Am Abgrund

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Am Abgrund

Von Stephan Wehowsky, 19.08.2014

Unser Alltag geht weiter, während ringsum das Entsetzen wächst. Aber seine Normalität bekommt einen schrillen Unterton.

Die Nachrichten der letzten Wochen und Tage haben eine neue Qualität erreicht. Sie handeln nicht mehr von dieser oder jener Katastrophe, sondern von Konflikten, für die niemand einen Ausweg weiss.

Gesteigerter Hass

Was uns aus den Medien entgegentritt, ist gesteigerter Hass. Dieser Hass ist ethnisch, religiös und politisch so tief verwurzelt, dass er mit den üblichen Mitteln vernünftigen Verhandelns nicht besänftigt werden kann. Und weltweit bricht dieser Hass auf.

Die Nachrichten berichten von einer Eskalation nach der anderen. Es sind Eskalationen, die sich wie von selbst steigern und deren Logik kein Ende vorsieht. Wenn nicht die unwahrscheinlichsten Wunder geschehen, werden sich die Konflikte immer weiter ausbreiten.

Der Grauschleier

Unser Alltag ist davon bislang unberührt. Die Berichte der Medien gehören immer noch so zu unserem alltäglichen Konsum, als wären sie blosse Unterhaltung. Aber noch nie wurden so viele weinende Menschen gezeigt.

Spendenaufrufe in den Nachrichtensendungen wirken hilfloser denn je. Womit und wie kann Flüchtlingen geholfen werden, deren Zahl in die Millionen geht und deren Elend unser Fassungsvermögen selbst im Zeichen medialer Zubereitung übersteigt?

Aber etwas geschieht. Es geschieht mit uns. Ein Schleier legt sich über alles, was wir tun und vor allem: was wir planen. Das Entsetzen, das von allen Seiten bei uns anklopft, verhallt nicht ungehört. Wir spüren, dass das, was wir für unseren normalen Alltag halten, so normal nicht mehr ist.

Fatale Gleichzeitigkeit

Der Alltag wird mehr und mehr zu einer Parodie auf das Grauen ringsum. Und wir spüren, dass sich etwas tiefgreifend verändert hat. Eben noch hat man mit wohligem Gruseln die zahllosen Filme, Schilderungen und Analysen im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg auf sich wirken lassen, da stellt man fest, dass der Abstand nicht allzu gross ist. Das Schicksal unserer Väter holt uns ein.

Wir leben nicht dort, wo wir dachten. Unsere Welt ist nicht so aufgeklärt, dass sie sich weit von dem Verhängnis unserer Vorfahren entfernt hätte. Wir haben über die Vorgängergenerationen keine „natürliche Überlegenheit“ erlangt. Wir sind so verstrickt und so hilflos wie sie. Unser Alltag war nur eine Art Urlaub. Wir spüren, dass dieser Urlaub nun zu Ende gehen wird.

Kein Entrinnen

Was ist der Mensch? Wir hatten geglaubt, dass es trotz aller Rückschläge einen Fortschritt gibt. Denn dieser Fortschritt war für uns sichtbar und spürbar und allgegenwärtig. Und als die Nutzer immer besserer Technik und Kommunikation fühlten wir uns mehr und mehr wie Könige in unserem Reich. Und jetzt wachen wir auf und stellen fest, dass wir Ameisen sind.

Die inneren Alarmglocken schrillen. Aber gerade sie konfrontieren uns mit der Ausweglosigkeit. Wie Ameisen existieren wir auf einem eng begrenzten Biotop, aus dem es kein Entrinnen gibt, es sei denn, es schüttelt uns einfach ab. Und so machen wir weiter wie bisher und schauen uns mit Schaudern zu.

Kommentare

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Diese Gesellschaft ist als Ganzes kaum besser oder schlechter als die Vergangenenen. Ihre Wahrnehmung, dass das Alles nicht ungehört vorübergeht, kann ich nicht teilen.
Weder ihr Artikel, noch unsere Kommentare und schon gar nicht die "News" werden irgend etwas an unserem Standby-Modus ändern in den ich zurückfalle sobald ich meinen Kommentar fertig geschrieben habe.
Quälen Sie sich nicht damit.
Vor hundert Jahren waren in der Schweiz an vielen Orten ziemlich wüste Bedingungen und in hundert Jahren wird das vermutlich wieder der Fall sein. Andere Menschen in anderen Ländern Werden dann News verfassen über unsere in elenden Verhältnissen lebenden Enkelkinder.
Trotzdem oder vielleicht sogar gerade deswegen Wünsche ich uns einen angenehmen Schlaf.

