Bildung für Entwicklung

Markus Schönherr's picture

Bildung für Entwicklung

Von Markus Schönherr, Kapstadt - 12.01.2013

Die fünf staatlichen und zehn privaten Universitäten in Côte d’Ivoire haben seit der Neueröffnung im vergangenen September erstaunliche Fortschritte gemacht. Doch die Universitäten sind zum Bersten voll, wie jetzt ein Mitarbeiter der staatlichen Studienkommission im Interview erzählte. Zu viele Studenten für ein Entwicklungsland – gibt es das?

„Als Ökonom bin ich überzeugt, dass eine Investition in die Universitäten den grössten Gewinn in Sachen Entwicklung erzielt.“ Das sagte Präsident Alassane Ouattara bei der Neueröffnung der Université Félix Houphouët-Boigny letzten September. 17 Monate waren die Universitäten im Land geschlossen, nachdem sie im Zuge der umstrittenen Wahlen 2010 zur politischen Bühne für radikale Studentenbewegungen verkommen waren. Die Schliessung sei laut Präsident Ouattara seine bisher „schwierigste Entscheidung“ gewesen. Schäden an der Infrastruktur, weitgehende Korruption und ein versagendes System hätten ihn jedoch zur Schliessung gezwungen.

W-Lan und Sportfelder

Knapp zwei Jahre später: Die Universitäten sind wieder offen und wollen 2013 neu durchstarten. Die Regierung hatte den Lernstopp genutzt, um 110 Milliarden CFA (167,8 Mio. Euro) in die Renovierung zu stecken. Der „Africa Report“ berichtet in seiner Dezember-Ausgabe von neuen Vorlesungs- und Wohnräumen, Sportfeldern und Internetcafés. Zudem können die Studenten nun online immatrikulieren. Mit dem flächendeckenden W-Lan auf dem Campus sollen sie bald schon auf die geplante digitale Bibliothek zugreifen können. Die christliche Fakultät erhielt dieses Semester sechs neue Departmente, darunter jenes für „Christliche Betriebswirtschaft“ und „Lebensberatung“. Der Direktor des Ministeriums für Höhere Bildung, Edmée Abbouattier-Mansilla, gesteht: „Die Unis wurden in den letzten 15 Jahren heruntergewirtschaftet, 2011 verschlechterte sich die Situation noch mehr.“ Mit den Neuerungen wolle man jedoch den Bildungssektor reformieren und die Universitäten zu „herausragenden Institutionen“ machen.

Präsident will Dozenten stärken

2013 will die Regierung die Arbeitsbedingungen der Dozenten verbessern. „Dauerhafte Entwicklung ist nur möglich, wenn die personellen Ressourcen von hoher Qualität sind“, so Ouattara. Zum Jahreswechsel gab das ivorische Finanzministerium drei Milliarden CFA (4,6 Mio. Euro) frei, um die Überstunden der Professoren auszuzahlen. IT-Spezialisten der „Agentur der frankophonen Universitäten“ (AUF) trainieren die Vorlesenden in ihren Computerkenntnissen, in der Hoffnung, dass diese auch bald Onlinekurse anbieten.

Universitätsdorf 2013?

Die grösste Herausforderung besteht jedoch nach wie vor, meint Charles Brou, Projektleiter der Agentur für Studientechnik und -entwicklung (BNETD): „Die Universität von Abidjan wurde für 6000 Studenten errichtet, heute beherbergt der Campus 60’000.“ Auch die anderen Universitäten hinken der hohen Einschreibung hinterher. Nach Einschätzung der Regierung würden die Lehrstätten den hohen Erwartungen, „nämlich die Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur weiterzuentwickeln“, nicht gerecht. Zusammen mit dem Ministerium für höhere Bildung plant die BNETD derzeit ein Universitätsdorf, etwa 24 Kilometer abseits der Hauptstadt gelegen. Das Dorf soll insgesamt 50’000 Studenten und Angestellte beherbergen und diesen Restaurants, Konferenzräume, Vorlesungssäle und Einkaufszentren bieten. Der Bau soll umgerechnet eine halbe Milliarde Euro kosten. Auf ein Datum für die Fertigstellung möchte sich Brou nicht festlegen, „denn die Regierung übernimmt die Finanzierung allein.“

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren