Bodenlose Heuchelei

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Bodenlose Heuchelei

Von René Zeyer, 11.04.2013

Bislang hat der Berg «Offshore Leaks» ein paar kleine Mäuse geboren. Aber der eigentliche Skandal findet ganz woanders statt.

Nachdem mit Luxemburg und Österreich die beiden letzten Bastionen innerhalb der EU wanken, die gegen den sogenannten automatischen Informationsaustausch (AIA) sind, legen die G-5-Staaten (Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Spanien) nach. Was die USA mit dem Schnüffelmonster FATCA vormachen, soll nun innerhalb der EU gelten, selbstverständlich auch für die Schweiz. Grenzüberschreitender, freier Zugriff auf alle Kontodaten. Damit wäre der finanziell gläserne Bürger Realität geworden.

Heuchelei eins

Die unglaubliche Heuchelei bei FATCA und AIA besteht darin, dass die USA die grössten Off- und sogar Onshore-Steueroasen der Welt betreiben und in Florida die grössten Geldwaschmaschinen des Planeten Drogengeld in erster Linie aus Lateinamerika in den legalen Wirtschaftsbetrieb einspeisen. Während die gleichen USA mit FATCA sich überall den Zugriff auf Kontoinformationen von US-Bürgern erzwingen und gleichzeitig ihr nationales Steuersystem für weltweit gültig erklären, schmettern sie routiniert Rechtshilfegesuche lateinamerikanischer Regierungen ab, die den ihre Stabilität bedrohenden Drogensumpf finanziell trockenlegen wollen.

Heuchelei zwei

Neben den USA betreibt England die umfangreichsten Offshore-Paradiesinseln der Welt. Singapur, Hongkong und Shanghai sind zwar auf dem Vormarsch, aber nicht so schön diversifiziert wie die Commonwealth-Inseln überall auf der Welt und sogar im Ärmelkanal. Spanien und Frankreich teilen sich Andorra, Italien hält sich San Marino, nur Deutschland hat auf diesem Gebiet nichts zu bieten. Alles wunderbare Geldverstecke. Die dort tätigen Treuhänder, Trust-Firmen und Finanzdienstleister wissen nicht, ob sie Tränen des Mitleids oder der Schadenfreude vergiessen sollen, wenn sie die Schweiz betrachten.

Dummheit eins

Die Eidgenossen haben sich, in einer historisch eigentlich einmaligen Zangenbewegung von unfähiger Regierung und zu geldgierigen Bankern ihr schönes Geschäftsmodell mit Bankgeheimnis selbst kaputt gemacht und erfüllen in vorauseilendem Gehorsam sämtliche Auflagen, die ihnen mit FATCA und demnächst AIA gemacht werden. Der Bundesrat kann einen gewissen Stolz nicht verbergen, dass die Schweiz nun sogar von den gleichen Politikern gelobt wird, die vorher ungeniert auf ihr rumtrampelten. Die sich darin zeigende Dummheit ist erschütternd.

Dummheit zwei

Die Schweiz verfügt schon seit Jahren über eines der schärfsten Geldwäschereigesetze der Welt. Daher dürfte der auf helvetischen Konten gelagerte Anteil an Drogenkartellgeldern und anderen aus Verbrechen gewonnenen Einkünften minim sein. Neben den USA und England sind auch Frankreich und Deutschland dafür bekannt, dass es dort mit der Anwendung von Geldwäschereigesetzen nicht so genau genommen wird. In all den Verhandlungen mit den USA, der EU oder innerhalb der OECD ist es der Schweiz nicht im Ansatz gelungen, für all ihre Zugeständnisse und ihren vorauseilenden Gehorsam, für sogar rechtsbrüchige Auslieferung von Kunden- und Mitarbeiterdaten, auch nur die geringste Gegenleistung zu erhalten. Auch das ist erschütternd.

Legal und illegal

Ein Trust oder eine Stiftung wird von der überwiegenden Mehrheit der Privatpersonen, die einen solchen besitzen, völlig legal betrieben. Dass dabei auch völlig legale Steuererleichterungen möglich sind, ist ein hübscher Nebeneffekt, meist aber nicht der ausschlaggebende Grund für die Errichtung einer solchen Konstruktion. Trusts werden auch von Hedge Fonds, Finanzinstituten (alles, was mit dem Begriff «Schattenbank» zu tun hat), institutionellen Anlegern wie Pensionskassen – und natürlich von Verbrecherorganisationen benützt. Nur bei Letzteren handelt es sich um von Anfang an kriminelle Absichten und Zwecke.

Und die Schweiz?

Aus dem ganzen Datenmeer von angeblich 260 Gigabite wurden bislang nur ein verstorbener Multimillionär und eine schillernde Kunstsammlerin mit Schweizbezug der Öffentlichkeit präsentiert. Ohne dass bislang der geringste Nachweis erbracht wurde, dass die beiden durch die Verwendung solcher Finanzgefässe gegen irgendein Gesetz oder sogar nur gegen Steuervorschriften verstossen hätten. Es sieht ganz so aus, als würde dieser grösste Daten-Scoop aller Zeiten im grössten journalistischen Flop enden, seit es die Presse gibt. Die Betreiber der Offshore-Paradiese und wirklich verbrecherische Benützer von Trust-Konstrukten hingegen werden ungeschoren davonkommen. Die Schweiz aber garantiert nicht.

Solange die EU-SSR der Pudel der USA ist, wird sich leider nichts auf der Welt ändern. Aber das wissen viele schon seit Jahrzehnten. Die USA sind immer noch mindestens militärisch eine Weltmacht Auch wenn der US-Dollar wie der Euro nur noch sowiel Wert haben wie Toilettenpapier. Die Frage ist nur wie lange noch. Liebe EU und USA Fans schlaft weiter hinter euren rosaroten Brillen. Wer in der Demoktatie schläft erwacht in der Diktaur.

Wer hat denn schon genügend kriminelle Fantasie und den richtigen Blick, um aus grosser Höhe die Aufstellungen auf dem globalisierten Schachbrett wahrzunehmen? Mit diesem pompös veröffentlichten Offshore Leak wurden wahrscheinlich wieder riesige Schwarzgeldmengen Richtung amerikanische Steuerparadiese verschoben. Eben weil die ja interessanterweise in diesen Leaks (bis jetzt) nicht vorkommen. So wird das Schwarzgeld aus der Schweiz und Europa (mit Ausnahme der Inseln der Britischen Krone) Richtung Amerika getrieben. Das ist der Sinn dieser Aufführung. Was künftig in der Beziehung noch inszeniert wird um an schwarzen Cash zu kommen = spannende Sache. In der Zwischenzeit geht Europa den Bach 'runter. Die verarmenden Bürger lassen sich das nicht mehr gefallen, weils ihnen ganz persönlich ziemlich weh tut - oder ist auf der Strasse schlafen etwa angenehm?

@cathari Sie haben schon recht! Aber wer hat denn schon genügend kriminelle Fantasie und den richtigen Blick, um aus grosser Höhe die Aufstellungen auf dem globalisierten Schachbrett wahrzunehmen? Mit diesem pompös veröffentlichten Offshore Leak wurden wahrscheinlich wieder riesige Schwarzgeldmengen Richtung amerikanische Steuerparadiese verschoben. Eben weil die ja interessanterweise in diesen Leaks (bis jetzt) nicht vorkommen. So wird das Schwarzgeld aus der Schweiz und Europa (mit Ausnahme der Inseln der Britischen Krone) Richtung Amerika getrieben. Das ist der Sinn dieser Aufführung. Was künftig in der Beziehung noch inszeniert wird um an schwarzen Cash zu kommen = spannende Sache. In der Zwischenzeit geht Europa den Bach 'runter. Die verarmenden Bürger lassen sich das nicht mehr gefallen, weils ihnen ganz persönlich ziemlich weh tut - oder ist auf der Strasse schlafen etwa angenehm?

Zeyer for President

Gebt mir einen Diktator wieder, nicht Adolf, sondern die aus dem alten Rom.

die Gigabyte-Story verpufft, sie ist schon die Story von gestern! So ist das halt bei den Journalisten. Die abgedrehten Meldungen heißen Nachrichten und sind nicht mal richtige Informationen. Sie dienen nur zum journalistischen Aufschrei und dann ist es auch schon wieder gut. Bis zum nächsten Aufschrei. Dabei hat dann auch jeder in der Branche sein Geld "verdient".

Aber auch wenn unsere Finanz-Politiker diese "Informationen" bekommen hätten, wären sie sicherlich nach ganz anderen Kriterien durchleuchtet und beurteilt worden. Da taucht dann der Playboy schon nicht mehr auf, weil er schon tot ist und andere nicht, weil sie noch leben.

Scheinbar war das alles nur ein "Gigabyte-Getöse" von der Presse.

Ihr träumt alle von einer besseren Welt, schön für euch! Was ihr wirklich bekommen werdet wird euch später erschrecken! Aber dann redet ihr ja schon von der guten alten Zeit. Wie schön es damals noch gewesen ist, als Freiheit nicht nur ein Wort war.