Danke für den Zwischenruf. Viele Gedanken haben mich in ähnlicher Form geplagt. In der Tat habe ich mir eine bessere Welt erträumt. Gerade die Anfänge des Internets waren vielversprechend.

Ich bin und bleibe Pazifist in der einfachen Überlegung, dass Kriege mit der theoretisch möglichen Intelligenz, Auffassungsgabe, Kommunikation und sozialer Kompetenz des Menschen unnötig und unwürdig sind. Kriege sind im Leid für Betroffene unerträglich oder tödlich. Ob Soldat (häufig genötigt) oder Zivilist ist beiderlei schlimm.
In meiner Auffassung ist aber keine Sicht auf Frieden in Nähe und leider weiten sich die Kriege aus, weil wir keine Konzepte für den Frieden wüssten. Ich frage mich aber auch, ob man methodisch mit Konzepten an die Friedensplanung gehen sollte. Denn mit tatsächlichem Gebrauch von Intelligenz, Auffassungsgabe, Kommunikation und sozialer Kompetenz des Menschen würde vermutlich Weltfrieden sein.

Wir schauen uns mit Schaudern zu, weil wir uns selber nicht kennen und auch nicht bereit sind, uns selber kennen zu lernen. Wir verhindern das in unserem Innern. Verbündete dieser inneren Verhinderung sind die äusseren Kräfte in Politik und Wirtschaft, deren zerstörerische Herrschaft nur möglich ist aufgrund der Menschen Blindheit sich selber gegenüber. Diese ist der 'Grauschleier' über dem Alltag, konkret: über der von jedem Einzelnen im sklavischer Stumpfheit gelebten Zeit. Vielleicht sollte hier an Konrad Lorenz' Aussage erinnert werden, wonach unsere Spezies auf dem Weg vom Affen zum Menschen sei. Aber der kann halt auch rückwarts gegangen werden. Eine Erklärung für das Schaudern?

Wenn man nichts weiter als Verschwörungstheorien und
Besserwissereien als Antwort auf besorgte Gedanken zu den aktuellen Weltkrisen präsentieren kann, sollte man wirklich schweigen. Ist der 'Grauschleier' über unserem Alltag denn weniger dicht und weniger spürbar, wenn man unentwegt sein Mantra von der amerikanischen Weltverschwörung herunterbetet? Naiv ist, wer nicht die krakenhafte Vernetzung amerikanischer Geheimdienste rund um den Globus sehen kann und will. Aber sind die russischen, chinesischen, englischen und auch deutschen Geheimnisse denn beruhigenswert besser und diskreter? Natürlich geht es cer amerikanischen Diplomatie bei ihrem Engagement im Nordirak und den kurdischen 'best friends" auch um die langfristige Sicherung von Energiereserven. Aber reicht das schon aus, um sich keine Gedanken um die Verhinderung der Isis-Verbrechen und den Schutz von deren Opfern zu machen? Dass Freund und Feind heute eben nicht mehr so beruhigend klar voneinander zu unterscheiden sind, macht viele Menschen, den Schreiber dieser Zeilen und den Autor des 'Zwischenrufs' doch oft so himmelschreiend hilf- und sprachlos.Gerade wenn man in humanitären Netzwerken versucht, an den diversen aktuellen Kriegs- und Gewaltschauplätzen zu helfen, wird man sich Tag für Tag mehr und immer schmerzhafter bewusst, wie wenig man doch mit diesem guten Willen ( und immer weniger fliessenden Spendengeldern von Menschen mit 'schlechtem Gewissen und guten Idealen ) bewirken kann. Stephan Wehowsky hat genau dieses Gefühl in Worte übersetzt und dafür kann man ihm nur danken.
Carl Wilhelm Macke ( "Journalisten helfen Journalisten" e.V. München )

@ Gast - 19.08.2014 11:06

So hat die Sowjetunion under Breschnew und seinen Kurzzeit-Nachfolgern ausgesehen.
So hat das Römische Reich unter Romulus Augustulus ausgesehen.
Sogar die CIA prognostiziert heute einen Machtzerfall des Imperiums.

