Blattschuss

René Zeyer's picture

Blattschuss

Von René Zeyer, 10.01.2012

Ein Mann gibt sein Ehrenwort, dass seine Darstellung der Wahrheit entspricht. Und tritt zurück, weil er sie nicht restlos beweisen kann. Durch nichts als den Restzweifel ist seine Integrität beschädigt. Seine Angreifer haben aber entschieden mehr Erklärungsbedarf.

Es ist möglich geworden, den Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank mit erfundenen Anwürfen («Gauner», «Lügner», «Währungsspekulant», «Strafanzeige erstattet») aus dem Amt zu putzen. Ob es auch ungestraft möglich ist, wird sich noch weisen.

Verkehrter Rechtsstaat

Einem Beschuldigten muss seine Tat nachgewiesen werden, keinesfalls muss das Opfer einer Verleumdung seine Unschuld beweisen. Offensichtlich kann dieses rechtsstaatliche Grundprinzip von der sogenannten vierten Gewalt, der Presse, ausgehebelt werden. Die Folgen wurden hier schon prognostiziert: Sie beinhalten, dass jeder Staatsbürger, Amtsträger oder Politiker in der Schweiz damit rechnen muss, unversehens mit kriminell erworbenen Informationen aus seinem Privatbereich, ehrenrührigen und völlig haltlosen Beschuldigungen und Verleumdungen attackiert zu werden.

Offen ist noch, ob auch der zweite Teil der Prognose zutrifft: "Und während der dadurch verursachte Image- und Reputationsschaden irreparabel bleibt, könnte sich der Angreifer mit einem «da haben wir wohl im Detail Fehler gemacht», aus der Affäre schleichen.“ Es ist den Angreifern gelungen, mit ehrenrührigen und falschen Anwürfen die Glaubwürdigkeit des Nationalbankpräsidenten so zu beschädigen, dass er sich nicht mehr in der Lage sah, seine Funktion zum Wohl der Schweiz weiter auszuüben. Er wurde aus dem Amt geschrieben.

Wie weiter?

Was aber ist mit der Glaubwürdigkeit der «Weltwoche»? Müsste aus guten Gründen nicht auch deren Chefredaktor zurücktreten, weil sein Blatt erwiesenermassen gegen die meisten journalistischen Grundregeln verstossen hat? Ihm steht, im Gegensatz zu seinem Opfer, wohl eine zivil- und strafrechtliche Aufarbeitung noch bevor.

Nachdem es nicht mehr um «Weltwoche» gegen Hildebrand gehen kann, muss es um die «Weltwoche» allein gehen. Sie mag weiterhin probieren, ihre Unschuld zu beweisen, an welcher grundlos aufgedrängten Aufgabe Hildebrand letztlich scheiterte. Man kann dem Bemühen in aller Ruhe zuschauen, obwohl schon jetzt ihre Schuld bewiesen ist. Das verbietet allerdings nicht, mit noch etwas mehr seriöser Recherchierarbeit die Aufdeckung zu vollenden, nämlich die «eines dichten Geflechts von Lügnern und Vertuschern», um die «Weltwoche» für ein Mal zustimmend zu zitieren.

Fakten, Fakten, Fakten

Philipp Hildebrand konnte nicht im entferntesten illegales Handeln oder der Verstoss gegen Regularien nachgewiesen werden, nicht mal im Ansatz. Fakt ist weiter, dass ihm keine Lüge, keine Gaunerei, keine unerlaubte Währungsspekulation und keine anhängig gemachte Strafanzeige nachgewiesen werden konnte. Fakt ist vor allem auch, dass die «Weltwoche» all das behauptet hat. Fakt ist zudem, dass ihre Anwürfe auf reinem Hörensagen beruhen und aus einem illegal erlangten privaten Kontoauszug von ihr schier endlose Interpretationskaskaden abgeleitet wurden. Fakt ist schliesslich, dass die «Weltwoche», nicht Hildebrand, mehrfach und nachweislich gelogen hat.

Der Sarasin-Kadermitarbeiter, der private Kontoauszüge entwendete, ist wegen Selbstmordgefährdung in eine psychiatrische Anstalt zwangseingewiesen worden. Der Anwalt, der das Diebesgut laut eigenen Angaben an die «Weltwoche» und an Christoph Blocher weitergab, hat sich selbst einen Anwalt genommen, weil er wohl ahnt, dass seine Zulassung in Gefahr gerät. Die an dieser Intrige Beteiligten widersprechen sich inzwischen öffentlich gegenseitig, ob sie die Unterlagen weitergeben haben oder nicht, ob sie die Dokumente gesehen haben oder nicht, ob sie sich getroffen haben oder nicht. Ungereimtheiten zuhauf.

Durch Lügen zur Wahrheit?

Soll das alles nur der Wahrheitsfindung gedient haben? Vor allem aber: Welcher Wahrheit und worüber? Erwirbt man sich mit geklauten Kontoauszügen und deren Ausschlachtung die moralische Integrität, einen Philipp Hildebrand wegen eines von ihm eingestandenen Fehlers wegzuhauen? Im Moment sieht es leider so aus, als ob Lügenbarone, Intriganten, Heckenschützen und ferngesteuerte Initianten einer politischen Hetzkampagne triumphieren könnten. Wenn das so bleibt und keine Folgen hat, ist der Schaden sehr viel grösser, als wenn Hildebrand Präsident der Schweizerischen Nationalbank geblieben wäre.

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Sehr geehrter Herr Zeyer angesichts der Flut von Zuschriften, die Sie mit Ihren treffenden Beiträgen zu generieren vermögen, beschränke ich mich auf einen dankbaren Gruss.

H.R.Roth (Rojo),5734 Reinach AG

Danke Herr Zeyer, hervorragender Artikel. Klar und scharf haben Sie das dargestellt. So ist es. Kann ich zu 99,9999999 % (hihi) unterschreiben. Viele andere Artikel von Ihnen kann ich ebenso als hervorragend bezeichnen. Weiter so. Danke.

Absolut richtig! Nimmt sich der Presserat der Sache an? Die "Weltwoche" ist zu einem reinen Rachefeldzugsvehikel des alten verbitterten, gescheiterten Ständeratskandidats, abgewählter Bundesrats Christoph Blocher verkommen.

Warum sagt man nicht endlich und immer wieder, wie Blocher - gemäss einem Artikel im Bund - die Familie Oswald über den Tisch gezogen und sich der Emser Werke bemächtigt hat? Ein gemeiner Betrug zum Start einer Wirtschaftskarriere? Da ist Hildebrands sogenanntes "Vergehen" im Vergleich auch rein gar nichts.

Brillant geschrieben. Die Schärfe ist richtig. Sowohl NZZ wie auch Tagi haben keinen Durchblick in dieser Geschichte. Wichtig, dass man nun alles unternimmt, dass der Blochersche Feldzug nun nicht in einen Krieg ausartet. Man sollte nicht vergessen, Blocher hat Banker, der schlechten Sorte wie Ebner wie auch Ospel in seinem Umfeld. Eine Übernahme der SNB von Heuschrecken können dann die Bürger ausbaden.

Sehr geehrter Herr Zeyer

Ich finde Sie beschreiben das alles sehr richtig und schön. Doch sind es nicht zuletzt Ihre Berufskollegen an der Förrlibuck- und wohl bald auch an der Hochbergerstrasse welche politisch gesteuert die Machenschaften Ihrer Wohltäter gezielt zum Erfolg verhelfen?

Ich bin gespannt was nun noch folgen wird. Sie Herr Zeyer haben den Sprung ins Web ja scheinbar geschafft, wer hätte das vor einigen Jahren noch gedacht?

MFG S

An fast alle! Die Schweiz verteidigt man nicht in dem die sogenannt freie Presse ein Reduit aufbaut und aus allen Rohren auf einen fiktiven Feind schiesst ohne zuerst abzuklären ob da was dran ist. Der scheinbar unnötige Rücktritt spricht ja für sich. Und die Moral von der Geschicht....Als SNB Präsident sollte man keine Insidergeschäfte tätigen....ob erlaubt oder nicht! Konzertierte Reflex-Abwehr aus dem Bauch heraus stärkt niemals das Demokratievertändnis und gibt nun der Weltwoche eine höhere Gewicht. Eigentore sind die schmerzlichsten...oder nicht?

Wenn man weiss, dass Häscher einen aufhängen wollen, ist es dumm, ihnen auch noch den Strick dafür zu liefern.

Was mich fast noch trauriger macht als dieser unwürdige Vorgang, mit dem Charakterlumpen einen hervorragenden Notenbanker abschiessen, ist, wie dieser der geifernden Meute auch noch abschliessend einen Grund zum Triumph liefert. Warum ist Hildebrand mit Scheubers Gesprächsnotiz nicht schon früher herausgerückt? Formal steht er auch so noch als korrekt Handelnder da, wenn auch nur noch ganz haarscharf, und moralisch war der Devisenkauf/-verkauf von Mitte Jahr sowieso falsch. Hätte er alles am Anfang transparent gemacht, hätte er sich im Amt halten können, was gut für die Schweiz gewesen wäre. Jetzt zeigt Blochers Sturm-Abteilung die Gesprächsnotiz herum wie einen Schuldbeweis, was sie natürlich nicht ist.

Interessieren täte mich die Rolle der Bank Sarasin, die ja die Unterlagen zum Sturz Hildebrands nachgeliefert hat.

Zur Weltwoche ist zu sagen, dass die nicht nur so laut schreien und masslos übertreiben musste, um den Auftrag von Kreditor Blocher - Blattschuss Hildebrand - zu erledigen, sondern auch, weil sie die Story anfangs schlicht verpennt und dies zu kaschieren hatte.

In jedem normalen Land dieser Erde würden solche Menschen, die vor versammelter Schweizer Presse, geifernd die Köpfe der wichtigsten Amtsträger fordern und alle wichtigen Institutionen, bis hin zum Bundesgericht, diese desavouieren und durch intrigante Kampagnen destabilisieren, des Landesverrates angeklagt! Hier in der Schweiz legt man diesen Gaunern den roten Teppich hin und feiert die Verräter! Die Schweiz ist in Geiselhaft einer kriminellen Clique und leidet zu dem am Stockholm Syndrom.

Tatis Schützenfest (Jour de fête) oder doch Freischiessen? Die einen treffen in`s Schwarze doch die Mehrheit ziehlt auf die falschen Scheiben und kriegt rote Köpfe.C'est la vie! Nicht Herr Köppel ist zurückgetreten sondern Herr Hiltebrand. Bleibt für alle nur noch die Frage:" Warum nur? Warum?" Eventuell kriegen wir noch Antworten.....eventuell!

Danke, Herr Zeyer, für Ihre Äusserungen. Eine Wohltat. Dass der Abgang Hildebrands zu Turbulenzen für die Schweiz führen wird ist wohl kaum abwendbar. Dass daraus ein Absturz für die Weltwoche resultiert, bezweifle ich (leider). Ich bedaure zutiefst, dass wir mit dem gehässigen "Abschuss" Hildebrands von rechtsextremer Seite (SVP, Weltwoche) an die 30er Jahre erinnert werden. Damals war es üblich Andersdenkende anzuschwärzen, statt ihnen zuzuhören. Es fehlt jetzt eigentlich nur noch eine organisierte "SVP-Polizei", die für "Ordnung" sorgen möchte. Die Strategen und das zugehörige Parteivolk scheint - wenn auch in der Minderheit - vorhanden. Passen wir also auf, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.

Herr Zeyer, Ich bedaure es sehr, Ihre Zeilen nur hier und nicht auch in den grossen Zeitungen unseres schönen Landes lesen zu können...

Die Anschwärzer (Weltwoche und ihre SVP-Verbündeten) wussten natürlich genau, dass schon der blosse Verdacht oder Anschein eines unkorrekten Verhaltens des SANB-Direktionsvorsitzenden genügen kann, um ihn aus dem Amt zu ekeln. Umso mehr ist zu hoffen, dass die Weltwoche, ihre Autoren und die übrigen "Mitwirkenden" zur Rechenschaft gezogen werden.

Sehr geehrter Herr Zeyer,

Ihr acharnierter Kommentar zur Affäre Hildebrand kommt einwenig von ferne aus der sichern Zürcher Distanz zum Geschehen daher. Er erscheint auch eher veraltet – und wenig auf Tatsachen abgestützt.

Fakt nämlich ist: Es geht hier nicht um ein Gerichtsverfahren mit "Umkehrung der Beweislast", wie Sie beklagen. Es geht um einen schon fast klassischen Fall von Enthüllungen rund um gravierende Missstände an der Spitze unserer Notenbank. Dass nämlich der oberste Chef der Nationalbank trotz einem satten "Sicherheits-Salär" von 995 000 Franken im Jahr (83 000 Franken Monatslohn) nebenbei noch ein wenig mit Aktien (insurance bonds) und Währungen (USD!) "tradet" und spekuliert – das geht nun halt leider gar nicht. Wenn er die üble Sache dann auch noch seiner Frau in die Schuhe schieben will, und nachweislich Unwahrheiten dazu verbreitet, ist er definitiv nicht mehr tragbar. Konkret: Was Herrn Hildebrands "Ehrenwort" wert ist, hat sich gestern sofort nach seiner zweiten "sehr eindrücklichen" (wie die meisten Medienleute meinten) Pressekonferenz in Bern gezeigt. Erst dann nämlich hat er seine oft zitierten E-Mails ins Netz gestellt, so dass Fragen zum ominösen 15. August gar nicht mehr möglich waren. Die Mails zeigen, dass Herr Hildebrand entgegen seinen "ehrenwörtlichen" Beteuerungen über die damaligen Dollarkäufe für genau 400 000 Franken zulasten seines Sarasin-Kontos ebenso im Bilde war, wie nur Wochen später über deren Verkauf mit 75 000 Franken Gewinn. Er hat die Sache am 15. August mit seinem Finanzberater Felix Scheuber besprochen. Dieser mailt mit Datum vom 16. August: "I also remember you saying in yesterdays conversation that if Kashya wants to encrease the USD exposure then it is fine with you." Inzwischen steht somit fest: Herr Hildebrand hat alle geblufft und geblendet. Sein "Ehrenwort" ist nichts wert – ein junk bond oder giftiges Papier sozusagen. Das räumt sogar die heutige NZZ nun ein. Und in Bern sehen es selbst die naivsten Medienleute ein, die den SNB-Chef aus einer reflexartigen Anti-Blocher-Haltung heraus leider lange noch verteidigt und ihm geglaubt hatten. Blocher ist in der ganzen Sache ohnehin unwichtig. Und wenn schon: Was hätte denn etwa ein Nationalrat Jositsch anderes tun können, als Blocher: Nämlich mit den Informationen über fragwürdige Vorkommnisse an der SNB-Spitze zur Bundespräsidentin zu gehen?

Wichtig jedoch ist wie schon im Falle Zuppiger zudem nicht, woher die Enthüllung kam. Wichtig ist für unser Land dies : Einen heimlichen, internationalen Finanz-Spekulanten können wir als SNB-Chef ebenso wenig brauchen, wie einen heimlichen lokalen Leichenfledderer als Bundesrat. Darum ist es ganz gut, dass Herr Hildebrand gegangen ist.

Aber keine Sorge, Herr Zeyer: Herr Jordan, den der Bundesrat wohl schon morgen zum neuen SNB-Präsidenten wählen wird, ist auch ein ganz solider Bankier - und jedenfalls kein eitler Blender aus der dubiosen Hedgefonds-Halbwelt.

Mit bestem Gruss und Wünschen! Niklaus Ramseyer, Bern

PS: Tout ceci dit, können Sie natürlich weiterhin glauben, Herr Scheuber lüge. Und Herr Hildebrand habe mit ihm am 15. August tatsächlich jegliche kleinen Aktien- und Devisenkäufe über sein Sarasin-Konto (für das Hildebrand so oder so verantwortlich ist) diskutiert – nicht aber über den "lächerlich günstigen" (Frau Kashya) Dollarkauf für 400 000 Franken. Glauben macht selig.

Fjodor Dostojewsky

Die Brüder Karamasow

Nachträglicher Einschub einer kleinen Novelle am 9. Januar 2012

Iwan überreichte Dmitri schweigend einige Seiten.

Hildebrand und Wulff

Hildebrand hatte sich mit all seiner immensen Intellektualität in seinem weitläufigen Gedankenpalast hoffnungslos verirrt und schliesslich seinen Untergang gefunden. Er hat jedoch die Kraft gefunden, den Weg seines Denkens in die Gefilde der Stille genau zu beschreiben:

In der kurzen Zeit des Nachdenkens in der Mitte des Tornados wurden mir die drei Dimensionen meiner Probleme bewusst.

Erstens war da die juristische Frage, die war einfach, klar und leicht zu beantworten: Ich habe nichts Böses gedacht und nichts Böses getan.

Zweitens war da die Historie meiner Fehlentscheide. Darüber wurde sehr viel gelogen und verzerrt. Ich bin mit mir im Reinen, Ich habe nie gelogen und beschwöre bei meiner Ehre die von mir dargelegten Fakten.

Drittens - und das zählte am Ende - erkannte ich Ihre - liebe Mitbürger - subjektive Sicht auf die Geschehnisse und die physische Unmöglichkeit, hier meine Wahrheit einzubringen. Meine Unschuld ist nicht beweisbar. Weder durch mich noch durch andere. Wenn ich als Präsident der Nationalbank vor Ihnen stehe, werden - was immer ich sage - einige von Ihnen sich immerzu fragen, ob es sein könnte dass ich lüge. Vielleicht wären das nur Wenige, vielleicht aber die Hälfte von Ihnen.

