Das Lügengebäude der Regierung wackelt

René Zeyer's picture

Das Lügengebäude der Regierung wackelt

Von René Zeyer, 23.10.2012

Griechenland ist ökonomisch ein Klacks. Spanien ist immerhin die viertgrösste Wirtschaftsmacht Europas. Das wird ein Riesenkrater.

Zur Erinnerung: Im Februar dieses Jahres noch verkündete die Regierung Rajoy, dass die spanische Bankenkrise selbstverständlich ohne den Einsatz von Steuergeldern bewältigt werde. War nicht mal ganz gelogen, wenn der Schlaumeier damit sagen wollte: ohne den Einsatz von spanischen Steuergeldern. Aber Spass beiseite, wo steht die iberische Halbinsel heute?

Blick ins Desaster

Rezession herrscht, begleitet von Rekordarbeitslosigkeit von über 25 Prozent, wobei jeder zweite Jugendliche ohne Anstellung und damit ohne Perspektive ist. Investoren bringen ihr Geld in Sicherheit, die Staatsverschuldung steigt rasant, die Defizitziele werden wie in der Eurozone üblich nicht erreicht. In der Rentenversicherung klaffen tiefe Löcher, bereits die fünfte Region hat Finanzhilfe bei der Zentralregierung verlangt: Ebbe in der Kasse. Aber das alles ist nur die Begleitmusik zum eigentlichen Problem.

Die Immobilienblase

Es ist keine Erfindung von Cervantes, dass in Kastilien der für 1,1 Milliarden Euro gebaute Flughafen «Don Quijote» sinn- und zwecklos herumsteht. Genauso wenig wie die Existenz von Geisterstädten, Betonwüsten, unbewohnt, zum Untergang verurteilt. Gebaut, gekauft, geplatzt. Das Volumen der faulen Kredite in den Bilanzen spanischer Banken erreichte im August das Rekordniveau von rund 180 Milliarden Euro, sagenhafte 51 Milliarden mehr als im Vorjahr. Falls man den offiziellen Zahlen trauen darf, werden mehr als 10 Prozent aller Kredite nicht mehr bedient. Tendenz rasant steigend.

Betongold – Trompetengold

Nun könnte man meinen, das sei ja nicht so schlimm. Kann der stolze Spanier seine Hypothek nicht mehr bedienen, dann wird er halt auf die Strasse gesetzt und seine Immobilie kommt unter den Hammer. Geht aber leider nicht, denn wer will denn schon eine Eigentumswohnung im fünften Stock einer zerfallenden Überbauung in der Pampa kaufen? Man kann zwar Geld dafür ausgeben, das hinzubetonieren. Und in einer sich aufpumpenden Blase werden nicht nur Tulpenzwiebeln in Gold aufgewogen, sondern auch Böden und Wände. Da das nichts mehr mit dem eigentlichen Wert zu tun hat, besteht die einzig sinnvolle Verwertung im Auffahren der Abrissbirne.

Aber Hilfe naht

Es brauchte keine hellseherischen Fähigkeiten, um die damalige Ankündigung Rajoys, es handle sich um ein Problem von höchstens 6, na ja, allerhöchstens 19 Milliarden, als Lüge zu bezeichnen. Es fehlen einem aber die Worte, wenn die EU freundlicherweise gleich 100 Milliarden Bankenhilfe bereitstellt. Und man sich allseitig auf die Schultern klopft, da davon vielleicht nicht alles gebraucht wird. Ergänzt durch die Ankündigung der EZB, «unbegrenzt» Staatsschuldpapiere aufzukaufen, werden sicher bald die ersten Flieger von «Don Quijote» abheben und wird neues Leben in die Geisterstädte einziehen.

Keine Liquiditätsklemme

Die Idee ist bewährt: Ein Unternehmen ist in Schieflage geraten, Rechnungen sind überfällig, das könnte schlimm enden. Aber es besteht hinreichender Anlass zur Hoffnung, dass durch eine Zwischenfinanzierung der unzeitige Bankrott abgewendet und mit zukünftiger Wertschöpfung der Kredit samt Zinsen zurückbezahlt wird. Statt spanischen Banken aus ihrer Bredouille zu helfen, könnte man das Geld allerdings auch gleich verbrennen – oder Papierhütten damit bauen. Denn dieser Hilfe steht weder ein Gegenwert noch eine Perspektive gegenüber. Ausser natürlich, dass so das bröckelnde europäische Haus mitsamt der Fehlkonstruktion Euro noch ein wenig länger am Leben erhalten werden kann. Bis zum unausweichlichen Zahltag.

Die Dominosteine

Spanien alleine ist innerhalb der Eurozone bereits «too big to fail». Aber gleichzeitig auch zu gross, um gerettet zu werden. Das alleine wäre schon eine schlechte Nachricht, aber wir sprechen ja von der EU. Denn noch grösser, aber nicht viel besser dran, sind Italien und Frankreich. Vor allem die «Grande Nation» ist wirtschaftlich gesehen ein Wrack. Sozusagen Landwirtschaft mit Atom- plus Rüstungsindustrie. Die abserbelnde Autoindustrie nicht zu vergessen. Beherrscht von einigen wenigen Konzernen, ohne nennenswerte KMU. Zentralistisch von Eliten geführt, vor allem im Süden von mafiösen Strukturen geprägt, dazu vom Erbe der Kolonialzeit in einem europäisch einmaligen Ausmass bedrängt. Vom Bankensystem ganz zu schweigen.

Die Koalition der starken Schwachen

Kurzfristig kann der französische Präsident Hollande sicher damit punkten, wenn er sich zum Anführer einer Dreierkoalition mit Italien und Spanien gegen Deutschland macht. Man braucht allerdings wiederum keine hellseherischen Fähigkeiten, um einen gemeinsamen Untergang aller Vier zu prognostizieren. Die Verklammerung hat vor allem in den letzten vier Jahren ein Ausmass erreicht, dass selbst eine chirurgische Trennung dazu führen könnte, dass die vier Teile noch auf dem Operationstisch verbluten würden. Auch keine schöne Alternative zum weiteren Aufpumpen eines lebenden Leichnams namens Eurozone mit Gratisgeld ...

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Zur Rettung des Euro-Raumes könnte ja Deutschland auf das prestige Niveau des Euros verzichten und ihn so um die 10% abwerten lassen. Gemeinsam mit der Hilfe der EZB würde dies allen Südstaaten erheblich helfen die Lage zu stabilisieren. Zudem gäbe es der deutschen Exportindustrie einen zusätzlichen Schub. Für uns (CH) wäre eine Abwertung des Euros zwar sehr unangenehm aber immer noch besser als der Kollaps der Eurozone.

Bundestagswahlen 2013

Wir wollen für Euch das Beste, was seit Jahren nicht geklappt, wir feiern uns, feiern Feste, ihr wie immer in die Falle tappt.

Bunte Luftballons, Versprechen, unsere Medien setzen in Szene, Parteien aufpoliert, erbrechen, Parolen - heut Euch alles gebe.

Ihr lasst Euch schwängern, bezahlt unser Gewäsch, Ihr werdet Euer Leid verlängern, nicht zur Wahl, Euer Pech.

Werde ich nicht gleich Kanzler, gehe ich in die Opposition, verkaufe aus zweiter Reihe Panzer, schimpfend, die Anderen zum Clown.

Schuld sind immer andere, ein Spiel, Mehrparteiensystem, für Euch am Abgrund wandere, wir auf Euch herabsehen.

Ach immer diese Wahlen, 50 Prozent halten schon den Mund, wir ihnen die Würde stahlen, geben ihnen zu fressen jeden Schund.

Ein sattes Volk rebelliert nicht, Leid der Anderen, ducken sie ab, Abweichler, ihm das Genick bricht, notfalls werden die in Brüssel satt.

Politiker sein ist schwer, zum Glück sind wir uns einig, Volk kommt nie einig daher, werden wir fürs Tun nie gesteinigt. Frank Poschau 04.08.12 www.frank-poschau.jimdo.com

Spanien bricht zusammen. 52% der Briten wollen raus aus der EU. In Frankreich stehen Generalstreiks an. Die extreme Rechte in Griechenland will mit Hilfe der Linken die Regierung platzen lassen. Undsoweiter......! Ich empfehle: www.net-news-express.de News aus der ganzen Bandbreite von Politik und Wirtschaft und dito Presse.

Untertanen Europas vereinigt Euch: Ausstieg aus der Brüsseler Diktatur!

von Helga Zepp-LaRouche Europa steht vor der sozialen Explosion und das Eurosystem vor dem großen Knall, so oder so. Während Merkel und Schäuble gar nicht schnell genug auch noch den allerletzten Rest an Souveränität an die Brüsseler Bürokratie abgeben wollen, haben laut Guardian griechische Familien nicht einmal mehr das Geld, um ihre Toten zu begraben.

http://krisenfrei.wordpress.com/2012/10/21/man-kann-ja-sowieso-nichts-machen/

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren