Bücher zu Weihnachten

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Bücher zu Weihnachten

Von Journal21, 15.12.2012

Welche Bücher möchten Sie zu Weihnachten schenken? Welche möchten Sie selber lesen? Autorinnen und Autoren von Journal21 machen Ihnen 28 Vorschläge.

IGNAZ STAUB EMPFIEHLT

Katherine Boo: „Behind the Beautiful Forevers“
Mehr als drei Jahre lang hat die Autorin des „New Yorker“ unter schwierigsten Bedingungen akribisch recherchiert, um den Alltag von Bewohnerinnen und Bewohnern des Annawadi-Slums in Mumbai zu dokumentieren. Entstanden sind dabei eindringliche Porträts von Menschen, die allem Unrecht und allen und Widrigkeiten zum Trotz versuchen, zu überleben, so gut es geht, und ihrem Elend zu entkommen, was aber in den meisten Fällen misslingt. Einfühlsamer, kompetenter und besser geschrieben als bei Pulitzer-Preisträgerin Boo kann investigativer Journalismus kaum sein. Katherine Boo: „Behind the Beautiful Forevers“. 288 Seiten. Random House. $ 27.-.

Anthony Shadid: „House of Stone“
Der Nahost-Korrespondent der „New York Times“, der im Februar bei einem Einsatz im umkämpften Syrien starb, hat kurz vor seinem Tod ein elegisches Buch vollendet, in welchem er anhand der Restauration eines Steinhauses in Marjayoun das Schicksal seiner Familie nachzeichnet, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus dem Südlibanon in die USA ausgewandert ist. Doch das Buch ist viel mehr als nur eine Familiengeschichte: Scharf beobachtend evoziert Shadid Befindlichkeit und Traumata einer Region, der Geschichte und Politik in jüngster Vergangenheit wiederholt übel mitgespielt haben. Anthony Shadid: „House of Stone“. 311 Seiten. Houghton Mifflin Harcourt. $ 26.-

Robert Bösch: „Moments – Fotografien“ Dem Schweizer Fotografen Robert Bösch ist es wiederholt gelungen, der Flut der Bilder zu entrinnen, die heute von überall her anbrandet, indem er buchstäblich nach Höherem, d.h. in die Berge und auf höchste Gipfel strebte. Doch Bösch deswegen als Bergfotografen zu kategorisieren, wäre falsch: Der 57-Jährige bezeichnet sich selbst als Bildersucher, egal wo, als Jäger des Moments, der mit träfem Blick und ohne Effekthascherei Vergängliches festhält. Häufiger schwarzweiss als farbig, sind Böschs Natur- und Landschaftsaufnahmen wahre Augenöffner. Robert Bösch: „Moments – Fotografien“. 184 Seiten. Benteli. CHF 78.-


CHRISTOPH KUHN EMPFIEHLT

Angela Pradelli (Argentinien): Das Haus des Vaters
Die Ich-Erzählerin schaut in einem Vorort von Buenos Aires eines Morgens zum Fenster hinaus und sieht, wie Nachbar Ramón sich daran macht, einen mächtigen Paradiesbaum zu fällen. Ein Schockerlebnis, das Erinnerungen freisetzt, Erinnerungen an den verstorbenen Vater der Erzählerin. In einer Reihe knapper, ineinander verschlungener Geschichten wird er aus dem Schattenreich befreit und wiederbelebt. Alltagsgeschichten in leisen, berührenden Tönen, mit Humor und Witz gewürzte Dialoge bekommen wir zu lesen; kleine Dinge, in denen sich ein ganzes Leben spiegelt. Angela Pradelli: Das Haus des Vaters, aus dem Spanischen von Marion Dick, Rotpunktverlag, Fr.28.90

P..M.: Manetti lesen“, Roman
P.M.ist das Pseudonym eines Zürcher Autors, der seit den 80er Jahren eine Reihe von Romanen und utopisch-philosophischen Abhandlungen publiziert hat („ bolo bolo“ ist die bekannteste), in denen neuartige Gesellschaftsmodelle entworfen werden, geeignet, unseren Planeten friedlich, fröhlich und schonungsvoll zu bewohnen. P.M. ist einer der originellsten Denker und Schreiber in der zeitgenössischen Schweizer Literatur. Ironisch und nüchtern im Ton, verachtet er jegliche literarische Brillanz. Nicht Stil, nur Inhalt ist seine Sache. Im neuen Buch erfindet er einen Roberto Manetti, der zwölf Notizbücher hinterlassen hat – und wer die zweimal liest, verschwindet. Der Ich-Erzähler macht sich auf Spurensuche, der Leser folgt ihm von Zürich über Umwege nach Brasilien, erfreut sich an den phantastischen Kapriolen, die ihm geboten werden, an den Diskursen über ein neues gutes Leben in der –machbaren - Utopie und nebenbei an den zahllosen literarischen, philosophischen, soziologischen Anspielungen, die der ungemein belesene Stilverächter P.M. in sein Buch streut. Edition Nautilus, Fr. 26.90

Christoph Ransmayr: Atlas eines ängstlichen Mannes, eine Erzählung
Der Oesterreicher Christoph Ransmayr gehört für mich zu den perfektesten Stilisten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Seit seinen Anfängen. Er verfügt über einen absoluten Sinn für Sprache. Egal, an welches Thema er sich wagt – seine langen, klingenden, ausschwingenden Sätze bestechen durch ein Mass an Vollkommenheit, wie man sie nur ganz selten antrifft. Ransmayr ist ein unermüdlicher Reisender und setzt sich dabei mit Vorliebe extremen Situationen aus. Sein neues Buch, das er eine Erzählung nennt, vereinigt siebzig Reisen kreuz und quer durch Länder und Meere, von der Osterinsel zum Himalaya und zurück nach Wien. Jede einzelne Sequenz beginnt mit den Wörtern „Ich sah“ und dieser programmatische Ansatz führt einen mitten hinein in merkwürdige, in wilde, in berührende und verstörende Situationen, in denen sich, vor den Augen des protokollierenden und zugleich teilnehmenden Beobachters, Naturphänomene mit menschlichen Schicksalen vermischen. S.Fischer Verlag, 39.90 Fr.


ALEX BÄNNINGER EMPFIEHLT

Iso Camartin: Im Garten der Freundschaft
Durch die Literatur- und Musikgeschichte auf der Suche nach der Freundschaft: der wahren und falschen, der selbstlosen und berechnenden, der leichten und schwierigen. Gott sei Dank kein Ratgeber, sondern eine Entdeckungsbericht mit überraschenden Höhen, Abgründen und Tiefen. Elegant geschrieben, vergnüglich zu lesen. Eine geistreiche Kulturgeschichte der Freundschaften. C.H. Beck, ISBN 978 3 406 62158 1, 299 Seiten, CHF 31.90

Miklós Bánffy: Die Schrift in Flammen
Das Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie als Gesellschaftsroman eines Zeitzeugen. Er stellt den Glanz gegen das Elend, den aufrechten Kampf gegen die perfide Intrige, die Sehnsucht gegen die Enttäuschung. In den Lebensläufen der Hauptpersonen spiegelt sich der Lauf der Geschichte. Mit Wucht und Leidenschaft erzählt. Erstmals auf Deutsch, aus dem Ungarischen von Andreas Oplatka hervorragend übersetzt. Paul Zsolnay, ISBN 978 3 552 05559 9, 799 Seiten, CHF 42.90

Hans-Ulrich Schlumpf: Armand Schulthess
Einerseits eine bis ins Detail spannende Rekonstruktion des Universums des Objekt- und Textkünstlers Armand Schulthess, der 1972 mit 71 Jahren in Auressio starb. Anderseits ein aussergewöhnliches Beispiel dafür, Texte, Dokumente und Fotografien als eigenständiges Kunstwerk in Buchform zu gestalten. Patrick Frey, ISBN 978 3 905509 93 9, 435 Seiten, CHF 161.—


REGINE KRETZ EMPFIEHLT

Sarah Bakewell: Wie soll ich leben? - oder Das Leben Montaignes in einer Frage und 20 Antworten
Michel de Montaigne (1533-1592) schrieb auf, was er als messerscharfer Beobachter seiner (kriegerischen) Zeit sah und für gut oder falsch befand. Unumstössliche Wahrheiten gab es nicht für ihn. Er zog alles in Zweifel. Das wirkt auf weite Strecken sehr aktuell und heutig. Er engagierte sich für die Gesellschaft, war gleichzeitig aber ein Genuss- und Lebemensch. Seinen Lesern riet er zu Gelassenheit und Humor - in jeder Lebenslage. Bakewell filtriert aus Montaignes Essais mit leichter Hand 20 Zitate auf die suggestive Frage. Drum herum büschelt sie, was sie an biografischen Details über den Autor, an Dokumenten von Zeitzeugen oder späteren Verehrern und Kritikern finden konnte. Und gerät dabei auf Nebenschauplätze. Sie gewichtet kaum, wiederholt sich. Das schmälert das Lesevergnügen. Aber umso lieber greift man zum Original. (In Übersetzung z.B. bei Reclam.) Verlag C.H. Beck, ISBN 978 3 506 63969 2; 416 Seiten, Fr. 35.50

Neil MacGregor: "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten
Wer sich für die Festtage einen gewichtigen Brocken wünscht - verbunden mit Augenschmaus und perfektem Lesegenuss - liegt richtig mit diesem Buch. Als Direktor des British Museum ist MacGregor ein fabulöser Kenner seiner Schätze. Er fragt: Was verrät ein 2 Millionen Jahre alter Faustkeil über den damaligen afrikanischen Kontinent? Was die "Standarte von Ur" über die frühe mesopotamische Stadt- und Königsmacht? Was ein Dornenreliquiar übers französische Mittelalter? Oder Darwins Schiffschronometer über seine Zeit? Die Solarlampe aus Shenzen über heutige Probleme? Fundierte Kultur- und Weltgeschichte im Kaleidoskop - anregender ist das kaum zu haben. Voraussetzung: erstklassiges Bildmaterial und so sorgfältig recherchierte, so souverän und ohne Fachchinesisch präsentierte Texte, wie sie Historiker MacGregor bietet. Verlag C.H. Beck, ISBN 978 3 406 62147 5; 816 Seiten, Fr. 59.--


URS MEIER EMPFIEHLT

Theodor Fontane: Der Stechlin. Roman, Paperback
Fontanes letzter grosser Roman, erschienen 1899, fasziniert mit seinem unbestechlichen und menschenfreundlichen Blick auf eine zu Ende gehende Epoche. Wer sich was Gutes tun will, lese «Der Stechlin». dtv 12552, 551 S., Fr. 19.90

Richard Ford: Die Lage des Landes. Roman, Paperback Richard Ford, einer der ganz grossen amerikanischen Romanciers, schliesst mit «Die Lage des Landes» seine Bascombe-Trilogie ab. Diesen Frank Bascombe sollte man wirklich kennenlernen. BT Bloomsbury, 683 S., Fr. 19.90

Esther Kinsky: Banatsko. Roman
Der Roman «Banatsko» entwickelt im ereignislosen Niemandsland Nordserbiens einen rätselhaften Sog. Die zuvor als Übersetzerin hervorgetretene Esther Kinsky erweist sich als Sprachkünstlerin ersten Ranges. Matthes&Seitz Berlin 2011, 243 S., Fr. 29.90

Gerhard Schulz: Kleist. Eine Biographie,
Ohne Gedenktag, einfach aus Interesse an diesem herausragenden Genie der deutschen Literatur, ist die Kleist-Biographie des Germanisten Gerhard Schulz zu lesen. Sie betreibt weder Heroenkult noch Demontage und behauptet bei aller Akribie nicht, in Kopf und Seele des Dichters schauen zu können. C. H. Beck 2007, 607 S., Fr. 47.70


STEPHAN WEHOWSKY EMPFIEHLT

Adam Zamoyski, 1812. Napoleons Feldzug in Russland Eine Erinnerung an das Scheitern des Russlandfeldzugs vor 200 Jahren und ein Mahnmal für die Folgen menschlicher Verblendung. Zamoyski schildert auf der politischen und diplomatischen Ebene, wie Napoleon und Zar Alexander buchstäblich in den Krieg hineinstolperten und schildert das Schicksal der Soldaten anhand von Tagebüchern so, als wäre er dabei gewesen. Verlag C. H. Beck 2012, CHF 46,90.--

