Arnold Hottinger nahm "Lifetime Award" entgegen

Journal21's picture

Arnold Hottinger nahm "Lifetime Award" entgegen

Von Journal21, 13.04.2013

Es war der Höhepunkt eines feierlichen Abends mit zahlreichen Preisverleihungen, als Arnold Hottinger nach der Laudatio von Erich Gysling den Reinhardt von Graffenried Lifetime Achievement Award entgegennahm.

Foto: Niklaus Stauss
Foto: Niklaus Stauss

Der Abend fand im Stadttheater Bern statt. Fast alle Plätze waren besetzt. Ganz ohne Zweifel handelt es sich bei diesem Anlass um eines der wichtigeren gesellschaftlichen Ereignisse in Bern. Nach der Preisverleihung gab es im Hotel Bellevue Palace ein Fest.

Die verlagsunabhängige Fondation Reinhardt von Graffenried wurde von Franziska und Erwin Reinhardt-Scherz zusammen mit Charles von Graffenried - im Juli letzten Jahres verstorben - mit dem Ziel gegründet, den schweizerischen Journalismus zu fördern. 2013 markiert den 27. Jahrgang des Schweizer Preises für Lokaljournalismus und den 22. für den Swiss Press Photo-Preis.

Generationenübergreifend, lokal und global

Mit der Verbindung der Auszeichnungen für Lokaljournalismus, für Fotografie und für das Lebenswerk gelingt der Stiftung eine generationenübergreifende Perspektive. Zusätzlich kommt das Lokale ebenso wie das Globale gleichberechtigt in den Blick. Arnold Hottinger hat diesen Zusammenhang in seinem Dank spontan damit zum Ausdruck gebracht, dass ihm während der Preisverleihungen für den Lokaljournalismus klar wurde: Auch er sei im Grunde ein Lokaljournalist - vor Ort in anderen Kulturen.

Vorher hatte Erich Gysling in seiner kurzen, prägnanten und persönlichen Laudatio hervorgehoben, dass Arnold Hottinger oft wochenlang vor Ort mit den Einheimischen unterwegs war - in Bussen, Bahnen, Karawanen. Es sei ihm darum gegangen, sein überrragendes kulturelles Wissen mit den unmittelbaren Eindrücken in konkreten Begegnungen und Situationen zu verbinden. Gysling betonte mehrfach, wie sehr er persönlich von Hottinger beeinflusst worden ist und wie viel er von ihm gelernt habe.

Das hänge auch damit zusammen, dass für Arnold Hottinger die Gründlichkeit von zentraler Bedeutung sei. Eiliges oberflächliches Recherchieren, sei seine Sache nicht. Hottinger ist, so kann man Gysling verstehen, der Gegenpol zur heutigen journalistischen Kurzatmigkeit.

Die westliche Kulturarroganz

In seiner kurzen Dankesrede machte Hottinger klar, dass er im Nachrichtenjournalismus à la CNN oder der Gratiszeitungen eine Quelle künftigen Unglücks sieht. Denn die Welt, die in diesen Medien vorgespiegelt werde, sei eine Täuschung und habe mit den Realitäten in anderen Kulturen nichts zu tun. Deswegen sei die westliche Öffentlichkeit überhaupt nicht auf die Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen Religionen und Kulturen vorbereitet.

Dahinter stecke auch eine tief verwurzelte westliche Kulturarroganz. Der Westen glaube immer an seine Überlegenheit. Damit gerate der Wert anderer Kulturen von vornherein aus dem Blick.

Gysling hatte erwähnt, dass Hottinger nach seinem Ausscheiden als NZZ-Korrespondent in Zug lebt und regelmässig für das Journal21 schreibt. Er selber ergänzte das. Am liebsten, so Hottinger, würde er auch heute noch in Beirut leben. Aber das Internet ermögliche ihm tagtäglich Reisen in die arabische Welt. Und dass er in Zug lebe, habe für ihn eine besondere Beutung: Nach dem Tod seiner ersten Frau habe sich eine neue Lebenspartnerschaft ergeben, die ihn erfülle.

Schweizer Medienpreis für Lokaljournalismus

Print (Jury unter der Leitung von Sylvia Egli von Matt)

Rico Czerwinski für «Die Anomalie» publiziert am 14.4.2012 in Das Magazin

Schweizweit sinkt die Zahl der Verkehrsunfälle. Das gilt auch für die öffentlichen Verkehrsbetriebe. Nicht aber für die VBZ, die Verkehrsbetriebe Zürich. Rico Czerwinski hat sich dieses Phänomens angenommen und herausgefunden, dass bei der VBZ eine extreme Arbeitskultur vorherrsche, die sich ebenfalls stark von der anderer Verkehrsbetriebe unterscheide. Warum steigen die Unfallzahlen? Wo happert es beim Kontrollsystem? In zwei Beiträgen beleuchtet Czerwinski die Anomalie.

Online (Jury unter der Leitung von Peter Hogenkamp)

Philipp Loser für «The Citizens’ Agenda» publiziert am 1.8.2012 auf tageswoche.ch

Im Vorfeld von Wahlen versuchen politische Parteien, sich mit allerlei Themen im Gespräch zu halten. Die «TagesWoche» wollte sich aber anlässlich der Regierungs- und Grossratswahlen 2012 nicht von den Politikern die Themen vorgeben lassen. Die Redaktion machte sich auf in die Stadtquartiere und hörte auf die Anliegen der Bevölkerung. Die dringlichsten Fragen wurden den Kandidierenden zur Beantwortung übergeben. Dank detaillierter Auswertungen auf Karten und in Datenbanken auf einem eigens entwickelten Wahlportal standen plötzlich nicht die Parolen der Politiker, sondern die Anliegen der Bürger im Zentrum der Wahlberichterstattung – « The Citizens Agenda».

Radio (Jury unter der Leitung von Patrick Nussbaum)

Simon Corthay für «Intouchables … version Suisse » ausgestrahlt am 28.1.2012 in der Sendung 15 minutes auf Radio RTS La 1ère

Kein Film hat die Schweiz 2012 so bewegt, wie «Intouchables». Gibt es solche ungleiche Paare auch in der Schweiz? Simon Corthay ist für «La Première» auf RTS dieser Frage nachgegangen. Schnell wurde klar, dass die individuelle Betreuung von Tetraplegikern in der Schweiz bei weitem keine Ausnahme darstellt. Ebenso klar wurde, dass man in der Schweiz kein Milliardär sein muss, um sich individuelle Betreuung leisten zu können. Entstanden ist eine vielschichtige Reportage über «Intouchables», version suisse.

Fernsehen (Jury unter der Leitung von Marc Friedli)

Corinne Eisenring für «Tiefe Stimmbeteiligung» ausgestrahlt am 1.2.2012 im Schweizer Fernsehen SRF in Schweiz Aktuell»

75 Stimmberechtigte gibt es in der bündnerischen Gemeinde Schnaus. Bei einer kantonalen Abstimmung Anfang 2012 hat sich nur ein einziger von ihnen an die Urne begeben. Für die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens hat sich Corinne Eisenring auf die Suche nach dieser Person gemacht. Dabei hat sie vor allem auch Dorfbewohner getroffen, die erklären, warum sie die Abstimmung ausgelassen haben. Gefunden hat sie schliesslich den Schnapsbrenner Peder Caspescha, der mit seiner Stimme das Resultat der Gemeinde alleine bestimmt hat.

Swiss Press Photo 2013

Laurent Gilliéron, Swiss Press Fotograf des Jahres 2012 Der Fotoreporter der Agentur Keystone aus dem Waadtland wurde für sein Bild vom Busunglück, bei dem im März des vergangenen Jahres 28 Personen ums Leben kamen, von der Jury zum Fotografen des Jahres 2012 gewählt. Er ist der erste Preisträger, der schon zum zweiten Mal mit dem Swiss Press Photo Hauptpreis geehrt wird: Er gewann 2005 mit seinem Bild der Strompanne der SBB.

Die Preisträger nach Kategorie (Jury unter der Leitung von Ignaz Staub)

Aktualität

Laurent Gilliéron, Keystone – tödliches Busunglück im Wallis – diverse Zeitungen

Alltag und Umwelt

Steeve Juncker, «Une jeunesse en déshérence alcoholique» - La Tribune de Genève

Porträt Daniel Tischler, «Paradise Tea» - Kinki Magazin Sport

Michael Buholzer, Reuters - Roger Federer gegen eine Biene – diverse Zeitungen

Kunst und Kultur Valérie Chételat, «Ausgetanzt» - «Der Bund

Ausland

Dominic Nahr, Magnum, «Grenzkonflikt im Sudan» - Edito/ Klartext

Ähnliche Artikel

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren