B & B wie Beethoven & Barenboim

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B & B wie Beethoven & Barenboim

Von Annette Freitag, Berlin - 08.12.2019

An Ludwig van Beethoven kommt in den nächsten zwölf Monaten niemand vorbei. Vor 250 Jahren wurde der Komponist geboren, der als «Titan» in die Musikgeschichte eingehen sollte.

Beethovens genauen Geburtstag kennt man nicht, vielleicht war es der 16. Dezember. Getauft wurde er jedenfalls am 17. Dezember 1770 in Bonn. Ein ganzes Jahr lang darf also gefeiert werden. Und reihum rüstet man sich fürs Beethoven-Jahr. Auch in Berlin, im Boulez-Saal, womit gleich noch einmal zwei B zu vermelden sind …

Den Auftakt macht der Hausherr höchstpersönlich: Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Staatsoper unter den Linden, aber auch Initiant der Barenboim-Said-Akademie, einer Musikhochschule in Berlin, und dem dazugehörigen Boulez-Saal. Mehrfach ausgezeichnet und hochdekoriert, ist Barenboim auch ein unbeirrt streitbarer Kämpfer für junge Musiker aus dem Nahen Osten, und, und, und … und vor allem: Pianist und Dirigent.

Opus 1, Nr. 1

Mit dem Zyklus der Klaviertrios von Ludwig van Beethoven hat Daniel Barenboim nun auch sein persönliches Beethoven-Jahr eröffnet, begleitet von seinem Sohn Michael Barenboim an der Violine und dem jungen Cellisten Kian Soltani. Natürlich im Berliner Boulez-Saal. 

Im Trio: Michael Barenboim an der Violine, Daniel Barenboim und Kian Soltani am Cello  Foto © Monika Rittershaus
Im Trio: Michael Barenboim an der Violine, Daniel Barenboim und Kian Soltani am Cello Foto © Monika Rittershaus

Was sucht man aus, um den ersten Schritt in dieses Jubiläumsjahr zu machen? Für Barenboim war es klar: Opus 1, Nr. 1. Das ist das Klaviertrio in Es-Dur. Das Werk ist zwar klar und unmissverständlich nummeriert, das erste ist es aber trotzdem nicht … seinen vorherigen Kompositionen hatte Beethoven einfach keine Nummer gegeben. Es wird vermutet, dass Beethoven selbst noch nicht ganz zufrieden war mit den Stücken und sie deshalb gar nicht erst nummerierte. Beethoven war damals 22 Jahre alt, lebte in Wien, liess sich von Haydn und Salieri ausbilden und war bereits ein hochbegabter Pianist. Nun aber kamen die Klaviertrios. Beethoven zeigte sich schon da als Neuerer, was nicht bei allen Kritikern gut ankam. Im Programmheft wird ein damaliger Rezensent zitiert, der die Trios als «konfuse Explosionen dreisten Übermuts eines jungen Mannes von Talent» beschrieb.

«Ich beschäftige mich mit den Beethoven-Klaviersonaten seit meiner Kindheit», sagt Daniel Barenboim. «Ich glaube, ich war neun, als ich anfing. Den gesamten Zyklus habe ich mit 17 gespielt, also es ist auch für mich ein Jubiläum: es sind nun sechzig Jahre, dass ich mich mit diesem kompletten Zyklus beschäftige.» Natürlich habe er viel gelernt seither und jedes Mal, wenn er wieder ein Stück aus dem Zyklus spiele, entdecke er etwas, das ihm zuvor noch nicht so deutlich zum Bewusstsein gekommen sei. «Es ist wie ein Berg», erklärt Barenboim, «man kann drei Seiten sehen, aber man muss sich dafür bewegen». Nächstes Jahr werden die Stücke nun chronologisch aufgeführt. Dies erlaube auch dem Publikum die Reise mitzumachen und die Entwicklung zu verfolgen, so Barenboim. Für ihn sei es ein Geschenk, dies  machen zu dürfen. «Am Anfang ist alles zentral, dann kommt ein Element von Virtuosität hinzu. Beethoven muss ein phänomenaler Klavierspieler gewesen sein, so, wie er komponiert hat. Und in seinen letzten Sonaten ist es, als ob alles zerbricht. Es gibt ein Gefühl von Unordnung, von Kampf, also von allem, was wir mit Beethoven assoziieren.»

Vielleicht war er der wichtigste …

Für Barenboim gehört Beethoven zu jenen Komponisten, die die Musik am stärksten beeinflusst haben. «Vielleicht war er der wichtigste …», meint er noch. «Was man bei Beethoven vergebens sucht, ist Oberflächlichkeit.»

Für die Reise durch die vier Beethoven-Zyklen (Klaviersonaten, Streichquartett, Violinsonaten, Klaviertrio) ist der Boulez-Saal besonders geeignet. Die ovale Form umschliesst den Pianisten und die beiden Streicher. Es gibt keine Bühnenabschrankung, man sitzt fast familiär beisammen, in unmittelbarer Nähe des Publikums.

Fast schon familiäre Atmosphäre: Boulez-Saal in Berlin   Foto © Monika Rittershaus
Fast schon familiäre Atmosphäre: Boulez-Saal in Berlin Foto © Monika Rittershaus

Etwas Besonderes ist auch noch der Flügel, der den Namen «Barenboim» trägt und eine spezielle Anfertigung auf Wunsch des Pianisten ist. 2011 habe er in Siena auf einem restaurierten Liszt-Flügel gespielt. «Das hat mich umgehauen», schrieb Barenboim damals. 2015 bekam er seinen eigenen nach dem Liszt-Vorbild und hat sich sofort in das Instrument verliebt.

Gebannt folgt das Publikum den innigen Beethoven-Trios, die auch zu einer Reise durch die verschiedensten Gemütsverfassungen wird. Beethoven führt uns ins eigene Innere, durch Hochs und Tiefs, mal heiter, mal nachdenklich. Grossartig dargeboten durch Vater und Sohn Barenboim und den wunderbaren Cellisten Kian Soltani.

Es war die erste Etappe auf dem Weg durchs Beethoven-Jahr. Besser hätte sie kaum beginnen können.

Schwingende Saiten, nichts ist vergleichbar.

Musik liegt in der Luft, kommt in Wellen daher und geht tief, dringt so tief wie nichts anderes in uns. Verändert kaum angekommen in metaphysischer Weise unsere Stimmung. Man schwebt sofort in höherem Level, ob man will oder nicht. Membranen verteilen sie über die ganze Welt. Es ist die Sprache des Universums. Vom Teilchenzoo bis zum Atom, nein schon in Strings geboren, eben hinauf direkt in die Materie hinein. Man nennt es Schwingung, es ist die Sprache des Schöpfers die da zum Ausdruck kommt. Sein bedeutet Bewegung, Schwingung, Ausdruck und wird vollendet durch solche Musik. Ganz genau durch solche Komponisten und Interpreten, die in höchster Vollkommenheit an die Türen der Ewigkeit anklopfen. Knock-knock-knockin' on heaven's door. …cathari

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