Ullrich Hoffmann, Das Motorrad. Geschichte – Technik – Design Eine wunderbare Kulturgeschichte des Motorrads, in der alles vorkommt: die technische Entwicklung, das kulturelle und wirtschaftliche Umfeld, Werbung, Film und Kunst. Das schön gestaltete Buch spricht Experten ebenso wie Laien an. Geramond 2012, CHF 59.--

Jean Luc Bannalec, Bretonische Verhältnisse. Ein Fall für Kommissar Dupin Zum Hören und Geniessen: Ein Krimi aus der Bretagne, kunstvoll verwoben mit der bretonischen Mentalität. Der Fall ist verwickelt und findet ein überraschendes Ende. Das Ganze wird von Gerd Warmeling sehr schön gelesen. 365 Minuten, CHF 33,90.--


REINHARD MEIER EMPFIEHLT

Thomas Meyer: Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse
Der junge, in Zürich lebende orthodoxe Jude Mordechai Wolkenbruch, kurz Motti genannt, hat ein Problem: Die Frauen, die ihm seine Mama als Heiratskandidatinnen vorsetzt, gefallen ihm nicht. Ganz im Gegensatz zu Laura, seiner attraktiven Mitstudentin. Doch die ist leider eine Schickse – sie trägt Hosen, trinkt Gin Tonic und wohnt in einer WG. Motti beginnt am von seiner Familie vorgezeichneten orthodoxen Lebensweg zu zweifeln. Dafür wächst seine Leidenschaft für Laura. Thomas Meyers witzig-frecher Debütroman führt in ein recht exotisches Milieu, in dem die Sprache mit viel jiddischen Wörtern und Wendungen gespickt ist (als Lesehilfe ist ein Glossar angefügt).
Salis Verlag Zürich, 2012

Roger Bernheim: Methusalems Leid
Für die junge intelligente Türkin Aische, die in Berlin an einer Dissertation über Biologie arbeitet, ist der 79-jährige Karl Barlett der liebste Mensch nach ihrem Vater. Doch was sie als tiefe Freundschaft empfindet, ist für Karl partnerschaftliche Liebe. Daran leidet er, weil er weiss, dass sie nicht in Erfüllung gehen kann. Die beiden werden einander Stütze: Sie hilft ihm über sein Altsein im Kreis eines studentisch-bohèmehaften Milieus. Er gibt ihr väterlichen Halt in Deutschland, wo sie sich oft fremd fühlt und nach familiärer Geborgenheit sehnt. Eine packende Erzählung in einem ungewöhnlichen Beziehungsfeld, lebensfreudig und melancholisch zugleich, aber nie sentimental. Novum publishing gmbh, 2011


ROLAND JEANNERET EMPFIEHLT

Elisabeth Bond „Die Antwort im Wort“ Das vielschichtige Wörterbuch
„Ge-schichten sind Schichten, endlos“. So zerlegt Elisabeth Bond Wörter, Wort für Wort. Das Aufbrechen von Wörtern entschlüsselt unsere Sprache, zeigt, was alles hinter einem Begriff auch noch stecken kann. Was hat Einbildung mit Bildung zu tun? Welche Sucht steckt hinter Eifersucht? Wie offen ist Hoffen? Oder ist eine Lehre allenfalls gar mit Ehre verbunden? Ist es ein Zufall, dass sich im Wort Traum auch „Raum“ versteckt? Wer gerne über Sprache und unsere Ausdrucksweisen nachdenkt, kann sich während dieser etwas stilleren Festtage auf die Suche nach den Wurzeln in unseren Wörtern machen. Eine kreative, oftmals erstaunliche Entdeckungsreise.
Lokwort, Bern ISBN 3-906786-03-X