Gorbatschow hat sein Imperium nich mehr retten können.
Wie gross ist die Chance, dass ein US-Amerikaner das kann UND FINANZIERT WIRD?

Ich denke wir erleben die letzte Phase des US-Imperiums, wo die Widersprüche keine rationale Geopolitik mehr zulassen.

2020 wird die USA eine Republik unter anderen sein. Vielleicht immer noch intriganter als andere aber mostly harmless, wie heute Grossbritannien.

Es gibt Gründe, optimistisch zu sein.

Werner T. Meyer

Herr Meyer sieht nicht, wer die grössten Profiteure der zunehmenden Militarisierung und Brutalisierung der weltweiten Verhältnisse sind: Die politische immer weniger kontrollierten "Sicherheits"- und Rüstungskonzerne. Hauptproblem dabei ist jener
"militaryindustrial complex", vor dem der General und spätere US-Präsident (ab 1953) Dwight D. Eisenhower schon 1961 mit folgenden Worten gewarnt hat:
"This conjunction of an immense military establishment and a large arms industry is new in the American experience. The total influence -- economic, political, even spiritual -- is felt in every city, every State house, every office of the Federal government. We recognize the imperative need for this development. Yet we must not fail to comprehend its grave implications. Our toil, resources and livelihood are all involved; so is the very structure of our society.
In the councils of government, we must guard against the acquisition of unwarranted influence, whether sought or unsought, by the militaryindustrial complex. The potential for the disastrous rise of misplaced power exists and will persist.
We must never let the weight of this combination endanger our liberties or democratic processes. We should take nothing for granted. Only an alert and knowledgeable citizenry can compel the proper meshing of the huge industrial and military machinery of defense with our peaceful methods and goals, so that security and liberty may prosper together."
Diese "Machinery" verschlingt und verteilt heute jedes Jahr 700 Milliarden US-Dollars. Und sie muss immer neue Kriege (er)finden und führen, sonst wird ihre immense Geld-Quelle früher oder später an der Frage versiegen: "What the fuck are we paying these guys for?" Das hat der gescheite Eisenhower mit erstaunlicher Präzision vorausgesehen. Könnte er heute beobachten, welche Dimensionen das Ganze angenommen hat, er würde seinen Augen kaum trauen. Darum wird Meyers "mostly harmless" ein Wunschtraum bleiben. "Much harm" ist ja weltweit schon jetzt angerichtet: In Afghanistan, in Irak, Libyen usw. Das Resultat sind jene "failed states", in denen das brutalste Faustrecht gilt. Was dann wiederum die verlogenen Strategen in Washington lauthals beklagen, wenn es halt auch ihren Botschafter trifft . N. Ramseyer

@N.Ramseyer. "Herr Meyer sieht nicht, wer die grössten Profiteure der zunehmenden Militarisierung und Brutalisierung der weltweiten Verhältnisse sind:"
Die Brutalisierung sehe ich tatsächlich nicht. Die Statistiken der letzten Jahrzehnte zeigen eine Abnahme der zwischenstaatlichen Kriege (die die grossen Friedhöfe füllen). Seit 1993 nimmt auch die Zahl der Bürgerkriege ab.
Ich teile Ihre Abscheu vor der Rüsrungsindustrie (ca. 1/2 davon USA). Aber das ist nur einer der Widersprüche im Imperium. Eine keynesianische Politik ist nur noch in der Rüstungsindustrie möglich ("Militärkeynesianismus"), weil die Multiplikatoren im Privat-Massenkonsum nich mehr nachhaltig spielen (nur als Kredit-Boom-Crash).
Sie untermauern ja die These, dass das Imperium in Widersprüchen steckt, die keine rationale Politik mehr zulassen. Welcome to the club.

Ein failed state wird die USA nicht werden (ein Schurkenstaat / rogue state sind sie längst). Sie haben einen extrem mächtigen inneren Repressionsapparat . Nach 9/11 eine Liga schlimmer. Den kann man auf einen Zehntel reduzieren (und das MUSS man bei der Gefangenenquote) ohne Symptome eines failed state.

Werner T. Meyer

Habe vor allem ihr "mostly harmless" kritisiert. Und der US-Repressionsapparat ist eben nicht nur ein "innerer" – das könnte uns in der Restwelt ja wohl wurstegal sein: Der arrogante, weltweite Anspruch auf "US-Interessen" überall ist das Problem. Dieser Anspruch wird vom Regime in Washington (auch auf Druck der Tausenden von Lobbyisten) mit Erpressung (Bank Paribas), mit der Instrumentalisierung des völlig undemokratischen UN-Sicherheitsrates, mit totaler Kontrolle und heimlicher Überwachung, und immer mehr auch mit verdeckten oder offenen Gewalttaten der US-Geheimdienste und der US-Kriegsmaschinerie vorab kleinen Staaten rücksichtslos aufoktroyiert. Immerhin glauben immer weniger Leute weltweit das scheinheilige Gerede der allzeit gewaltbereiten US-Einmischler von "Freiheit", "Menschenrechten" und "Demokratie" (Bush der ältere wörtlich: "Restore democracy in Kuwait." Hahaha!). Das alles ist denen völlig egal (Chile!). Sonst würden sie ja vorab Saudiarabien (wo die Rechte der Frauen mit Füssen getreten werden und Demokratie ein Fremdwort ist) boykottieren. Und wenn schon Sanktionen gegen Russland, dann sicher erst recht auch gegen den Unrechtsstaat Israel. Das alles zeigt: Statt Recht und Gesetz und Fairness (und damit Sicherheit) gilt dort, wo sich die US-Machthaber einmischen vorab in schwachen Staaten sofort Willkür, Macht, Gewalt und Faustrecht. Grösseren Staaten gegenüber hingegen (China) nehmen sich die feigen US-Strategen sehr wohl in Acht. N.R.

"Es sind Eskalationen, die sich wie von selbst steigern"

So mag es oberflächlich scheinen, aber unter dieser Oberfläche wird kräftig angeheizt, und zwar stets von gleicher Seite: Den USA und Ihrer Handlanger. So war und ist es von Libyen über Aegypten, Syrien, Irak, Gaza, Iran, Afghanistan, bis zum Balkan und der Ukraine. Keinen dieser Konflikte gäbe es ohne Anfachung und steter Unterstützung der USA. Keinen einzigen. Denken Sie mal darüber nach.

Richtig ist hingegen, dass "die Logik dieser Eskalationen keinen Ende vorsieht."

Das wissen wir jedoch spätestens seit "Perpetual War for Perpetual Peace" (1953).

Es gibt viele Gründe, den modernen amerikanischen Imperialismus zu befürworten, aber über die Kriege darf man sich dann nicht beschweren.

@ Gast - 19.08.2014 11:06
Ich denke sie überschätzen die Steuerbarkeit eines Imperiums im Endstadium und die Folgsamkeit der "Handlanger" etwas. Zudem gibt es immer weniger Gründe "den modernen amerikanischen Imperialismus zu befürworten". Auch für US-Amerikaner nicht. Allenfalls für 1 %.

Werner T. Meyer

Ob Endstadium oder nicht, der imperialistischen Fraktion stehen jährlich einige hundert Milliarden zur Verfügung - so viel wie noch nie. Damit lässt sich schon was anfangen, auch wenn nicht immer alles so funktioniert wie geplant.

Handlanger werden immer mal wieder abtrünnig oder störrisch (vgl. Iran unter Mossadegh und dann wieder unter Chomeini, Irak unter Saddam ab 1990, zuletzt Aegypten unter Mubarak, ein Stück weit auch die Türkei unter Erdogan), aber dann finden die Imperialstrategen jeweils neue Handlanger, um die alten zu beseitigen. Hat bislang ganz gut funktioniert.

Ob "der Westen" inkl. Europa ohne US-Hegemonialmacht langfristig besser oder schlechter dastünde, wäre zu diskutieren. Ich stimme Ihnen aber zu, dass die Masse der Amerikaner zunehmend weniger davon profitiert.

Bei Syrien, Afghanistan, dem Balkan und der Ukraine ist es irgendwie billig, den USA den schwarzen Peter zuzuschieben. Der wäre an dieser Stelle schon eher beim russischen Bären zu suchen.
Bei Libyen, Ägypten, Irak und Gaza, da sind wir uns einig.
Beim Iran sieht es dann schon wieder ein wenig anders aus.
Es sind nicht immer NUR die USA die Bösen. Auch wenn es durch die ideologisch gefärbte Brille natürlich so aussehen KANN.

