Angriff auf den IS in Mosul-West

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Angriff auf den IS in Mosul-West

Von Arnold Hottinger, 19.02.2017

Der Kampf um die Befreiung der noch vom IS beherrschten Teile Mosuls hat begonnen. Für einen raschen Sieg gegen die Terrormiliz besteht kaum Hoffnung.

Am Sonntagmorgen hat der Angriff der Regierungstruppen auf den westlichen Teil von Mosul begonnen. Eine Pause war eingetreten, nachdem die Regierung Anfang Februar die Stadtteile östlich des Tigris befreit hatte. Sie kam zu Ende mit einer kurzen Fernsehansprache des Ministerpräsidenten Haidar Abadi, der den Beginn der neuen Offensive ankündigte und die Befreiung der ganzen Stadt versprach.

Gleichzeitig wurden Flugblätter über den Westteil Mosuls abgeworfen, um die dortige Zivilbevölkerung vor den bevorstehenden Kämpfen zu warnen. Der Angriff wird zunächst vom Süden her vorgetragen und richtet sich gegen den Flughafen von Mosul, der südlich der Stadt auf der westlichen Seite des Stromes liegt. Der IS hat in Erwartung des Angriffes Gebäude auf dem Flughafen zerstört, um freies Schussfeld zu erhalten. Zudem sind die nördlich des Flughafens liegenden Ausfallstrassen aus der Stadt durch Barrikaden gesperrt und befestigt.

Verzweifelte Lage der Bewohner

In der Weststadt sollen sich noch gegen 650‘000 Zivilisten befinden. Der IS hat ihnen untersagt, die Stadt zu verlassen. Den Meldungen nach hatten sie schon zu Beginn des Monats kaum mehr Esswaren, keine Elektrizität und keine Wasserversorgung mehr. Auf Besitz eines Mobiltelefons oder auch nur einer SIM-Karte steht Todesstrafe. Dennoch gab es Personen, die ihre Telefone behielten und heimlich zu Verwandten jenseits des Stromes sprachen. Ihren Schilderungen nach verbrannten sie ihre Möbel und manchmal Fensterrahmen und Haustüren, um den Rest ihrer Nahrung zu kochen. Dies schon zu Beginn des Monats. Es ist klar, je länger die Eroberung der Weststadt sich hinzieht, desto verzweifelter wird die Lage der verbliebenen Stadtbewohner.

Dass die Eroberung leicht von sich geht, erwartet niemand. Die nun begonnene Offensive dürfte die schwerste Schlacht werden, welche die irakischen Truppen und ihre amerikanischen Helfer zur Luft und zu Land bisher zu bewältigen hatten. Die auf der Westseite befindliche Altstadt mit engen Gassen ist für Tanks und gepanzerte Fahrzeuge unzugänglich. Dort werden die Kämpfe zu Fuss vor sich gehen.

Die immer noch dicht bewohnten Stadtteile können auch nicht aus der Luft angegriffen werden, ohne in erster Linie die Zivilbevölkerung zu gefährden. Was natürlich der Grund des vom IS verhängten Verbotes ist, die Stadt zu verlassen. Falls der IS noch irgendwo bei der Bevölkerung Sympathien zu bewahren vermochte, dürfte dies ebenfalls in der Altstadt sein, einer Hochburg des arabischen Sunnismus und Wohnstätte vieler der bisherigen Machthaber des IS. Dort befindet sich auch die historische Nureddin-Moschee, von der aus Bagdadi 2014 sein Kalifat verkündete.

Kaum Grund zu Optimismus

Alle Zugangswege nach Westmosul sind abgeschnitten, obwohl westlich der Stadt noch einige weite Wüstengebiete liegen, zu denen der IS Zugang behält, ohne jedoch die Verbindung nach Syrien hinüber voll zu kontrollieren. Die schiitischen Milizen haben Mosul westlich umgangen und befinden sich in der Region nordwestlich der Stadt bei Tell Afar. Optimistische Prognosen für das bevorstehende Ringen beruhen auf der Hoffnung, dass dem IS schon relativ schnell Munition und Nahrung ausgehen könnten. Doch die Grösse der Stadt und die langen Vorbereitungszeiten, während deren der IS in ihr seine Stellungen befestigen konnte, machen derartige Hoffnungen nicht sehr wahrscheinlich.

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