Lorenz Stäger: „Liebt ihr Bruder Fisch, Madame?“ Worüber reden Diplomaten, wenn sie sich unterhalten, aber den absoluten Comment einhalten müssen? In Floskeln, wie im Buchtitel. Der heitere Roman von Lorenz Stäger, seinerzeit Kulturattaché an einer Schweizer Botschaft im arabischen Raum, nimmt zeitweise kästner'sche Züge an. Das Buch ist nicht nur ein Bestseller unter dem Diplomatischen Corps – mittlerweile haben zahlreiche Leserinnen und Leser die heiteren Romane des pensionierten Aargauer Kantilehrers entdeckt, illustriert von Rapallo. „Liebt ihr Bruder Fisch, Madame“ ist mittlerweile in der 6. Auflage erschienen – das Buch kann direkt beim Autor (5610 Wohlen) oder übers Internet im Onlineshop bestellt werden. ISBN 978-3-9520489

Mario Slongo / Roland Jeanneret: Geht dem Wind die Luft nie aus?
Jahrelang hat der DRS-1-Wetterfrosch Mario Slongo am Samstagmorgen der Nation Wetterphänomene und meteorologische Zusammenhänge näher gebracht. Diesen Sommer wurde er pensioniert und sein breites Wissen aus über 600 Sendungen wurde thematisch gebündelt von seinem Radiokollegen Roland Jeanneret in einem Buch zusammengefasst. Weshalb fallen uns die tonnenschweren Wolken nicht auf den Kopf? Geht ein Kugelblitz auch durchs Schlafzimmer? Und: Warum ist Schnee überhaupt weiss? Was genau steckte hinter dem Doppelmord am Wetterwartehepaar auf dem Säntis? Spannende Fragen, unterhaltsame, für alle verständliche Antworten. Eignet sich auch ausgezeichnet als Geschenk: Wetter geht alle an und ist jederzeit überall… Lokwort, Bern ISBN 978-3-906786-39-1

Albert-Schweitzer-Studien 3, Walter Munz: Albert Schweitzer im Gedächtnis der Afrikaner und in meiner Erinnerung 2013 wird zum grossen Albert-Schweitzer-Gedenkjahr: Vor genau 100 Jahren hat sich Albert Schweitzer, zusammen mit seiner Frau Helene, aufgemacht, auf der Missionsstation von Andende im Gabun sein Urwaldspital zu eröffnen. Was ganz einfach in einem Hühnerstall begann, wurde zum Lebenswerk des grossen Arztes, Philosophen, Musikers und Menschenfreunds. Dem St. Galler Arzt Walter Munz war es vergönnt, Albert Schweitzer noch selber zu begegnen. Schweitzer hat Munz kurz vor seinem Tod offiziell zu seinem Nachfolger bestimmt. Walter Munz hat in seinem Buch (1. Auflage bereits 1991 erschienen) nicht nur seine persönlichen Erinnerungen, sondern auch die der einheimischen Afrikaner festgehalten. Eine gute Vorbereitung zum Albert-Schweitzer-Jahr 2013. Haupt, Bern, ISBN 3-258-04529-1 (zu beziehen: albertschweitzerversandstelle@bluewin.ch, oder Feldheimstrasse 4, 3600 Thun)


ROMAN BERGER EMPFIEHLT

Nicholas Shaxson: Schatzinseln. Wie die Steueroasen die Demokratie untergraben Wie funktioniert eigentlich die Welt, in der wenige „Gescheite“ dafür sorgen können, dass „nur die Dummen Steuern zahlen“ (Konrad Hummler, Ex-Eigentümer der Bank Wegelin ) ? Fundierte Einsichten in die Steuer-Welt der „Gescheiten“ und „Dummen“ gibt das Buch „Schatzinseln“ von Nicholas Shaxson. Der britische Journalist stellt Begriffe klar. „Steueroase“ zum Beispiel sei irreführend, der Wirklichkeit besser entspreche „Offshore“: Steuerflüchtlinge verlassen die Onshore-Gebiete auf dem Festland und gehen Offshore (vor der Küste), suchen Zuflucht auf „Schatzinseln“, wo sie tun können, was sie zu Hause nicht tun dürfen. Ein Kapitel (Der profitable Mantel der Neutralität) ist der „Schatzinsel“ Schweiz gewidmet. Shaxson war Mitarbeiter von „Financial Times“, Reuters, BBC und lebt in Zürich. Rotpunktverlag ISBN 978 – 3 – 85869 – 460 -7. Fr. 32.-


HEINER HUG EMPFIEHLT

Barbara Demick: Die Rosen von Sarajevo, eine Geschichte vom Krieg
Zwanzig Jahre nach Beginn der dreijährigen Belagerung von Sarajevo beginnt man die Gräueltaten zu vergessen. Der aufwühlende Augenzeugenbericht der preisgekrönten amerikanischen Journalistin Barbara Demick ruft uns diese schrecklichen Kriegsverbrechen in Erinnerung. Das Buch, das die Tragödie, den Überlebenskampf und den Tod Dutzender Menschen hautnah beschreibt, geht - auch wegen seiner Detailtreue - unter die Haut. Gerade jetzt auch, wo Karadzic und Mladic in Den Haag ihre Unschuld beteuern. Droemer Verlag, München, 2012, ISBN 978-3-426-27587-0, CHF 28.90

Paul Widmer: Minister Hans Frölicher, der umstrittenste Schweizer Diplomat
Sollten die Schweizer Gesandten während der Nazi-Zeit in Berlin Widerstand leisten oder sich anpassen? Paul Dinichert leistete Widerstand, Hans Frölicher passte sich an. Beide endeten schlecht. Der Historiker und Diplomat Paul Widmer präsentiert in seinem spannenden, leicht lesbaren Buch viele neue Fakten zum Verhältnis der Schweiz zu Nazideutschland. Frölicher wurde nach dem Krieg als Nazi-Sympathisant verschrien. Widmer versucht, ihn teilweise zu entlasten. NZZ libro 264 Seiten, ISBN 978-3-03823-779-2 (Buch), 978-3-03823-960-4 (eBook), Fr. 42.--

Mark Twain: Meine geheime Autobiographie
Selten bereiten 1,7 Kilo Papier ein solches Lesevergnügen. Der Text ist leidenschaftlich, sarkastisch, schalkhaft, ätzend – und vor allem geistreich. Pointen sprudeln, eine Anekdote jagt die andere. Erst hundert Jahre nach seinem Tod wird der erste Band seiner Autobiographie veröffentlicht. Mark Twain wollte das so. Jetzt liegt das Buch in einer wunderbaren deutschen Übersetzung vor. Twain zieht alle Register, er übertreibt, er fotzelt, ist poetisch und zynisch. Und er rechnet ab, aber nur mit den Grossen. Mark Twain, Meine Geheime Autobiographie, Aufbau Verlag, Berlin, 1. Auflage, Oktober 2012, Übersetzung: Hans-Christian Oeser, ISBN 978-3-351-03513-6 -- 724 Seiten + Hintergründe und Zusätze 397 Seiten.

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@cathari Was wäre das Leben ohne Lesespass und (Lese-) Freunde ? Dabei wohlwissend, was Gustav Frensson so formulierte: "Der Wert eines Menschenlebens bestimmt nicht seine Länge, sondern seine Tiefe". Besinnliche, frohe Festtage wünsch' ich allen Mitleserinnen und Mitlesern und dem journal21-Team.

Genzeit! Erinnerungen an eine Zeit, die in unseren Genen noch nachweisbar sein müsste. Durchstreifen der Wälder an kristallklaren Wassern und Flüssen. Auf moosigen Waldböden durch Farne ziehen. Das Licht in den Kronen der Bäume erblicken. Horchen der Vielfalt der Laute im Dickicht. Kochen und essen an offenen Feuern. Die Stimme der Wölfe hören. Dem platschen der Springfische lauschen. Eingebunden sein in eine intakte Natur samt ihren Bedrohungen. Mit Langbögen auf Nahrungssuche gehen. Männer durch echte Herausforderungen gehärtet wie Stahl. Frauen so naturschön wie die Schöpfung. Umgeben von Kindern, voller Selbstvertrauen fröhlich spielend. Es ist eine längst vergangene Zeit. Hört ihr noch den Ruf der Schakale? Nein? Schade! Flieht bevor euch die Maschinen, Computer und Handys auffressen! Eigentlich ist es nicht die Frage der Dauer, wie lange man lebt. Das scheint ja heute Wettbewerb zu sein. Eher: "Habt ihr überhaupt?"..... Na dann,..doch eher viel Lesespass ....Freunde.

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