Das ist für mich und für mein Amt nicht akzeptabel und deshalb stelle ich jetzt mein Amt zur Verfügung.

Trotz ihrer Gegensätzlichkeit - hier der von Kompetenz strotzende und auf seine innere Würde bedachte - dort der leere Popanz. Hier der Tatmensch - dort der Profiteur - sind die Abgänge der beiden grossen Würdenträger miteinander verknüpft.

Nachdem Hildebrand in Würde gegangen ist, wird Wulff Tage später von den entfesselten Töchtern der Nacht aus dem Palast des Tartarus unversehens in Fetzen gerissen werden.

„Die losgebundenen Furien der Wuth Ruft keines Herrschers Stimme mehr zurück.“ Auch nicht das Himmelsgeflüster der Angela.


Hildebrand hat mit seiner fulminanten Rücktrittsrede die eigentliche Schweiz - senza SVP, versteht sich - berührt und er ist als Ehrenmann aus der Affäre und seinem Amt herausgekommen. Seine Riesenkarriere hingegen ist versifft.

Allerdings hat er sich in seinem Gedankengang geirrt. Die Dokumente zeigen finanzielle und epistemologische Irrwege und groteske Selbsttäuschungen die erklär- und verzeihbar gewesen wären. Das jedoch hat er selber nicht verstanden und es deshalb nicht darzulegen versucht. Die Zeit dazu hätte er gehabt. Aber er ist in seinem Gedankengbäude in den falschen Flügel geraten. Es ist ein Jammer. Er hat sich wohl auch darüber getäuscht, dass er am Schluss nicht mehr der eigentliche Herr seines Schicksals gewesen ist.

Mitgeteilt von Hannes

Mit Herrn Zeyer hoffe auch ich, dass dies hoffentlich nicht der letzte Akt eines schlechten Trauerspiels bleibt.

Dass Philipp Hildebrand geht, ist äusserst bedauerlich und der Schweiz nicht zuträglich, aber der Rücktritt ist nach allem Geschehenen leider folgerichtig.

Unausstehlich sind vorab das undurchsichtige Agieren von Christoph Blocher und die Hass-Tiraden der Weltwoche. Ja, man kann sich wirklich fragen, ob Christoph Blocher und Roger Köppel nicht auch zurücktreten müssten, der eine, weil er lügt und mauschelt, und der andere, weil er seinen Journalisten-Job offensichtlich unsachgemäss ausführt.

Dass Philipp Hildebrand das politische Heu nicht auf der gleichen Bühne wie die SVP und die Weltwoche hatte, ist nicht neu. Über das angebliche Insider-Vergehen von Hildebrand entsetzen sich die gleichen Kreise, die jegliche Massnahmen gegen die Millionen-Abzocker und die strengere Regulierung der Banken verhindern, die den Zusammenhalt der Schweizer Bevölkerung ernsthaft gefährden. Und sie schützen auf Biegen und Brechen die für das Ausland betrügerische Steuerhinterziehung und nehmen bedenkenlos die Verwerfungen mit den betroffenen Ländern in Kauf. Auch hier hätten Politik und Medien einen moralischen Anspruch zu erfüllen.

Kommt dazu, dass die SVP mit ihrem Nationalrat Bruno Zuppiger, der ein Strafverfahren am Hals hat, u.a. weil er Fr. 100'000 von einem ihm anvertrauten Legat in die eigene Tasche abzweigen wollte, äusserst äusserst pfleglich umgeht.

Heuchelei und Doppelmoral sind Gift in einer Gesellschaft. In diesem Sinne ist der gradlinige Philipp Hildebrand der falsche Mann, der den Hut nehmen musste.

In jeder Zeile, Herr Zeyer, sprechen Sie mir und so vielen Menschen aus dem Herzen, die bei diesem Ränkespiel ohnmächtig zusehen mussten wie unser hoch geschätzter, moralisch integerer Nationalratspräsident, Herr P. Hildebrand, der ein feiner, ehrwürdiger Mensch ist, geopfert wurde. Man stellt sich viele Fragen. Eine davon betrifft die einseitige, Anti-Hildebrand-Berichterstattung in den meisten Medien. Ich fand das alles zum K. Die Gegenspieler klassieren sich gleich selbst.

immerhin weiss compañero und ci-devant trotzkist zeyer aus dem lande fidels noch, wie man mit missliebigen meinungen umgeht: wenn die versenkung im kerker halt einfach nicht möglich ist, dann mindestens verbieten.