1. Syrien: Der Bürgerkrieg wurde 2011 gestartet durch die Waffenlieferungen der US-Verbündeten Saudi-Arabien und Quatar, und wurde bis heute verlängert durch weitere US-Waffenlieferungen. Die Giftgasanschläge wurden nach allem was wir bislang wissen (vgl. Seymour Hearst, Carla del Ponte) ebenfalls von den USA bzw. ihren Verbündeten organisiert. Und vergessen wir nicht, dass die USA letzten Sommer einen Bombenkrieg gegen Syrien starten wollten.

2. Afghanistan: Der Krieg in den 80er Jahren gegen die UdSSR wurde von den USA lanciert, darauf ist Brzezinski heute noch stolz. Die Mudjahedin und al Quaeda wurden von der CIA ausgerüstet und trainiert. Der Krieg seit 2001 wurde ebenfalls von der USA geplant und gestartet. Bis heute wurden keine Belege geliefert, dass Afghanistan oder Bin Laden irgend etwas mit 9/11 zu tun hatte, vergessen wir das nicht. Bin Laden hat eine Verantwortung direkt nach dem Anschlag sofort abgestritten.

3. Balkan: Sowohl der Bosnienkrieg ab 1992 wie auch der Kosovokrieg ab 1999 gegen Serbien wurde von den USA lanciert, um den ehamligen Verbündeten der UdSSR/Russlands zu zerschlagen. In Bosnien wurden die radikalen Islamisten unter Izetbegovich genutzt (inkl. Transfer von Islamisten, die man zuvor in Afghanistan ausgebildet hatte), im Kosovo trainierten die USA und ihre Handlanger die UCK.

4. Ukraine: Der gewaltsame Putsch vom 22. Februar 2014 wurde von den USA organisatorisch und finanziell von langer Hand vorbereitet, das ist gut belegt, genauso wie die Putschregierung von den USA zusammengestellt wurde (vgl. Nuland-Telefonat).

5: Iran: Den Irak-Iran Krieg von 1980 bis 88 startete der US-Handlanger Saddam Hussein, nachdem er 1979 von den USA ins Präsidentenamt gehievt wurde, als Vergeltung weil der Iran 1979 den ebenfalls von den USA eingesetzten Shah gestürzt hatten. Die modernen Sanktionen, Drohungen und Kriegspläne gegen den Iran gehen von den USA aus. Die Zerstörung des Iraks ist freilich ebenfalls das Werk der USA.

Fazit: Alle diese Kriege und Konflikte sind Teil der Imperialtrategie der USA. Jeder einzelne. Man mag dies als gerechtfertigt und notwendig ansehen zur Sicherung des "New American Century" und der westlichen Rohstoffversorgung, zur Abwehr von China, Indien und Russland. Aber das ändert nichts an den Fakten.

Mit sogenannten Fakten ist es wie mit Statistiken, Gutachten und dergleichen: Man findet immer irgendwelche "Fakten" die die eigene Sichtweise stützen. Das ist auch nichts Negatives. Man sollte aber niemals Fakten ausblenden die die Gegensicht stützen.
Betrachten wir also nur mal das eine Beispiel Afghanistan: Sie schreiben selbst dass die rote Armee der UdSSR dort einmarschierte. Sind nun also die USA schuld am Afghanistan-Krieg oder nicht doch eher die UdSSR? Oder liegt die Ursache sogar noch tiefer? Auch übe SOLCHE Dinge sollte mal nachgedacht werden.

@Gast2: Gegenargumente sind immer sehr willkommen.

Also Beispiel Afghanistan: Die Amerikaner bauten via CIA ab 1979 die Mujahedin-Gruppen mit Waffen und Training auf als gezielte Provokation gegen die Demokratische Volkspartei Afghanistans, im September wurde Präsident Taraki schliesslich ermordet. Nachfolger Amin zog die Stationierung von NATO-Truppen in Erwägung, worauf die UdSSR, nach langem Zögern, intervenierte. Dass dies als "Falle" angelegt war, gibt Brzezinski heute unumwunden und sichtlich stolz zu.

In der Folge kam es 1991 zum Zusammenbruch der UdSSR, und nochmals 10 Jahre später stehen dann auch NATO-Truppen im strategisch wichtigen Afghanistan zwichen Russland, China, Indien/Pakistan und den zentralasiatischen Rohstoffvorkommen.

Gegenargumente, zu Afghanistan oder einem der anderen oben genannte Konflikte, sind immer willkommen.

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