das Beispiel macht nicht Schule. Sonst könnte ja jeder eine staatliche Beteiligung an einer im Ausland angefallenen Verkehrsbusse fordern.

Hübsche Begründung

Aber Mörgeli treibt es noch bunter. Woher soll das Geld denn kommen, das der Schweizer Staat den Banken schenken soll? Doch wohl nicht, Gott sei bei uns, durch eine Sondersteuer, eine weitere linke Gefährdung des Privateigentums? Nein: «Allein in den Jahren seit 1990 hat der Bund netto 75 Milliarden Franken an Verrechnungssteuern eingenommen. Diese Strategie hält bis heute an, und ich nenne sie eine staatlich begünstigte Schwarzgeldstrategie», führte der Nationalrat zur Begründung seiner Initiative aus.

Ich bin erschüttert. Mörgeli will nicht nur Staatsknete in Milliardenhöhe, er begründet diese Forderung auch noch damit, dass Schwarzgeldbunkern in der Schweiz allgemeiner Volkssport sei, der zudem vom Schweizer Staat begünstigt werde. Das wäre ja, schluck, Beihilfe zu Steuerhinterziehung. Ist immerhin hierzulande kein Straftatbestand, aber müsste sich der Bund nicht wenigstens selber büssen?

Finanzspezialist Mörgeli

Eines muss man dem bisher noch nicht durch vertiefte ökonomische Kenntnisse aufgefallenen SVP-Sturmgeschütz lassen: Wenn er mal Gas gibt, dann richtig. Nicht nur, wenn er sich im Prozentrechnen kriminell blamiert. Denn er schloss seinen Antrag so ab: «Ich meine, das ist eine faire Lösung für beide Seiten: Der Bund kann etwas zurückgeben, wovon er profitiert hat, und die Banken geben ebenfalls etwas für mögliche ungeschickte Geschäfte, vielleicht auch illegale Geschäfte.»

Schweizer Staat und Schweizer Banken sind also vereint mit Beihilfe zu Steuerhinterziehung unterwegs und teilen sich brüderlich die Kosten. Wenn sich diese klare Ansicht des SVP-Programmchefs im Ausland rumspricht, meiner Treu. Da können wir nur beten, dass der SVP-Verteidigungsminister Maurer noch rechtzeitig die «beste Armee der Welt» gebacken kriegt.

Mörgelis Schicksal

Unverständlicherweise hat aber der Nationalrat, obwohl er doch eigentlich von ausgabefreudigen Netten und Linken dominiert wird, am 21. März 2013 diese parlamentarische Initiative mit 34 gegen 122 Stimmen bachab geschickt. Nun müssen wir uns nicht wundern, dass im Schweizer Bankensystem Arbeitsplätze verloren gehen – befürchtet Mörgeli –, wie es halt «in der Erhaltung einer leistungsfähigen Marktwirtschaft» – für die sich Mörgeli einsetzt – so üblich ist, wenn ein Geschäftsmodell Schiffbruch erleidet.

Wir kommen zur Einleitung dieses kleinen Ausflugs in die nicht ganz widerspruchsfreie Gedankenwelt des Christoph Mörgeli zurück. Unglücksrabe bleibt Unglücksrabe, da mag er auch noch so laut krähen. Die gute Nachricht für ihn zum Schluss: Wirklich niemand will an einem Unglücksraben Rufmord verüben.

Kommentare

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Als nächstes werden die Sittenwächter der Political Correctness uns wohl mitteilen, dass der Herr Dr. M. seine Diss. … etc. ABGESCHRIEBEN, etc., etc. - freue ich schon darauf.

Der Universität Zürich würde ich empfehlen, sich mal Gedanken zu machen zum Thema der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers - das CH-Arbeitsrecht sieht vor, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer (Herr Dr. M.) vor wahrheitswidrigen und entehrenden Aussagen Dritter zu schützen hat ... oder so ähnlich - oder?

René Zeyer - bitte: setzen Sie sich mit einem politischen Gegner INHLALTLICH auseinander. Sagen/schreiben Sie klar und klipp - das, und das, und das, was der Herr Dr. M. sagt/gesagt hat und schreibt/geschrieben hat (bitte: Quellenangabe), entspricht nicht den TATSACHEN/der WAHRHEIT ... Bin ja mal gespannt!

@cathari. Ironie des Schicksals: Politiker sind nicht da zum Agieren, sondern zum Reagieren. Die meisten Politiker wollen parteiübergreifende Lösungen, solange sie nicht das eigene Fell retten müssen oder Angst haben, aus den Fernsehstudios verbannt zu werden. Bezüglich rechter Denkfabrik des Herrn Mörgeli haben sie meinen ironischen Unterton nicht verstanden. Macht nichts! Menschen, bei denen die Hoffnung zuletzt stirbt, bracht das Land.

Ich wünsche mir sicherlich keinen rechten Think-Tank sondern eine parteiübergreifenden Strategie und Konzept erarbeitende zukunftsorientierte Denkfabrik. An Stelle von nur noch reagieren dürfte dann hoffentlich das Agieren im Zentrum stehen.

Die Begründung von Mörgeli klingt durchaus logisch, diejenige der vorberatenden Kommission dagegen nicht.

Solche Details interessieren Herrn Zeyer aber natürlich nicht, denn mit SVP- und Mörgeli-Bashing ist er seiner Zustimmung sicher....

Ist doch schön, dass Herr Mörgeli nicht mehr sauer auf den Staat ist, nachdem ihn der Staat entlassen hat. Aber was denkt wohl der Herr Köppel, der im Grunde genommen keinen Staat will. Immerhin schreibt Herr Mörgeli für Herr Köppel im Heil dir Helvetia - Blatt eine Kolumne. Es bleiben einige Fragen offen. Unter anderem die: von welcher Bank wird Mörgeli bezahlt oder wird Berater oder kriegt einen Job. Gut, dass Herr Mörgeli eine rechte Denkfabrik ins Leben gerufen hat, bei einer derart grassierenden Orientierungslosigkeit.

@christian.........Wir vermissen ja nur eine ausgeglichene Härte der Darstellung und Behandlung für Dummheiten und Fettnäpfchen-treten der Linken und der Rechten. Das ist alles! Sie werden nun entgegnen: „Satire, Satire“ und sie haben natürlich recht, aber was auffällt, fällt halt auf!

Hervorragender Artikel Herr Zeyer. Die ewigen Widersprüche in Rechts-Aussen-Argumentationen sind wirklich ermüdend und man weiss wirklich kaum noch, wie man darauf ohne Hohn reagieren soll. @Cathari: Wie genau kommen Sie denn jetzt auf Giacobbo-Müller? Entspringt dieser Gedankensprung dem klassischen Reflex, bei SVP-Kritik in den Medien immer mit der Linkslastigkeit dieser Medien zu kontern, um nicht inhaltlich argumentieren zu müssen?

Z-E-N Zuschauen, Entspannen, Nachdenken! Herrn Ch. Mörgeli`s Idee eines Think-Tank wäre zum Wohle des Landes dringend nötig. Möglichst Partei übergreifend besetzt! Einzelschüsse und wilde Initiativen müssten abgelöst werden durch effiziente und kreativ bedeutsame Vorstösse. Ein eindeutig besserer Weg für konstruktive, strategisch gute, und breit abgestützte Motionen. Gegner haben wir genug und Selbstzerfleischung ist wohl die dümmste Art mit Bedrohungen umzugehen. Es wird Zeit für ein Miteinander der Parteien, auch unserer Nation und unserer Bevölkerung zu liebe. Noch was! Als bei Giacobbo-Müller dem neuen Bauernpräsidenten gesagt wurde…“ Da können wir ihnen sogar die Mitgliedschaft bei der C. V. P. verzeihen“ sagt doch viel aus! Nein? (gut, ok, es ist Satire) aber diese Sendungen werden ja durch alle Bürger bezahlt. Ein Dauerschiessen nach Mitte-rechts. Eine sonst recht gute Sendung wird durch Parteinahme einfältig, langweilig phantasielos und tendenziell favorisierend. Grenzt in einer Demokratie an Mobbing!

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