Letztlich hat die SVP die Saat über die letzten Jahrzehnte ausgebracht: was wir heute ernten ist eine anstands- und respektlose Art des Diskurses in der auf dünner Faktenlage auf das Opfer eingeschlagen wird, bis es sich der Attacke ergeben muss. Leider spielen in diesem Spiel auch die anderen Medien nebst der Weltwoche tüchtig mit aus Angst etwas zu verpassen. So hätte bspw. die Medienkonferenz von Blocher von gestern schlichtweg ignoriert werden müssen, da es da ohnehin nur darum ging auf Kosten von Hildebrand das SVP Süppchen (weiter) zu kochen.

Ist es nun so, dass jeder Politiker oder Unternehmensführer wenn er mit 0,2 Promille Blutalkohol Auto fährt und verpfiffen wird aus moralischen Gründen abtreten muss?

Grüezi, Google hat mich heute auf ihre Seite gebracht. Warum? Ich bin simple eine Bürgerin die grosse bedenken und vorbehalte zum neuen Stil, Wahl der Worte der schweizer Massenmedien und Wahrnehmung ihrer Aufgaben (als vierte Säule) hat. Ihr Beitrag ist und das ist ein Kompliment meinerseits an Sie, der erst inländische Artikel der sich mit meiner persönlichen Meinung und Wahrnehmung deckt. Auch frage ich mich, wie unabhängig sind Verlage und Journalisten in der heutigen Zeit noch? Oder stehen wir nicht alle, vom Parlamentarier, einfachen Arbeiter, Journalist bis hin zur Hausfrau/mann in irgendwelchen Machts- und Abhängigkeits-Beziehungen. Um beim Beispiel der Glaubwürdigkeit der Weltwoche anzuknüpfen: wie kann Hr. Köppel seine finanzielle Unabhänigkeit die Unvoreingenommenheit unter Berücksichtigung seiner Werbeeinnahmen beweisen? Und wie hat er damals den Kauf finanziert? Wäre er bereit dies der Öffentlichkeit preiszugeben? Steht er nicht im Interessenkonflikt alleine gerade wegen seiner Doppelfunktion als Verleger und Redakteur abgesehen von seiner politischen-ideologischen Überzeugung. Ist damit nicht rational betrachtet bereits eine objektive Berichtserstattung der Weltwoche unmöglich? Abgesehen von der moralischen Vorverurteilung und Meinungsbeeinflussung, wegen und mit die Wahl der Worte, am Leser die sein Blatt gemacht hat. Redaktioneller Zeitmangel als legitimes Argument nennt für die Unterlassung der Quellen Überprüfung die zu seinem Berufsstand (Ethos) gehört. Ich möchte an dieser Stelle abschliessen, weil ich schlicht und einfach gar nicht alles Aufzählen kann was mir aufstösst. Danke nochmals für Ihren geschätzten Beitrag. Jolanda Müller

PS. Bezgl. Sperrfrist wenn das FIFO Prinzip von Hr. Hildebrand's Gegnern ja nicht als legitimes Argument anerkannt wird, bedeutet dies: nach dem letzten Kauf von Devisen verlängert sich die Sperrfrist für einen Verkauf automatisch um weitere 6 Monate. Somit könnten dann früher gekaufte $ Jahre im Topf bleiben.

Wenn man sich anschaut, welche Wut- und Hassattacken und Verdächtigungen von Links und der Mitte gegen Ch. Blocher schon seit Jahren losgehen, kann man nachvollziehen, warum es andere vorgezogen hatten, Ch. Blocher den "Königsmörder" spielen zu lassen. Feige Bande, das.

Es ist tatsächlich etwas faul im Staate Schweiz, wenn man Leute aburteilen kann ohne den Grundsatz unseres Schweizer Rechtsstaates - im Zweifel für den Angeklagten - zu beachten; wenn man Leute aburteilen kann auf Grund von ad-hoc (um-)definierten Moral- und Begriffsvorstellungen; und schliesslich wenn man all dies systematisch tun kann, ohne dass man irgendwelche nennenswerten Folgen befürchten muss.

Es ist trauriges Kapitel für die Schweizer Medienlandschaft, aber wenigstens gibt es noch das Journal21. Danke Herr Zeyer, Sie scheinen manchmal die letzte Bastion der Vernunft zu sein.

Ein graues Schaf ist von schwarzen Wölfen in weissen Schafspelzen zerfleischt worden.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren