Wer jemandem Unrecht getan hat, sollte sich entschuldigen und/oder eine Entschädigung leisten. Im Falle der Verdingkinder und anderer Opfer administrativer Zwangsmassnahmen hat Frau Sommaruga dies unlängst im Namen des Bundesrates getan: Sie hat sich entschuldigt, von finanzieller Entschädigung hingegen wollte sie nichts wissen und schlug stattdessen einen Runden Tisch vor. Davon wiederum halten die ehemaligen Verdingkinder wenig. Zu lange warten sie schon. Jetzt wollen sie nicht nur symbolische Gesten, jetzt wollen sie Taten sehen. Und das heisst: Geld, auch wenn Geld seinerseits nach all den Jahren nicht viel mehr als symbolische Bedeutung haben kann. Erlittenes Leid lässt sich nicht mit Geld aufwiegen. Aber es bedeutet Anerkennung: Anerkennung des Unrechts und Anerkennung geleisteter Arbeit. Behörden und Gesellschaft haben jahrzehntelang von der Ausbeutung dieser Kinder profitiert. Nun wäre es an der Zeit, denen, die noch leben, zurückzugeben, was ihnen zusteht. Irland hat 1,28 Milliarden Euro an ehemalige Heimkinder bezahlt. Die Schweiz sollte sich an Irland ein Beispiel nehmen. (Klara Obermüller)
Wirtschaftssystem
Magdalena Martullo, Chefin der Ems-Chemie und Tochter Christoph Blochers, ist beeindruckt von Chinas Wirtschaftspolitik. Diese sei kompetenter als diejenige der europäischen Regierungen, sagte sie in einem Interview im „Tages-Anzeiger“. Auf die Frage, ob es denn in China nicht zu wenig Demokratie gebe, meint die Ems-Chefin: „Aber was nützt Europa die Demokratie – da werden den Leuten Leistungen versprochen, die nicht bezahlbar sind. Das Volk wird hinters Licht geführt.“ - Solche Meinungen dürften heute in Europa mit seiner Euro-Krise öfters zu hören sein. Die Zweifel an der Koexistenz von Demokratie und Kapitalismus wachsen. Kapitalistisch wird jetzt zwar auch in China gewirtschaftet, aber dort dominiert der Staatskapitalismus und es herrscht diktatorisch eine Partei. Wünscht sich Frau Martullo solche Zustände? Warum wirft sie ganz Europa in den gleichen Krisen-Topf? In der Schweiz oder in Norwegen und in Polen gibt es keine Schuldenkrise, Demokratie und Marktwirtschaft funktionieren leidlich. Kein Bürger mit Verstand würde da mit dem „chinesischen Modell“ tauschen. - Ja, die Euro-Krise ist beängstigend. Aber wir sollten aufhören, alles auf total schwammige Begriffe wie Demokratie, Kapitalismus, Sozialismus, Staatskapitalismus zu simplifizieren. Stattdessen sollten wir präzise beim Namen nennen, welches Beispiel von Demokratie und Wirtschaftsordnung (das schweizerische, das schwedische, das italienische?) gemeint ist. (Reinhard Meier)






