Nun Herr Zeyer, die schweizer Politik hat das Messer der USA und der EU am Hals und hat keinen Millimeter Spielraum...zu ihrem Trost, auch in diesen Ländern treibt die Finanzwirtschaft die Politik vor sich her

Natürlich hat jeder Kommentator das Recht usw. Aber da gerade heute (mal wieder) ein Artikel von mir bei der WeWo erschienen ist, könnte er sich problemlos peinliche und berechtigte Zweifel an seiner eigenen Kompetenz ersparen ...

Heute ist der X und was @Gast kommentiert, interessiert eigentlich niemanden. Trotzdem darf er selbstverständlich weiterhin mitmachen - muss nicht bei der Weltwoche sein Glück versuchen.

Wenn die Schweizer Regierung so bodenlos dumm ist,wie R. Zeyer ständig behauptet, warum haben wir dann die niedrigste Arbeitslosigkeit und eine der tiefsten Staatsverschuldungeb weit und breit? Wo bleibt das Augenmass dieses Analysten?

Wenn die Schweizer Regierung so bodenlos dumm ist,wie R. Zeyer ständig behauptet, warum haben wir dann die niedrigste Arbeitslosigkeit und eine der tiefsten Staatsverschuldungeb weit und breit? Wo bleibt das Augenmass dieses Analysten?

Ja, hier haben wir ihn wieder, den Katastrophismus. (1) Die Schweiz ist wirtschaftlich erfolgreich, und die Politik hat das zumindest nicht verhindert. (2) Es geht nicht um «Gegenleistungen» für mehr Transparenz der Banken und härtere Gesetze gegen Geldwäscherei. Das liegt im Eigeninteresse der Banken, und es ist gut, dass die Politik dabei hilft. (3) Zeyers Frustration über den Verlust des Bankgeheimnis ist vorgestrig. Die Schweiz und die Banken können und müssen auch ohne. (4) Es gibt genügend Anlass, die Schweizer Politik zu kritisieren (unsinnige Steuerwettbewerbe der Kantone, mangelnde Impulse in der Bildungspolitik z Bsp), aber die Wirtschafts- und Finanzpolitik ist solange in Ordnung, bis die Arbeitslosenzahlen und die Staatsverschuldung in Ordnung ist. (5) Herr Zeyer würde wohl tatsächlich ganz gut zur Weltwoche passen, aber da ist sein ehemaliger Deutsch-Schüler am Ruder, der Ressentiments gegen seinen ehemaligen Deutschlehrer hegt. Vielleicht sind die ja berechtigt. Dann nämlich, wenn sich Zeyers Kompetenz als Germanist auf dem Niveau seiner Wirtschaftskompetenz befindet

Wir hätten den AIA gegen freien Überflug in D für den Flughafen Zürich tauschen sollen.

Heute ist der 721. Tag, seit Herr Zeyer den Zusammenbruch von Euro und EU prophezeit hat. P.S. Ich finde gut, was er schreibt. Nur das Umfeld stimmt nicht. Zeyer sollte in der Weltwoche schreibenm

Nicht alle Nordlichter sind Aurora`s. Es gibt auch wüste Kugelblitze. Ihre Markenzeichen bestehen darin, als Robin Hoods maskiert, poltern durch die Landschaft zu ziehen und Neid zu schüren. Sie neigen auch dazu, Dinge zu versprechen die sie selbst nie halten konnten. Ein Choleriker wegen Nichtbeförderung, randgefüllt mit Rachegelüsten, wurde in eine Sendung eingeladen um in luftleerer Ionosphäre sein eigenes Land zu beschmutzen und wilde Rundumschläge zu verteilen. Sie alle haben etwas gemeinsam, sie arbeiten den Rockefellers in die Hände, die den bargeldlosen Zahlungsverkehr anstreben. Dadurch verliert jedes Individuum die Kontrolle über seinen Staat. Der daraus resultierende totalitäre Staat hat dann die Möglichkeit der Kontrolle über jeden Einzelnen, wo er sich bewegt, wie viel Geld er hat, was er damit macht……..eben das vierte Reich! Wollt ihr das? Na gut aber, diese Leute machen sich daran Demokratie zu missbrauchen und als Wegbereiter für einen neuen Faschismus der andern Art umzubauen! Das Vorbild USA hat bereits unzählige Lager für renitente Bürger eingerichtet und ein Gesetz beschlossen welches erlaubt, jeden amerikanischen Bürger weltweit ohne Gerichtverhandlung zu töten!...sollte er oder sie eine Gefahr ( sehr relativ) für ihr Land darzustellen. Erwacht! Guantanamo lebt!...trotz oder gerade wegen nicht eingelösten Versprechen. Steuerbetrug war immer ein Verbrechen, Steuerhinterziehung eher ein Hobby des kleinen Mann/Frau seins, Faschismus jedoch ist etwas ganz anderes! Eher trau ich den Wölfen als diesen selbsternannten Gutmenschen.

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